Elektroauto-Wartung: Kostenfalle Jahresinspektion
Elektroautos sind teurer in der Anschaffung als Verbrenner – aber günstiger im Unterhalt, weil Strom günstiger ist als Benzin oder Diesel. Und weil ihre Wartung weniger kostenintensiv ist. Schließlich brauchen sie keinen Ölwechsel und besitzen weder Ölfilter noch Zündkerzen. Ihr Bremsverschleiß ist geringer, da sie überwiegend rekuperieren. Und es gibt keine Abgasreinigung, die kaputtgehen kann. Damit hat die Autoindustrie in der Vergangenheit geworben, einige Hersteller wie VW(öffnet im neuen Fenster) und BMW(öffnet im neuen Fenster) tun es noch immer.
Allerdings haben sich die Zeiten geändert. Früher gab es Strom schon einmal kostenlos an einer Ladestation – inzwischen werden, wie der Charging Radar von Edison belegt(öffnet im neuen Fenster), an manchen Ladestationen für eine Kilowattstunde Strom schon einmal Beträge von einem Euro und mehr aufgerufen. Vor allem aber erlebt so mancher Fahrer eines Elektroautos eine böse Überraschung, wenn er sein Fahrzeug zur vorgeschriebenen Jahresinspektion in die Werkstatt bringt. Denn die Wartungskosten sind in vielen Betrieben massiv gestiegen.
Nicht, weil die Stromer besonders reparaturanfällig wären, sondern weil Autohäuser und Werkstätten die Stundenverrechnungssätze in den zurückliegenden zwei Jahren deutlich angehoben haben: "In Einzelfällen werden bis zu 400 Euro aufgerufen", wie ein Experte des Zentralverbandes Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) berichtet. Mit dem Ergebnis, dass die Jahreswartung eines Stromers nach Berichten aus der Edison-Community inzwischen mindestens genauso teuer ist wie die bei einem Verbrenner: Je nach Fahrzeug, Betrieb und Region werden zwischen 300 und 1.000 Euro fällig.
Arbeiten am Stromer 30 Prozent teurer als am Benziner
Ein besonders krasses Beispiel wurde Edison von einem Skoda-Fahrer aus Südniedersachsen zugetragen. Ein Volkswagen-Betrieb ruft dort für Arbeiten an einem Stromer bis zu 30 Prozent höhere Stundensätze auf als für die an einem Verbrenner.
Statt 159 Euro wie bei konventionell angetriebenen Fahrzeugen werden dort 212,90 Euro fällig, wenn ein Geselle oder Meister einen Blick auf die Mechanik oder Elektrik des Autos wirft. Sogar für Lackierarbeiten werden dort unterschiedliche Beträge aufgerufen: 279,65 Euro zahlt der Fahrer eines Verbrenners, 305,83 Euro oder fast zehn Prozent mehr der Fahrer eines Elektroautos. Edison versuchte, von dem verantwortlichen Geschäftsführer eine Erklärung dazu zu erhalten – vergeblich.
Und das ist kein Einzelfall. Vor allem Werkstätten von Autohäusern schießen laut einem Insider beim Versuch, die zusätzlichen Kosten für die Anschaffung teurer Werkzeuge und die Ausbildung von Hochvolt-Technikern auf die Kunden abzuwälzen, gelegentlich übers Ziel hinaus.
"Da wird den Kunden das Fell über die Ohren gezogen", kritisiert Wolf Warncke, Geschäftsführer eines auf Elektroautos des Volkswagen-Konzerns spezialisierten Autohauses in Tarmstedt bei Bremen. "Durch die Erhöhung der Stundensätze holen sich einige Kollegen wohl den Umsatz zurück, den sie früher mit einem Ölwechsel gemacht haben."
Kia-Geschäftsführer nimmt sich Händler zur Brust
Auch Thomas Djuren, der Geschäftsführer von Kia Deutschland, weiß um die Problematik. "Das werden wir demnächst mit unseren Händlern intensiver besprechen", erklärte er im Interview mit Edison. Denn die steigenden Wartungskosten bedrohten die Antriebswende und den Verkauf von Elektroautos.
Die Gründe für die Preiserhöhungen bei den Servicekosten – Investitionen in die Hochvolt-Elektrik und in die Ausbildung der Mitarbeiter – sind aus Sicht des Vertriebsexperten nur vorgeschoben. "Das ist ja grundsätzlich nichts Neues" – auch für die Arbeiten an den neuen Techniken von konventionell angetriebenen Autos müssten die Mitarbeiter ständig trainiert werden. Djuren: "Das kann keine Begründung für eine Preiserhöhung sein."
Richtig sei vielmehr, dass durch die wachsende Zahl der Elektroautos die Auslastung der Werkstätten und durch die geringeren Arbeitsumfänge die Umsatzmöglichkeiten in den Servicebetrieben allmählich sinken. "Über eine Erhöhung der Stundenverrechnungssätze versucht nun der eine oder andere Händler, dem Droh-Szenario sinkender Einnahmen zu begegnen." Am Ende des Tages aber sei das eine Milchmädchenrechnung, warnt der Kia-Geschäftsführer. "Denn wenn ich meine Preise immer weiter hochschraube, bleibt der Kunde irgendwann weg."
Tesla kennt keine Pflichttermine – nur Empfehlungen
Oder er wechselt zu einer anderen Marke: Bei Tesla gibt es keine festgeschriebenen Service-Intervalle und Jahresinspektionen. Das Unternehmen "empfiehlt" lediglich, den Zustand der Bremsflüssigkeit – die Wasser ziehen könnte – alle vier Jahre zu überprüfen, die Klimaanlage alle sechs Jahre.
Den Luftfilter rät der Elektroauto-Pionier alle zwei und den HEPA-Filter (zur Abscheidung von Schwebstoffen aus der Luft) alle drei Jahre zu wechseln. In einem Tesla-Center – oder gerne auch in Eigenleistung. Die Garantie bleibt trotzdem bestehen.
Hinweis: Dieser Artikel ist am 16. Januar 2026 zuerst bei unserem Kooperationspartner Edison.media erschienen(öffnet im neuen Fenster).
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