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Elektroauto-Wartung: Kostenfalle Jahresinspektion

Weniger Verschleißteile, geringere Kosten? Denkste. Die Wartung von Elektroautos wird immer teurer. Das entfacht Diskussionen.
/ Franz W. Rother (Edison)
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Die Wartung von Stromern kann ebenso kostspielig sein wie die von Verbrennern. (Bild: Volkswagen)
Die Wartung von Stromern kann ebenso kostspielig sein wie die von Verbrennern. Bild: Volkswagen
Inhalt
  1. Elektroauto-Wartung: Kostenfalle Jahresinspektion
  2. Kia-Geschäftsführer nimmt sich Händler zur Brust

Elektroautos sind teurer in der Anschaffung als Verbrenner – aber günstiger im Unterhalt, weil Strom günstiger ist als Benzin oder Diesel. Und weil ihre Wartung weniger kostenintensiv ist. Schließlich brauchen sie keinen Ölwechsel und besitzen weder Ölfilter noch Zündkerzen. Ihr Bremsverschleiß ist geringer, da sie überwiegend rekuperieren. Und es gibt keine Abgasreinigung, die kaputtgehen kann. Damit hat die Autoindustrie in der Vergangenheit geworben, einige Hersteller wie VW(öffnet im neuen Fenster) und BMW(öffnet im neuen Fenster) tun es noch immer.

Allerdings haben sich die Zeiten geändert. Früher gab es Strom schon einmal kostenlos an einer Ladestation – inzwischen werden, wie der Charging Radar von Edison belegt(öffnet im neuen Fenster) , an manchen Ladestationen für eine Kilowattstunde Strom schon einmal Beträge von einem Euro und mehr aufgerufen. Vor allem aber erlebt so mancher Fahrer eines Elektroautos eine böse Überraschung, wenn er sein Fahrzeug zur vorgeschriebenen Jahresinspektion in die Werkstatt bringt. Denn die Wartungskosten sind in vielen Betrieben massiv gestiegen.

Nicht, weil die Stromer besonders reparaturanfällig wären, sondern weil Autohäuser und Werkstätten die Stundenverrechnungssätze in den zurückliegenden zwei Jahren deutlich angehoben haben: "In Einzelfällen werden bis zu 400 Euro aufgerufen" , wie ein Experte des Zentralverbandes Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) berichtet. Mit dem Ergebnis, dass die Jahreswartung eines Stromers nach Berichten aus der Edison-Community inzwischen mindestens genauso teuer ist wie die bei einem Verbrenner: Je nach Fahrzeug, Betrieb und Region werden zwischen 300 und 1.000 Euro fällig.

Arbeiten am Stromer 30 Prozent teurer als am Benziner

Ein besonders krasses Beispiel wurde Edison von einem Skoda-Fahrer aus Südniedersachsen zugetragen. Ein Volkswagen-Betrieb ruft dort für Arbeiten an einem Stromer bis zu 30 Prozent höhere Stundensätze auf als für die an einem Verbrenner.

Statt 159 Euro wie bei konventionell angetriebenen Fahrzeugen werden dort 212,90 Euro fällig, wenn ein Geselle oder Meister einen Blick auf die Mechanik oder Elektrik des Autos wirft. Sogar für Lackierarbeiten werden dort unterschiedliche Beträge aufgerufen: 279,65 Euro zahlt der Fahrer eines Verbrenners, 305,83 Euro oder fast zehn Prozent mehr der Fahrer eines Elektroautos. Edison versuchte, von dem verantwortlichen Geschäftsführer eine Erklärung dazu zu erhalten – vergeblich.

Und das ist kein Einzelfall. Vor allem Werkstätten von Autohäusern schießen laut einem Insider beim Versuch, die zusätzlichen Kosten für die Anschaffung teurer Werkzeuge und die Ausbildung von Hochvolt-Technikern auf die Kunden abzuwälzen, gelegentlich übers Ziel hinaus.

"Da wird den Kunden das Fell über die Ohren gezogen" , kritisiert Wolf Warncke, Geschäftsführer eines auf Elektroautos des Volkswagen-Konzerns spezialisierten Autohauses in Tarmstedt bei Bremen. "Durch die Erhöhung der Stundensätze holen sich einige Kollegen wohl den Umsatz zurück, den sie früher mit einem Ölwechsel gemacht haben."


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