Elektro-SUV: Geely testet Auto mit 90-Grad-Lenkung

Geely hat ein Elektroauto vom Typ EX5 umgebaut, bei dem jedes Rad einen eigenen Elektromotor besitzt und unabhängig um 90 Grad gedreht werden kann. Die Räder lassen sich im rechten Winkel zur Karosserie einstellen, wodurch das Fahrzeug ohne Wendekreis rotieren oder seitwärts in Parklücken gleiten kann, wie Car News in China berichtet(öffnet im neuen Fenster) .
Bei der Demonstration steuerte ein Geely-Mitarbeiter den Prototyp mit einem speziellen Handschuh-Controller. Diese Lösung ist laut Hersteller provisorisch – künftig sollen Besitzer ihre Fahrzeuge per Smartphone oder Smartwatch aus der Ferne manövrieren können.
Technische Möglichkeiten und Kompromisse
Die Vierrad-Einzellenkung ermöglicht mehrere unkonventionelle Fahrmodi. Der Wagen kann auf der Stelle wenden und Parklücken nutzen, die für herkömmliche Fahrzeuge unzugänglich wären. Im sogenannten Krabben-Modus drehen sich alle Räder in dieselbe Richtung, so dass das Fahrzeug seitlich manövrieren kann.
Nach Herstellerangaben soll das System die Fahrstabilität bei Eis und Seitenwind verbessern. Wann die Technik in Serie geht, gab Geely nicht bekannt.
Der Prototyp zeigt jedoch mindestens einen erkennbaren Nachteil: Die hinteren Radhäuser wurden vergrößert, um die Räder aufzunehmen. Dies könnte den Innenraum verkleinern, besonders im Fond.
Geely verdeckte die Scheiben des Prototyps mit undurchsichtiger Folie. Branchenbeobachter vermuten, dass die Rücksitze entfernt wurden, um Platz für die modifizierten Radhäuser zu schaffen.
Technische Daten des aktuellen EX5
Der Standard-EX5 basiert auf Geelys GEA-Plattform. Das Fahrzeug misst 4.615 mm in der Länge, 1.901 mm in der Breite und 1.670 mm in der Höhe bei einem Radstand von 2.750 mm. Die normalen Serienmodelle verfügen über einen Frontmotor mit 160 kW.
ZF geht einen anderen Weg und erreicht fast das Gleiche
Während Geely auf radintegrierte Motoren setzt, verfolgen andere Hersteller einen weniger radikalen Ansatz. Der Zulieferer ZF entwickelt Steer-by-Wire-Systeme , bei denen Lenkrad und Räder elektronisch statt mechanisch verbunden sind. Der chinesische Hersteller Nio nutzt die Technik bereits serienmäßig im ET9, Tesla im Cybertruck. Mercedes-Benz will 2026 folgen.
Der Vorteil: Das Lenkrad muss beim automatischen Einparken kaum noch bewegt werden, während die Räder voll einschlagen. ZF zeigt mit seiner Easyturn-Achse zudem Lenkwinkel von bis zu 80 Grad – der Wendekreis schrumpft dadurch um drei bis vier Meter.
Anders als Geelys Radmotoren-Lösung erfordert Steer-by-Wire keine Vergrößerung der Radhäuser und damit keine Kompromisse beim Innenraum. ZF rechnet bis 2030 mit einem Weltmarktanteil von 33 Prozent und 4,8 Milliarden Euro Umsatz in diesem Segment.



