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Electronic Arts: Hoffentlich wird EA nicht sein eigenes Bullfrog

Die Übernahme von EA durch Saudi-Arabien wirft Fragen nach kreativer Freiheit und politischem Einfluss auf – vor allem bei Fußball und Bioware .
/ Peter Steinlechner
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Electronic Arts auf einer Spielemesse (Bild: ANDREW CULLEN/AFP via Getty Images))
Electronic Arts auf einer Spielemesse Bild: ANDREW CULLEN/AFP via Getty Images)

Electronic Arts hat im Laufe der letzten Jahrzehnte eine erstaunliche Menge an namhaften Entwicklerstudios geschluckt – und ebenso erstaunlich viele davon still und leise beerdigt.

Ich erinnere mich noch gut daran, wie Westwood, der Erfinder von Command & Conquer, verschwand, wie Origin mit Ultima oder Bullfrog mit Dungeon Keeper in der Bedeutungslosigkeit versanken.

Auch Maxis, Pandemic, Mythic und Black Box kennen wir heute vor allem als Beispiele dafür, wie schnell ein großer Publisher erfolgreiche Studios kaufen und dann ausbluten lassen kann.

Nun wird EA selbst das Ziel einer Übernahme. Nicht durch irgendeinen Finanzinvestor, sondern durch den Staatsfonds PIF aus Saudi-Arabien, flankiert von Silver Lake und Affinity Partners.

Hinter der 55 Milliarden US-Dollar schweren Transaktion steht also der saudische Staat, der längst gezielt in internationale Sport- und Unterhaltungsunternehmen investiert, um seinen Einfluss auszuweiten.

Mit dem angekündigten Rückzug von der Börse ändert sich bei Electronic Arts einiges grundlegend. Ich sehe darin zunächst die Chance, dass künftig nicht mehr jeder Quartalsbericht mit steigenden Zahlen glänzen muss. Theoretisch könnte das Freiräume schaffen, langfristiger zu denken, riskantere Projekte anzuschieben oder neue Marken aufzubauen.

Stabiler Fokus auf Profite

Sehr viel wahrscheinlicher ist aber, dass die neuen Eigentümer alles auf bewährte Einnahmesäulen ausrichten. Die Sportserien von EA Sports und große Servicegames wie Apex Legends oder das kommende Battlefield sind stabile Umsatzbringer, die man in einem renditeorientierten Portfolio deutlich lieber sieht als teure, riskante Rollenspielabenteuer.

Speziell im Sportbereich entsteht allerdings eine zusätzliche Brisanz. Saudi-Arabien richtet 2034 die Fußball-Weltmeisterschaft aus und ist ohnehin eng mit der Fifa verbunden. EA hatte sich dagegen im Jahr 2022 von der Fifa-Lizenz verabschiedet und vermarktet seine Fußballreihe seither als EA Sports FC.

Eine Rückkehr zur Fifa-Marke scheint nun theoretisch näher als zuvor, doch es gibt auch mögliche Probleme: Für europäische oder US-amerikanische Clubs ist es nicht unbedingt attraktiv, wenn ihre Vereine plötzlich in einem Sportspiel auftauchen, das unter maßgeblichem saudischen Einfluss steht. Hier könnte also nicht nur eine Chance, sondern ebenso ein Konfliktfeld entstehen.

Auch bei den klassischen Entwicklerstudios im Portfolio stellt sich für mich die Frage nach der Zukunft. Besonders Bioware wirkt wie ein Sorgenkind. Das Studio hat seit Jahren mit vielerlei Problemen zu kämpfen, gleichzeitig aber Maßstäbe gesetzt.

Etwa mit Mass Effect und Dragon Age, die nicht nur erzählerisch, sondern auch gesellschaftlich prägend waren. Bioware gehörte zu den Vorreitern, wenn es um gleichgeschlechtliche Beziehungen in Blockbuster-Spielen ging.

Welche Freiräume bleiben den Entwicklern?

Genau dieser Teil ihrer Arbeit steht jedoch im Widerspruch zur Lage in Saudi-Arabien, wo Homosexualität unter Strafe steht und Rechte von LGBTQ-Personen massiv eingeschränkt sind. Ob ein Studio, das für progressive Inhalte bekannt ist, langfristig ins Portfolio passt, ist daher mindestens fraglich.

Dass EA eines Tages sein eigenes Bullfrog wird – eine einst stolze Marke, die in den Mühlen größerer Organisationen zermahlen wurde -, halte ich jedenfalls nicht für ausgeschlossen. Am Ende hängt die Zukunft des Publishers davon ab, ob die neuen Eigentümer Freiräume für Kreativität zulassen oder ob sie vor allem das schnelle und sichere Geld sehen wollen.

IMHO ist der Kommentar von Golem.de. IMHO = In My Humble Opinion (Meiner bescheidenen Meinung nach).


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