Elektrautos auf der IAA: Die Gezeigtwagen-Messe

Das Wort Neuheit wird von den Autoherstellern bei der Internationalen Automobil Ausstellung (IAA) in Frankfurt dehnbar eingesetzt. Insbesondere, wer neue Elektroautos sehen will, wird bei einem Besuch enttäuscht. Die meisten Modelle wurden bereits vorab gezeigt. Einige Hersteller bieten gar nichts Neues und überdecken diese Tatsache mit futuristischen Konzeptautos, die es nie auf öffentliche Straßen schaffen werden.
Das Motto der 68. IAA lautet zwar "Driving tomorrow" , doch ausgerechnet die erfolgreichsten E-Auto-Verkäufer wie Renault (Zoe), Tesla und Nissan (Leaf) haben keinen Stand auf der Messe. Aus dem französischen PSA-Konzern darf nur Opel den Corsa E präsentieren.
Der ID-3 dominiert
So bestimmt Volkswagen mit dem ID.3 die Schlagzeilen . Auch wenn man die poppig-bunte Version bereits in diversen Testvideos gesehen hat, und VW-Chef Herbert Diess mit Bundestrainer Jogi Löw damit zum Pokalfinale in Berlin fuhr, wird die Enthüllung in Frankfurt als Weltpremiere gefeiert. Dieses Elektroauto ist für den Konzern so wichtig wie der Käfer oder der Golf. Es ist der Einstieg in den batterie-elektrischen Massenmarkt für den größten deutschen Autokonzern.
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Kritiker behaupten, erst der Dieselskandal habe es Diess ermöglicht, die ID-Fahrzeugserie und den modularen Elektrobaukasten (MEB) im Konzern durchzusetzen. Den Neuanfang inszeniert Volkswagen mit einer schlichteren Logoversion. Man gibt sich menschlicher, weiblicher (Sprecherin bei TV-Spots) und verspielter. Das Fahrpedal im ID.3 trägt ein Play-, die Bremse ein Pause-Logo. Die Frontscheinwerfer scheinen ihren Besitzern beim Öffnen zuzuzwinkern.
Eigene Wallbox und Ökostrom-Tarif
Der ID.3 wird im Frühjahr 2020 mit zwei Motorvarianten (110/150kW) und drei Akkugrößen (45, 58, 77 kWh) ausgeliefert. Die leichteste Version wiegt 1.720 kg und kommt 330 km weit. Rechnerisch liegt dabei der Verbrauch bei 13,6 kWh auf 100 km. Per CCS-Stecker lädt der ID.3 mit bis zu 100 kW. Das Auto bekommt seine eigene App, um den Ladestand aus der Ferne kontrollieren zu können.
Damit potenzielle Käufer nicht von der Ladethematik abgeschreckt werden, bietet Volkswagen einen ID-Charger (Wallbox), einen Ökostromtarif sowie eine Ladekarte (We Charge) zur Nutzung an 150.000 öffentlichen Ladesäulen in Europa. Der Einstiegspreis für den Volkselektrowagen liegt knapp unter 30.000 Euro.
E-Kleinwagen von Skoda und Seat
Den Einstieg in die Elektromobilität gestaltet der Wolfsburger Konzern sogar noch etwas günstiger. Der elektrische Škoda Citigo iV startet 2020 mit Preisen knapp über 20.000 Euro. Mit dem Umweltbonus kommen Käufer unter diese Schwelle. Der Akku mit 36,8 kWh soll den Wagen 260 km weit bringen. Der Kleinwagen kann sogar schnell laden (DC) mit bis zu 40 kW Leistung. Bei der Konzernmarke Seat sieht man den elektrischen Mii. Er ähnelt dem Citigo stark. Unter der Haube steckt die gleiche Technik. Auch bei Preis und Reichweite sind beide Varianten nah beieinander.
Die Spanier zeigen aber auch, dass sie sportlich können. Mit der Studie Tavascan der Submarke Cupra präsentieren sie ein Sportcoupé mit Allradantrieb. Die Ingenieure bedienen sich hier bereits beim MEB. Der Motor leistet 225 kW und bringt den Wagen in 6,5 Sekunden auf 100 km/h. Die 77 kWh im Akku sollen den Fahrer 450 km weit bringen. Bei sportlicher Fahrweise dürfte der Verbrauch allerdings deutlich über den rechnerischen 17,1 kWh/100 km liegen.
Der nackte Taycan
Mit 26,7 kWh liegt der Verbrauch beim Porsche Taycan Turbo deutlich darüber. Dafür ist der Turbo in 3,2 Sekunden auf 100 km/h, der Turbo S sogar in 2,8 Sekunden. Fast ein alter Hut, Porsche präsentierte bereits eine Woche vor der IAA seinen elektrischen Sportwagen. Doch ein Blick auf das Chassis auf dem Messestand fasziniert. Dort sieht man genau, wie der Akku in den Boden verbaut wird. Wie die " Fußgarage ", eine Vertiefung im Akkupack, Platz für die Füße der Insassen auf der Rückbank im Fünftürer schafft. Wie die beiden Motoren, die Hochvoltleitungen (800 V) und die Kühlung verbaut sind. Die Ingenieure haben es geschafft, die Wärmeentwicklung in der Batterie so zu reduzieren, dass wiederholte Sprints mit dem Taycan möglich sind. Preislich erreicht der Taycan allerdings auch ein neues Hoch .
