Elektroauto: Tesla-fahr'n auf der Autobahn

Hat uns die Reichweitenangst wieder? Wir sind die europäische Ausführung des Tesla Model 3 gefahren und haben die Fahrt in dem Elektroauto genossen. Nur das Laden erwies sich wieder einmal als nicht so einfach.

Ein Erfahrungsbericht von veröffentlicht am
Tesla Model 3 im Test: im Nu auf Tempo 215
Tesla Model 3 im Test: im Nu auf Tempo 215 (Bild: Werner Pluta/Golem.de)

Mit so einem Elektroauto ist leicht Freunde finden: Kaum sind wir mit dem Tesla Model 3 am Rasthof Buddikate Ost zwischen Hamburg und Lübeck am Lader vorgefahren, erregen wir Aufmerksamkeit: "Das ist aber ein schönes Auto", ist sich ein Ehepaar aus Stade einig. "Wir haben ja auch schon über ein Elektroauto nachgedacht." Der Preis - immerhin mindestens 56.000 Euro - schreckt die beiden nicht.

Wir haben das Model 3 schon im warmen Kalifornien ausprobiert. Jetzt testen wir, wie sich das Auto in Deutschland fährt, und was das deutsche vom US-Modell unterscheidet. Außerdem holen wir nach, was wir seinerzeit nicht testen konnten. Dazu gehört das Laden an einer CCS-Ladesäule. Obwohl das wieder nicht problemlos abläuft und Autopilot und Parkassistent ihre Eigenheiten haben, haben wir bei unserer Probefahrt viel Freude.

Tesla bietet das Model 3 in Deutschland in zwei Varianten an. Beide haben einen Allradantrieb, der über zwei Motoren realisiert wird: einem Synchronmotor an der Hinterachse und einem Asynchronmotor vorn. Wir haben die stärker motorisierte Performance-Variante getestet. Sie hat einen 358 kW starken Antrieb (211 kW hinten und 147 kW vorn). Die Reichweite gibt Tesla nach Worldwide Harmonized Light Vehicles Test Procedure (WLTP) mit 530 km an, was aber unter den gegenwärtigen winterlichen Bedingungen nicht zu schaffen ist. Das Fahrzeug kostet inklusive einer Bearbeitungsgebühr knapp 67.100 Euro.

Die andere Variante, Langstreckenbatterie genannt, hat einen 258-kW-Antrieb und eine Reichweite von 560 km (WLTP). Inklusive Bearbeitungsgebühr ist das Auto ab knapp 56.400 Euro zu haben. Tesla übergab die ersten Model 3 Mitte Februar an deutsche Käufer.

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Der große Unterschied zum US-Modell: Tesla stattet das Model 3 in Europa mit einem Anschluss für das Combined Charging System (CCS) aus, damit Fahrer nicht auf das Netz von Teslas Superchargern angewiesen sind. Klar, dass wir das testen wollen, und zwar an einer Ladesäule von Ionity. Das Gemeinschaftsunternehmen der Automobilhersteller BMW, Daimler, Ford sowie der Volkswagen-Töchter Audi und Porsche baut seit einiger Zeit eine Infrastruktur mit Schnellladepunkten auf. Doch die versagt uns den Dienst: Wir sollen laut Anweisung auf dem Bildschirm den QR-Code auf der Säule scannen und würden dann auf eine Zahlungsseite weitergeleitet.

Werden wir aber nicht. Die Hotline rät uns, die URL der Zahlungsseite im Browser einzutippen und aufzurufen. Aber auch da bietet sich das gleiche Bild: "Unavailable Connectors", Anschlüsse nicht verfügbar, meldet die Website. Woran es liegt - an der Ladesäule oder an Kompatibilitätsproblemen - lässt sich schlecht sagen. Einige Tage später sind auf der Website alle vier Ladesäulen als verfügbar gelistet.

Egal, der Akku ist noch voll genug, und wir wollen uns die Laune nicht verderben lassen, sondern das Fahrzeug testen. Also wieder ab ins Auto. Chipkarte an den Leser halten, Bremspedal treten, den Gangwahlhebel, der etwas kurz geraten und ungünstig hinter dem Lenkrad angebracht ist, auf D schalten - und los schnurrt der Tesla. Das Fahrgefühl ist Elektroauto-typisch: Das Fahrzeug zieht trotz seines Gewichts von knapp 1,85 Tonnen gut - wir fahren das stärker motorisierte Modell Performance, das von zwei Motoren mit einer Gesamtleistung von 358 Kilowatt (kW) angetrieben wird. Dabei ist das Auto wunderbar leise. Das Fahrgestell ist vergleichsweise hart, was dem Wagen eine sportliche Anmutung verleiht, aber nicht unangenehm.

