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Elektro-SUV Q8: Neuer Audi E-Tron steigert Reichweite um bis zu 44 Prozent

Mit größerem Akku und deutlich mehr Reichweite wertet Audi den E-Tron auf. Selbst das Einstiegsmodell Q8 E-Tron 50 wird damit langstreckentauglich.
/ Friedhelm Greis
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Der neue Audi Q8 E-Tron kommt mit deutlich größerer Reichweite auf den Markt. (Bild: Audi)
Der neue Audi Q8 E-Tron kommt mit deutlich größerer Reichweite auf den Markt. Bild: Audi

Als Audi im September 2018 den vollelektrischen E-Tron in San Francisco vorstellte , sah sich der Ingolstädter Autokonzern in der Riege der Tesla-Jäger noch ganz vorn. Doch inzwischen hat die Konkurrenz im Segment der SUVs und Crossovers deutlich aufgeholt.

Der verbesserte E-Tron, der sich nun Q8 E-Tron nennen darf , soll es daher in puncto Reichweite mit dem BMW iX (g+) oder dem Mercedes-Benz EQE SUV aufnehmen können. Effizienzgewinne von rund sechs Prozent in Verbindung mit größeren Akkus sollen die Reichweite um 32 bis 44 Prozent steigern.

150.000 verkaufte Exemplare

Mit 150.000 verkauften Einheiten kann sich die Bilanz des E-Tron aus den vergangenen vier Jahren durchaus sehen lassen. So war das SUV beispielsweise im Jahr 2020 in Norwegen der beliebteste Neuwagen . Nach dem ursprünglichen E-Tron 55 hat Audi noch eine förderfähige Version mit kleinerem Akku , den E-Tron 50, sowie eine Sportback-Variante auf den Markt gebracht.

Dieses Konzept bleibt nach dem Facelift im Grunde erhalten. Für beide Karosserieformen, SUV und Sportback, stehen jeweils drei Versionen mit elektrischem Allradantrieb zur Wahl.

Einstiegsmodell mit großem Akku

Die Einstiegsmodelle Q8 50 E-Tron und Q8 50 Sportback E-Tron verfügen mit ihren beiden Motoren im Boostmodus künftig über eine Leistung von 250 Kilowatt (kW) bei einem Drehmoment von 664 Nm. Mit dem 20 kW stärkeren Antrieb beschleunigen die Basismodelle in 6 Sekunden von 0 auf 100 km/h.

Bei einer nutzbaren Akkukapazität von 89 Kilowattstunden (kWh) liegt die Reichweite nach WLTP bei bis zu 491 km beim SUV und bei bis zu 505 km beim Sportback. Das bedeutet: Der bislang große Akkutyp des E-Tron steht nun bereits dem Einstiegsmodell zur Verfügung. Damit steigt die Reichweite nach WLTP um beachtliche 44 Prozent. Für die vier weiteren Versionen entwickelte Audi hingegen einen größeren Akku mit einer höheren Energiedichte.

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Der Q8 55 E-Tron und der Q8 55 Sportback E-Tron sind mit 300 kW im Boost-Modus bei gleichem Drehmoment etwas stärker als das Basismodell motorisiert. Um aus dem Stand auf 100 km/h zu beschleunigen, werden 5,6 Sekunden benötigt. Dank einer nutzbaren Akkukapazität von 106 kWh (brutto 114 kWh) wird eine Reichweite von bis zu 582 km erzielt, beim Sportback sind es bis zu 600 km. Das entspricht einer Steigerung von 32 Prozent. Die Geschwindigkeit wird wie bei den zuvor genannten Modellen bei 200 km/h abgeregelt.

Etwas schneller sind hingegen die Topmodelle SQ8 E-Tron und SQ8 Sportback E-Tron unterwegs, die 210 km/h erreichen können. Sie verfügen über drei Motoren, die im Boostmodus zusammen 370 kW und ein Drehmoment von 973 Nm liefern können. Damit beschleunigen die Topmodelle in 4,5 Sekunden von 0 auf 100 km/h. Entsprechend niedriger fällt die Reichweite bei der gleichen Akkugröße mit bis zu 494 km beim SUV und bis zu 513 km beim Sportback aus. In diesem Fall steigt die Reichweite um 32 Prozent beim SUV und 35 Prozent beim Sportback.