Ebenfalls in Halle 3 befindet sich der Stand der Konzernmarke Audi. Diese überspielt fehlende Neuheiten mit vier visionären Ideen. Alle tragen den trendigen Zusatz AI. Der AI-Trail ist ein Offroader und sieht aus, als könne er auf dem Mars fahren. Auf der Erde wird er dies vermutlich nie auf öffentlichen Straßen tun. Das gilt wohl auch für den AI:Race und den AI:Me. Der Me ist als autonom fahrendes Auto für die Megacities dieser Erde gedacht. Auch der (wieder mal) gezeigte Aicon soll autonom fahren können.
Hyundai stark vertreten
Mercedes erweitert seine elektrische EQ-Reihe um den Van, der folgerichtig EQV heißt. Der 5,37 Meter lange Bus schafft 400 km mit der Nettokapazität von 90 kWh im Akku. Höchstgeschwindigkeit ist 160 km/h. Der Schnellladeanschluss schafft 110 kW. Auf ein gesprochenes "Hey, Mercedes" hilft ein Assistent bei Klima, Licht, Musik und Navi-Zielen. Die meisten Blicke zieht allerdings der EQS auf sich. Doch ob die Vision einer elektrischen Limousine es in die Serie schafft, ist ungewiss.
In Sachen alternativer Antrieb ist Hyundai mit dem Ioniq, dem Kona , und dem Nexo bereits gut unterwegs. In Frankfurt zeigt der koreanische Hersteller eine Konzeptstudie mit dem Titel 45. Es ist eine Hommage an den vor 45 Jahren gezeigten Pony Coupé Concept. Bei der Karosserie im Monocoque-Stil sind Windschutz- und Heckscheibe im 45-Grad-Winkel montiert. So entstehe eine diamantenähnliche Silhouette, die ein weiteres Element künftiger Hyundai Elektrofahrzeuge erahnen lasse, erklärt der Hersteller.
China präsentiert sich
Die Abwesenheit vieler etablierter Marken lässt Raum für Neulinge. Auf der Messe sind Stände einiger chinesischer Marken zu sehen. Namen wie Wey oder Hongqi dürften selbst für Autointeressierte neu sein. Wey ist die Luxusmarke von Great Wall. Gründer Jack Wey zeigt zwei SUV mit klassischem und Hybrid-Antrieb. Bei Hongqi stehen ein SUV sowie ein Sportwagen mit klassischem Antrieb.
Ein Höhepunkt der Messe ist die Produktionsversion von Bytons M-Byte. Das chinesische Unternehmen unter deutscher Führung zeigt sein erstes elektrisches SUV , das Mitte 2020 in China auf den Markt kommt. Das SUV startet mit Heckmotor und kleinerem Akku (72 kWh) für 360 km Reichweite bei 45.000 Euro. Allerdings handelt es sich bei dem Preis, den Byton in seinen Unterlagen nennt, um einen Nettopreis. Der Verkaufspreis in Deutschland startet bei 54.000 Euro. Vermutlich wollte man in der Kommunikation nahe dem einst avisierten Startpreis von 45.000 US-Dollar landen . Doch sorgt der PR-Trick bei Interessenten auf der Messe für Verwirrung. Der Preis für die Allrad-Variante mit 95 kWh wurde nicht genannt.
Der riesige Bildschirm hat es in die Produktionsversion geschafft. Ein Display mit 126 cm Breite ist bislang einmalig im Pkw-Bau. Der M-Byte hat vor allem "Digital Power" wie es CEO Daniel Kirchert formuliert. Es ist das Auto für die Generation Smartphone.
Noch ein weiterer Neuling hat es aus Asien nach Frankfurt geschafft, doch der parkt am Bahnhof. Ai Ways ließ seinen elektrischen U5 in 15 Tagen von China über die alte Seidenstraße nach Deutschland fahren.
Honda E begeistert
Besonders stark frequentiert auf dem Messegelände ist der Stand von Honda. Die Japaner haben ihren Honda E zwar bereits in Genf Anfang des Jahres gezeigt, doch der Kleinwagen begeistert optisch und technisch. Mit dem 35,5 kWh fassenden Akku soll das Elektroauto 220 km weit kommen. Unter einer kleinen Haube in der Motorhaube verbergen sich AC- und DC-Anschluss. Spannend ist ein Blick auf das Armaturenbrett. Die digitalen Anzeigen wirken futuristisch. Ein Sprachassistent unterstützt den Fahrer. Die App My Honda hilft aus der Ferne und entriegelt die Türen, wenn man sich dem Fahrzeug nähert.
Europachef Tom Gardner kündigte eine Kooperation mit dem Berliner Unternehmen Ubricity für das Laden an Straßenlaternen an. Honda wird mit dem Verkaufsstart 2020 auch einen eigenen Stromtarif anbieten. Der Honda E beherrscht bidirektionales Laden. Der Strom kann in beide Richtungen fließen. Somit hilft der angeschlossene Kleinwagen dabei, Schwankungen im Stromnetz auszugleichen und Überschüsse aus Wind- und Sonnenenergie aufzunehmen .



