Elektrische Luxuslimousine: Der EQS bekommt mehr Reichweite und den Mercedes-Stern

Rund zweieinhalb Jahre nach dem Marktstart wertet Mercedes-Benz seine vollelektrische Limousine EQS deutlich auf. Zum Modelljahr 2024 steigt die nutzbare Akkukapazität des Elektroautos von 108,4 auf 118 Kilowattstunden (kWh), so dass laut Pressemitteilung vom 10. April 2024(öffnet im neuen Fenster) die Reichweite nach WLTP auf 822 km zulegen soll. Mit einer neuen Kühlerverkleidung mit Chromelementen und einem stehenden Mercedes-Stern auf der Haube zielt der Stuttgarter Hersteller offenbar auf Kunden ab, die bislang einen Wechsel von der S-Klasse auf das elektrische Pendant auch aus optischen Gründen scheuten.
Der Vorverkaufsstart für den neuen EQS beginnt am 25. April 2024. Trotz des größeren Akkus und des nun serienmäßigen Hyperscreens bleibt der Einstiegspreis von derzeit 109.551,40 Euro(öffnet im neuen Fenster) unverändert. An diesem Tag soll zudem der Verkauf einer Manufaktur Selection starten, einer hochwertigen Sonderedition der EQS-Limousine.
Anders als die Konkurrenz von BMW, wo sich der elektrische i7 optisch nicht von den Verbrennern der 7er-Reihe unterscheidet, setzte Mercedes-Benz mit dem EQS bewusst auf ein besonders aerodynamisches Design. Doch die Verkaufszahlen dürften bislang unter den Erwartungen gelegen haben , wobei im ersten Quartal 2024 in Deutschland fast ebenso viele EQS wie S-Klasse-Modelle neu zugelassen wurden.
Serienmäßiger Hyperscreen und Wärmepumpe
Eine Besonderheit zum Marktstart war der sogenannte Hyperscreen. Dieser verbindet drei unterschiedliche Bildschirme hinter einer gemeinsamen Glasplatte, die sich über das komplette Armaturenbrett zieht. Während der Hyperscreen bislang gegen einen Aufpreis von 8.568 Euro erhältlich war, sind die Bildschirme künftig serienmäßig vorhanden. Die Version mit separatem Zentraldisplay in der Mittelkonsole ist nicht mehr erhältlich. Serienmäßig ist künftig auch die Wärmepumpe eingebaut, welche die Effizienz und den Klimakomfort erhöhen soll.

Für mehr Komfort soll auch eine bessere Ausstattung der Rücksitze sorgen. Damit zielt Mercedes-Benz auf das typische S-Klasse-Klientel, das sich von einem Fahrer chauffieren lässt. Gegen einen Aufpreis von 3.867,50 Euro ist ein Fondkomfort-Paket Plus erhältlich. Dieses verfügt auf der rechten Seite über eine spezielle abgeschrägte Fußablage. Sie ist zwischen den Schienen des Vordersitzes platziert und soll den Komfort für Fondpassagiere merklich erhöhen.
Ein weiteres Detail: Der Beifahrersitz soll sich nun nach vorne klappen und die Lehne im Fond auf bis zu 38 Grad verstellen lassen. Das sorge für mehr Platz. "Die Sonderausstattung umfasst darüber hinaus Sitzheizung Plus und Nacken- sowie Schulterheizung im Fond sowie eine pneumatische Verstellung der Sitztiefe" , hieß es.
Stärkere Rekuperation mit One-Pedal-Feeling
Mercedes-Benz setzt bei der EQS-Limousine weitere Funktionen ein, die bislang nur beim EQS SUV vorhanden waren. Dazu zählt die sogenannte Disconnect Unit (DCU) bei den Allradmodellen. Die DCU entkoppelt je nach Fahrsituation und abgeforderter Leistung automatisch die E-Maschine an der Vorderachse. "Dann stehen der Elektromotor und das Getriebe an der Vorderachse still. Das erhöht die Reichweite" , teilte der Hersteller weiter mit.
Ebenfalls vom SUV übernimmt der EQS eine stärkere Rekuperation. Dabei wird die Verzögerung auf bis zu 3 m/s2 erhöht. Das soll in der maximalen Rekuperationsstufe ein Fahren ohne Nutzung des Bremspedals ermöglichen. Damit sich dies nicht nachteilig auf die Bremsanlage auswirkt, sorgt eine neue Funktion künftig dafür, dass die Beläge von Zeit zu Zeit automatisch an die Scheiben angelegt werden.
Serienmäßig verfügt der EQS künftig über einen automatischen Spurwechselassistenten.
Automatischer Spurwechsel bis 140 km/h
"Fährt ein langsameres Fahrzeug voraus, kann das Auto im Geschwindigkeitsbereich von 80 bis 140 km/h den Spurwechsel selbst initiieren. Erkennen die Radare ausreichend Freiraum und werden Spurmarkierungen identifiziert, kann es das langsamere, vorausfahrende Fahrzeug vollkommen automatisch überholen" , schreibt Mercedes.
Voraussetzungen für die Funktion sind eine mindestens zweispurige Autobahn mit Geschwindigkeitsbegrenzung und die Ausstattung des Fahrzeugs mit MBUX-Navigation. Das System benötigt zum Ausführen des automatischen Spurwechsels keinen weiteren Impuls durch die Fahrer wie das Betätigen des Blinkerhebels. Allerdings ist die Funktion nur ein Assistenzsystem nach Stufe 2, so dass Fahrer weiterhin die Verantwortung für das Steuern des Autos haben.
Neue Kühlerhaube mit Mercedes-Stern
Inwieweit die neu gestaltete Kühlerhaube der Electric Art Line den Geschmack der Kunden besser trifft, bleibt abzuwarten. Merkwürdig erscheint zumindest die Positionierung der Kamera rechts neben der vertikalen Chromleiste in der Mitte. Dem Unternehmen zufolge soll sich der Mercedes-Stern jedoch nicht nachteilig auf die Aerodynamik des Fahrzeugs auswirken.
Weiterhin nicht bestellbar sind allerdings die schon 2021 angekündigten Komforttüren, mit denen der Maybach EQS SUV ausgestattet ist. Mercedes könnte die Türen aber noch in diesem Jahr für weitere Modelle bringen, hieß es auf einer Vorabpräsentation im März 2024.
Laut Mercedes-Benz sollen die genannten Verbesserungen künftig sämtlichen Modellen zur Verfügung stehen, die auf der vollelektrischen EV2-Plattform basieren. Dazu zählen neben der EQS-Limousine der EQE, das EQE SUV und das EQS SUV.
Damit ist das Vorgehen von Mercedes-Benz ein weiterer Beleg für die These, dass die technischen Fortschritte bei Elektroautos weiterhin erheblich sind und Kunden für denselben Preis mehr Reichweite oder eine höhere Leistung erhalten können. So steigt die Anhängelast bei den EQS- und EQE-Limousinen beispielsweise von 750 auf 1.700 kg. Solche Verbesserungen dürften den Wiederverkaufswert früherer Modelle sinken lassen.