Ladeleistung steigt auf 170 kW

Eine größere Akkukapazität führt in der Regel zu einer höheren Ladeleistung, die im Falle des Q8 E-Tron 55 von 150 kW auf bis zu 170 kW steigt. Damit soll sich die Akkukapazität in 31 Minuten von 10 auf 80 Prozent laden lassen. Dabei erreicht der Q8 E-Tron die maximale Ladeleistung bei einem Ladezustand von rund 60 Prozent.

Serienmäßig lädt der Q8 E-Tron mit 11 kW an Wechselstrom, jedoch ist gegen Aufpreis auch ein sogenannter On-Board-Lader mit 22 kW erhältlich. Serienmäßig bietet der Q8 E-Tron die automatische Autorisierung von Ladevorgängen über die Funktion Plug & Charge.

Bessere Aerodynamik und effizienterer Antrieb

Der E-Tron konnte bislang nicht durch eine besondere Effizienz hervorstechen. So ermittelte der ADAC im Ecotest(öffnet im neuen Fenster) einen realistischen Verbrauch von 25,8 kWh pro 100 km. Anders als andere Hersteller verzichtete Audi auf eine besonders reichweitenstarke Version mit nur einem Antriebsmotor. Daran ändert sich nichts: Der Q8 E-Tron bleibt ein Quattro.

Immerhin haben die Entwickler versucht, die Aerodynamik zu verbessern. So sinkt der Luftwiderstandsbeiwert (cw) beim Sportback von 0,26 auf 0,24 und beim SUV von 0,28 auf 0,27. Zur besseren Aerodynamik tragen unter anderem Radspoiler bei, die am Unterboden angebracht sind und dabei helfen sollen, den Fahrtwind an den Rädern vorbeizuleiten. Zudem wurden die Spoiler an der Vorderachse vergrößert. Beim Sportback kommen nun auch vor den Hinterrädern Spoiler zum Einsatz.

Effizienter arbeitet laut Audi auch der Asynchronmotor an der Hinterachse. "Statt 12 erzeugen nun 14 Wicklungen das elektrische Magnetfeld. Bei gleichem Stromeinsatz generiert der Motor so ein stärkeres Magnetfeld, das wiederum für ein höheres Motordrehmoment sorgt. Wird dieses nicht abgerufen, benötigt der Elektromotor weniger Strom, um Drehmoment aufzubauen" , heißt es in einer Mitteilung(öffnet im neuen Fenster) .

Akku mit neuer Zellchemie

Nach Angaben von Audi verfügt der neue Akku über eine andere Zellchemie. Statt der bisherigen Kathode aus Nickel, Mangan und Kobalt (NMC) setze Audi nun auf eine Kathode auf der Basis von Nickel, Kobalt und Aluminium (NCA)(öffnet im neuen Fenster) . Dadurch habe der Kobaltanteil "signifikant" gesenkt werden können. Der Akku, dessen Gewicht bislang mit 700 kg angegeben wurde, ist nun 20 kg schwerer.

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Mit Blick auf die Fahrassistenzsysteme wird es beim Q8 E-Tron keinen großen Sprung nach vorne geben. So verzichtet Audi ebenso wie BMW derzeit auf hochautomatisierte Funktionen nach Level 3. Dennoch stehen dem Hersteller zufolge 40 Fahrassistenzsysteme zur Verfügung, die bis zu fünf Radarsensoren, fünf Kameras und zwölf Ultraschallsensoren auswerten.

Neu hinzukommen soll im Laufe des Jahres 2023 der Remote Parkassistent plus. Damit lässt sich der Q8 E-Tron den Angaben zufolge in enge Parklücken manövrieren. Der Einparkvorgang lässt sich dann auf dem Smartphone mit der myAudi-App steuern.

Digitale Außenspiegel sind beliebt

Im Angebot bleiben zudem die digitalen Außenspiegel, die laut Audi von den Kunden "sehr positiv" angenommen wurden. So liege die Einbaurate weltweit bei einem Drittel der Bestellungen, teilte ein Sprecher auf Anfrage von Golem.de mit. Allerdings sei auf wichtigen Märkten wie den USA oder China diese Option nicht zugelassen. Bei unseren Testfahrten haben uns die virtuellen Außenspiegel nicht überzeugt, der ADAC bezeichnete sie als "gut gedacht, aber schlecht gemacht" .

