Elektro-SUV GLC vorgestellt: Mercedes-Benz elektrifiziert sein Erfolgsmodell
Mit dem vollelektrischen GLC will Mercedes-Benz verlorenen Boden in der E-Mobilität gutmachen. Das am Vorabend der IAA 2025 in München vorgestellte SUV der oberen Mittelklasse verfügt über einen Antrieb mit 800-Volt-Technik und gegen Aufpreis über den bislang größten Bildschirm in einem Mercedes-Benz. Der Akku hat eine nutzbare Kapazität von 94 kWh und soll eine Reichweite von bis zu 713 km nach WLTP ermöglichen. Die maximale Ladeleistung beträgt 330 kW an Gleichstrom und optional 22 kW an Wechselstrom. Einen Preis für den GLC nennt Mercedes-Benz in seiner Mitteilung vom 7. September 2025(öffnet im neuen Fenster) noch nicht.
Nach dem CLA ist der GLC das zweite Elektroauto, mit dem Mercedes eine neue Strategie in der E-Mobilität umsetzt . Diese setzt auf traditionelle Modellnamen und klassisches Mercedes-Design. Zudem verfügen beide neuen Modelle über einen effizienteren Antrieb und eine deutlich höhere Ladeleistung als bisher. Die Software auf Basis des neu entwickelten Betriebssystems MB.OS ermöglicht die flexible Integration von Infotainmentdiensten wie ChatGPT oder Google Gemini.
Neue Plattform MB.Medium
Der 2018 vorgestellte EQC (g+) erwies sich als halbherziger Versuch der Stuttgarter, ihre Marke zu elektrifizieren. Die späteren Modelle wie das EQE SUV waren zwar technisch schon deutlich besser, kamen aber wegen des Designs und des hohen Preises nicht gut bei den Kunden an.
Der GLC EQ ist das erste Modell der neuen Mercedes-Plattform MB.Medium. Viele Elemente daraus kommen einem aus der MMA-Plattform, die der CLA nutzt ( Probefahrt ), bereits bekannt vor. Dazu zählen die Leistungselektronik mit Siliziumkarbid-Wechselrichtern, die 800-Volt-Technik, ein Zweiganggetriebe an der Hinterachse und eine Disconnect Unit an der Vorderachse. Beide Plattformen nutzen permanenterregte Synchronmotoren an beiden Achsen.
Es gibt aber einige Unterschiede zwischen dem GLC und dem CLA. Denn der GLC geht bei Komfort und Fahrwerk schon in Richtung Oberklasse.
Luftfederung und Hinterachslenkung
So ist das SUV gegen Aufpreis mit der Luftfederung Airmativ mit intelligenter Fahrwerksregelung und Hinterachslenkung bestellbar. Zu dieser Fahrwerksregelung gehört eine vernetzte Funktion (Car-to-X), die längere Fahrbahnschwellen erkennt und deren Standort an die Mercedes-Cloud übermittelt. Folgende Fahrzeuge können dadurch ihre Geschwindigkeit anpassen, damit die Federung an der Schwelle nicht hart anschlägt.
Durch die Hinterachslenkung reduziert sich der Wendekreis um 90 cm von 12,1 auf 11,2 m. Diese Funktion hat uns beim EQE ( Praxistest ) gut gefallen. Anders als der CLA verfügt der GLC über ein neues Bremssystem, das die bisher separaten Komponenten Bremskraftverstärker, Hauptzylinder und ESP-Regelung in einem kompakten Modul vereint. Die Rekuperationsleistung beträgt bis zu 300 kW. Zudem kann der GLC ebenso wie der neue iX3 bis zum Stillstand elektrisch bremsen. Im Gegensatz zum CLA verfügt das SUV über einen DC/DC-Wandler, der das Laden an Säulen mit 400 Volt ermöglicht. Allerdings nur "länderspezifisch" .
Der Antrieb des GLC 400 4Matic, der ersten Version des Modells, ist mit einer Systemleistung von 360 kW (490 PS) deutlich stärker als derjenige des CLA mit 260 kW. Die Motoren brauchen 4,3 Sekunden, um das SUV von null auf 100 km/h zu beschleunigen. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt 210 km/h.
Vergleichbar mit dem CLA ist zudem die Hardware für die Assistenzsysteme.
Level 2++ in den USA und China
Der GLC verfügt je nach Ausstattung und Markt über bis zu zehn Außenkameras, fünf Radarsensoren, zwölf Ultraschallsensoren sowie einen wassergekühlten Hochleistungsrechner. Letzterer bietet laut Mercedes ausreichende Leistungsreserven für zukünftige Funktionen und regelmäßige Over-the-Air-Updates.
