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Elektrifizierung vorantreiben: Einfachere Energiewende ohne Wasserstoffnetz

Werden Wärmeerzeugung und Transport elektrifiziert, wäre eine Alternative zu Wasserstoff die bessere Wahl. Ein ganzes Pipelinenetz könnte man sich sparen.
/ Mario Petzold
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Wasserstoffleitungen im Industriepark Leuna, einem Knoten im zukünftigen Wasserstoffnetz (Bild: Getty Images/Sean Gallup)
Wasserstoffleitungen im Industriepark Leuna, einem Knoten im zukünftigen Wasserstoffnetz Bild: Getty Images/Sean Gallup

Eine Studie der TU Berlin(öffnet im neuen Fenster) zeigt, dass die derzeit beschleunigte Elektrifizierung, die vor zehn Jahren in diesem Umfang noch gar nicht absehbar war, die meisten Pläne eines Energiesystems mit Wasserstoff überflüssig macht. Stattdessen sollten in den wenigen verbliebenen Anwendungsfeldern wie internationaler Schiffsverkehr, Fliegen und saisonale Energiespeicherung Methanol verwendet werden, der sich aus Wasserstoff gewinnen lässt.

Laut Berechnung des Forschungsteams wäre ein solches Energiesystem zwar zwischen zwei und sechs Prozent teurer, als direkt auf Wasserstoff zu setzen. Gleichzeitig müsste aber vorausgesetzt werden, dass die Skalierung der Wasserstoffproduktion und -bereitstellung nach Plan verläuft. Gelingt das nicht, wäre Methanol neben weiteren Vorteilen sogar günstiger.

Problematisch wird vor allem der Aufbau eines Pipelinenetzwerks durch Europa gesehen. Technisch bestehen zwar keine Bedenken, aber bei einem geringeren Bedarf an H2 als derzeit angenommen wären die Kosten für das Leitungssystem unverhältnismäßig hoch.

Methanol funktioniert wie Benzin

Nach der Berechnung, die in der Studie in Joule(öffnet im neuen Fenster) veröffentlicht wurde, liegt der Energiebedarf aus flüssigen Energieträgern europaweit 1.400 Terawattstunden pro Jahr, sobald Klimaneutralität erreicht ist. Das wäre weniger Energie, als allein Deutschland aktuell aus fossilen Energieträgern verbraucht.

Für diese vergleichsweise geringe Menge Methanol einzusetzen, hätte eine Vielzahl an Vorteilen. Zum Beispiel gibt es längst Schiffsmotoren, die Methanol direkt verbrennen können. Zudem lässt es sich in Kerosin umwandeln, um den Flugverkehr klimaneutral anzutreiben.

Die Transport- und Lagerfähigkeit von Methanol lässt sich mit Benzin vergleichen. Ein spezielles Pipelinesystem und große, unterirdische Lager, die für Wasserstoff erst angepasst werden müssten, werden dafür nicht benötigt.

Schließlich führt Tom Brown, der verantwortliche Autor der Studie, in seinem Blog(öffnet im neuen Fenster) noch den aus seiner Sicht wichtigsten Punkt an: Resilienz. Demnach wäre ein Energiesystem, dessen Backup auf mit Methanol angetriebenen Turbinen basiert, am verlässlichsten. Statt Pipelines und zentralen Gasspeichern könnte neben den Reservekraftwerken je ein Methanoltank stehen, damit für Tage oder Wochen Energie geliefert wird. Eine Unterbrechung auf größerer Fläche wäre dann kaum vorstellbar.


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