In 3,5 Sekunden, so verspricht es Tesla, beschleunigt das Auto aus dem Stand auf 100 km/h. Auch ohne den Ludicrous Mode des Model S geht das Model 3 an der Autobahnauffahrt gut los: Wir treten das Pedal durch und werden ganz schön in den Sitz gedrückt. Im Nu sind wir bei Tempo 215 - die Höchstgeschwindigkeit des Model 3 Performance liegt laut Hersteller bei 250 km/h, bei der schwächer motorisierten Variante bei 233 km/h.

  • Das Tesla Model 3: Wer damit unterwegs ist, findet schnell Freunde. (Bild: Martin Wolf/Golem.de)
  • Das Auto gehört zur Mittelklasse und wird seit Februar 2019 auch in Europa ausgeliefert. (Bild: Werner Pluta/Golem.de)
  • Die rote Lackierung und die weißen Sitze sind Extras. (Bild: Werner Pluta/Golem.de)
  • Das Fahrzeug hat Allradantrieb mit zwei Motoren: An der Hinterachse sitzt ein Synchronmotor, an der Vorderachse ein Asynchronmotor. (Bild: Werner Pluta/Golem.de)
  • Das Innere ist spartanisch, Bedienungselemente gibt es außer dem Gangwahlhebel kaum. (Bild: Martin Wolf/Golem.de)
  • Die meisten Funktionen werden über den Touchscreen gesteuert. (Bild: Martin Wolf/Golem.de)
  • Zu den wenigen Bedienungselementen gehören die Kugelknöpfe am Lenkrad... (Bild: Martin Wolf/Golem.de)
  • ... und der Blinker. (Bild: Martin Wolf/Golem.de)
  • Außerdem die Fensterheber und  zwei Türöffner - einen mechanischen und einen elektrischen. (Bild: Werner Pluta/Golem.de)
  • Tesla empfiehlt, den elektrischen zu benutzen. (Bild: Werner Pluta/Golem.de)
  • Einiges lässt sich per Spracheingabe steuern. Wir fühlten uns aber oft unverstanden.  (Bild: Martin Wolf/Golem.de)
  • Auf der Autobahn, bei hohem Tempo, ... (Bild: Martin Wolf/Golem.de)
  • ... schnellt der Stromverbrauch in die Höhe. (Bild: Martin Wolf/Golem.de)
  • Bei kalten Temperaturen liegt er ohnehin deutlich über dem Durchschnittswert von 15 kWh/100 km. (Bild: Martin Wolf/Golem.de)
  • Geladen haben wir an einem Supercharger.  (Bild: Werner Pluta/Golem.de)
  • Der muss für das Model 3 umgerüstet sein, ... (Bild: Werner Pluta/Golem.de)
  • ... damit auch Strom fließt. (Bild: Werner Pluta/Golem.de)
  • Obwohl der Charger mit 120 kW laden kann, nutzt das Auto nicht die volle Ladeleistung. Nach einer  Weile wird sie noch weiter gedrosselt. (Bild: Martin Wolf/Golem.de)
  • Nicht so gut gefallen haben uns die Türen, die schlecht schließen. (Bild: Werner Pluta/Golem.de)
  • Auf dem Bildschirm wird darauf aufmerksam gemacht. (Bild: Werner Pluta/Golem.de)
  • Das Model 3 hat hinten einen großen Kofferraum. Vorn ist noch ein kleiner. (Bild: Werner Pluta/Golem.de)
  • Auto mit Ausblick: Durch das transparente Autodach... (Bild: Martin Wolf/Golem.de)
  • ... ist der Kirchturm des Hamburger Michels in voller Größe zu sehen. (Bild: Martin Wolf/Golem.de)
Das Tesla Model 3: Wer damit unterwegs ist, findet schnell Freunde. (Bild: Martin Wolf/Golem.de)

Dann schert ein deutliches langsameres Fahrzeug auf die linke Spur aus. Die Bremsen arbeiten gut genug, um das Auto rechtzeitig zu verlangsamen - im vergangenen Jahr kritisierten Autotester in den USA noch einen zu langen Bremsweg. Tesla löste das Problem mit einer Software-Aktualisierung.

Nach der scharfen Bremsung cruisen wir lieber gemütlich mit 120 km/h weiter - nicht zuletzt auch deshalb, weil im Hinterkopf der Gedanke an den Ladezustand sitzt. Andererseits gibt uns die moderate Geschwindigkeit die Möglichkeit, ein wenig mit der Bedienung zu spielen.

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Wo ist der Warnblinker? 
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m4mpf 04. Mär 2019

Schon mal eine aktuelle E-Klasse gefahren? Wohl eher nicht.

Nachtelf 01. Mär 2019

Mir scheint du schreibst nur um des Schreibens willen und nicht um dich wirklich mit den...

E-Mover 28. Feb 2019

Wenn Du Diesel zur Stromerzeugung nutzt (solche Kraftwerke gibt es ja tatsächlich), dann...

Xander 28. Feb 2019

Man kann bei solchen Vergleichen zwischen Auto und Bahn auch nicht nur die Spritkosten...



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