Auf kritische Hinweise der Presse hin hat Audi hingegen die Fahrdynamik nachjustiert. Um die Querdynamik des Fahrzeugs zu optimieren, sei die Luftfederabstimmung angepasst worden. "Außerdem bietet die Stabilisierungskontrolle ESC künftig einen größeren Spielraum – vor allem in engen Kurven. Diese meistert der Audi Q8 E-Tron dank seiner überarbeiteten Progressivlenkung spürbar agiler" , heißt es in der Mitteilung. Zudem sei die Übersetzung des Lenkgetriebes geändert worden, "so dass die Lenkung auch auf geringen Einschlag des Lenkrads viel direkter anspricht" .

Wie alle Oberklassemodelle von Audi nutzt auch der Q8 E-Tron das berührungsempfindliche Infotainmentsystem MMI. Die beiden Displays mit einer Diagonale von 10,1 Zoll (oben) und 8,6 Zoll (unten) sollen fast alle konventionellen Schalter und Regler ersetzen. Darüber lassen sich laut Audi zahlreiche Funktionen mit der Sprachbedienung aktivieren.

Bei den digitalen Matrix-LED-Scheinwerfern stehen mit einer erweiterten Verkehrsinformation, dem Spurlicht mit Fahrtrichtungsanzeige und dem Orientierungslicht auf Landstraßen drei neue Funktionen zur Verfügung. Das bedeutet unter anderem, dass die Betätigung des Blinkers nun auch auf der Fahrbahn zu sehen ist. Zudem gibt es einen optischen Warnhinweis auf der Fahrbahn, wenn sich beispielsweise auf der zu fahrenden Strecke ein Unfall ereignet hat.

Front etwas bulliger und aggressiver

Rein optisch unterscheiden sich die neuen E-Trons kaum von der Vorgängerversion. Der neue Q8 ist mit 4,915 Metern 1 Zentimeter länger und mit 1,937 Metern wenige Millimeter breiter. Audi gibt das Kofferraumvolumen mit 569 Litern beim SUV an, beim Sportback sind es 528 Liter. Hinzu kommen 62 Liter im sogenannten Frunk.

Die Front wirkt etwas bulliger und aggressiver. Sie sollen laut Audi "auf den ersten Blick" als vollelektrische Modelle erkennbar sein. Erreichen wollen das die Designer "mit der charakterstarken Singleframe-Maske, dem invertierten Grill sowie einer Spange oberhalb der neu gestalteten Diffusoren am Heck" . Eine Besonderheit im Paket Edition S line sei der Singleframe-Grill, der exklusiv in Wagenfarbe gehalten sei. Darüber hinaus erhalte der Q8 E-Tron als erstes Modell die neue Modellkennzeichnung mit einem Audi-Schriftzug auf der B-Säule.

Die bisherigen E-Tron-Modelle sind derzeit nicht mehr konfigurierbar. Der Verkaufsstart des vollelektrischen Q8 soll noch im November 2022 erfolgen. Die ersten Auslieferungen seien für das kommende Frühjahr geplant. Bis Sommer 2023 sollen die Modelle in 100 Ländern weltweit ausgeliefert werden können.

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Einstiegspreis bei 74.400 Euro

Was die Preise betrifft, so verteuert sich das Einstiegsmodell Q8 E-Tron 50 um knapp 5.000 Euro auf 74.400 Euro. Bei einem Nettopreis von rund 62.500 Euro wäre das Modell immer noch förderfähig. Der Basispreis für den nicht mehr förderfähigen Q8 55 E-Tron liegt bei 85.300 Euro, die S-Version startet bei 95.800 Euro.

Audi verspricht zudem eine bessere Serienausstattung. So werde die frühere Advanced Line künftig zur Standardversion. Das bedeutet, dass keine unlackierten Bauteile mehr eingesetzt würden.

Mit der beachtlichen Steigerung der Reichweite macht Audi ein großes Manko der bisherigen E-Tron-Versionen wett. Die Vorteile des bisherigen Konzepts, wie die gute Geländegängigkeit und der Fahrkomfort, bleiben hingegen erhalten. Mit einer Reichweite von rund 500 km nach WLTP und einer Ladeleistung von 150 kW dürfte sogar das Einstiegsmodell langstreckentauglich sein. Trotz des gestiegenen Preises und der reduzierten Fördersumme ist der E-Tron 50 für Käufer damit durchaus attraktiver geworden.


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