Die Ausstattung macht deutlich: Ein Level-3-System wie den Drive Pilot soll es in der elektrischen C-Klasse offenbar nicht geben. Denn dafür nutzt Mercedes-Benz bislang Lidar als zusätzliches Sensorsystem. Allerdings ist mit dem MB.Drive Assist Pro künftig ein System erhältlich, das als Level 2++ bezeichnet wird. Dieses ermögliche wie Teslas überwachtes Full Self Driving (FSD) "auch im dichten Stadtverkehr ein nahtloses und sicheres Point-to-Point Fahrerlebnis" , schreibt das Unternehmen.
Gegen Aufpreis ist bei Markteinführung schon der MB.Drive Assist verfügbar. Dieser entspricht einem Abstandsregeltempomaten (Distronic) mit Lenk- und Spurwechselassistenten. Der MB.Drive Assist Plus soll hingegen erst später angeboten werden. Das System ermöglicht je nach Markt unter anderem einen erweiterten Spurwechselassistenten, der auch in der Stadt funktioniert. Der Assist Pro sei zwar technisch schon überall möglich, könne aber aus regulatorischen Gründen noch nicht weltweit zugelassen werden, so der Hersteller. Die Markteinführung sei daher zunächst für die USA und China geplant.
Hyperscreen als Maximalausstattung
Im Innenraum bietet Mercedes-Benz beim GLC einen Hyperscreen mit einer Diagonale von 39,1 Zoll (99,3 cm) an, allerdings nur gegen Aufpreis. Serienmäßig verfügt der GLC ebenso wie der CLA über den kleineren Superscreen, bei dem unter einer durchgängigen Glasfläche drei Anzeigeflächen sitzen: das 10,3 Zoll große Kombiinstrument, das 14 Zoll große Zentraldisplay und das ebenfalls 14 Zoll große Beifahrerdisplay. Wobei das Beifahrerdisplay in der Basisversion nur als "Zierteil" ausgeführt ist, auf dem sich Hintergrundbilder darstellen lassen.
Das Infotainmentsystem ist mit demjenigen des CLA vergleichbar. Auf unserer Probefahrt haben die eingebundenen Dienste wie ChatGPT 4o oder Google Gemini gut funktioniert. Allerdings erschien das System manchmal ein wenig bevormundend, beispielsweise bei der Routenplanung.
Was die Bedienung betrifft, so hat Mercedes auf die negativen Rückmeldungen der Kunden reagiert. So kehren die Wippe für den Limiter und den Tempomaten sowie die Walze für die Lautstärkeregelung wieder auf das Lenkrad zurück. Die weiterhin vorhandenen kapazitiven Schalterfelder sind laut Mercedes "fugenlos integriert und bieten haptische Fühlhilfen zur besseren Orientierung" .
Der elektrische GLC soll die Kunden bei den praktischen Funktionen nicht enttäuschen.
Großer Stauraum und hohes Zuggewicht
Das SUV ist 4,85 lang, 1,91 breit und 1,64 m hoch. Damit ist die Elektroversion 14 cm länger als die bisherigen Verbrenner.
Das Kofferraumvolumen beträgt 570 Liter. Das sind 50 Liter weniger als bei den reinen Verbrennern, aber 100 Liter mehr als bei den Plug-in-Hybriden. Mit umgeklappten Rücksitzen sind es maximal 1.740 Liter. Unter der Fronthaube befindet sich ebenso wie beim CLA ein Stauraum, dessen Volumen je nach Modell zwischen 100 und 128 Liter beträgt. Die zulässige gebremste Anhängelast beträgt 2.400 kg, ungebremst sind es noch 750 kg. Die Anhängerkupplung kann 100 kg Stützlast tragen. Das dürfte für bis zu drei E-Bikes reichen.
Entscheidend für den Erfolg des GLC dürften jedoch nicht nur die technischen Merkmale, sondern auch der Preis sein. Der vergleichbare GLC 400 startet als Plug-in-Hybrid bei mehr als 72.000 Euro. Die meistverkaufte Version, der GLC 220 d 4Matic, kostet hingegen 10.000 Euro weniger.
Mit dem GLC zum Erfolg verdammt
Verglichen mit dem neuen BMW iX3, dessen Akku nutzbare 108,7 kWh speichern kann, ist die Batterie des GLC deutlich kleiner. Wie stark sich dies auf die tatsächliche Reichweite auswirkt, wird sich im Praxistest zeigen. Mercedes gibt vorläufige Reichweiten von 571 bis 713 km an. An einer Schnellladesäule soll in 22 Minuten von 10 auf 80 Prozent der Akkukapazität geladen werden können, was einer durchschnittlichen Ladeleistung von 180 kW entspricht. Damit wäre der GLC auf jeden Fall langstreckentauglich.
Ebenso wie mit dem CLA macht Mercedes auch mit dem GLC einen großen Sprung nach vorn. Sollten die Kunden trotz der Zugeständnisse an ihren Geschmack und ihre Vorlieben immer noch bei der E-Mobiliät zögern, hat die Marke ein Problem, das selbst die besten Ingenieure kaum lösen können.
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