Elastic Time ausprobiert: Kinect und Voxel holen den Körper in die VR-Welt

Wer in der Virtual Reality an sich herunterschaut, sieht im Normalfall nur den Boden oder einen 3D-Avatar als Körperersatz. Elastic Time holt Nutzer als plastische Videoprojektion in die digitale Welt - und andere Menschen gleich mit. Dort werden sie von einem schwarzen Loch verschlungen.

Ein Erfahrungsbericht von veröffentlicht am
Handschlag in der Mixed Reality
Handschlag in der Mixed Reality (Bild: Daniel Pook/Golem.de)

Ich stehe in einer virtuellen Sternwarte und blicke durch das VR-Headset Oculus Rift an meinem Körper herab - und der sieht so aus, wie ich ihn kenne. Was banal klingt, ist etwas Besonderes: In den meisten virtuellen Realitäten kann der Nutzer schon froh sein, überhaupt einen Avatar zu haben und nicht einfach irgendwo im Raum zu schweben. Im Programm Elastic Time des Künstlers Mark Boulos dagegen bin ich ich selbst, es simuliert mich als plastisches Videobild, ganz genau so, wie ich gerade angezogen bin und mich in der Realität bewege. Möglich machen dies eine selbst entwickelte Voxel-Engine der Schweizer Firma Imverse und mehrere Kinect-Sensoren.

Inhalt:
  1. Elastic Time ausprobiert: Kinect und Voxel holen den Körper in die VR-Welt
  2. Raus aus dem Körper, ab in die Vergangenheit

Die Installation war Teil der New-Frontier-Ausstellung beim Sundance Film Festival, dessen Fokus nicht nur auf Filmen liegt. Dort sollen Künstler und Entwickler die Erzählformen der Zukunft zeigen oder zumindest ihre Idee davon. Neben Filmen mit 360-Grad-Rundumblick stellten einige Entwickler roboterartige Handschuhe, sich automatisch bewegende Stühle und ähnliche Konzepte für mehr Immersion im virtuellen Raum vor. Erinnerungswürdig ist für mich aber nur Elastic Time geblieben, weil es mehr als ein Hardware-Gimmick oder eine Technikdemo ist. Es steht beispielhaft dafür, in welche Richtung Softwareentwickler denken sollten, um ein anderes Publikum als klassische Gamer für VR-Brillen begeistern zu können.

Virtuelles Händeschütteln mit echtem Anfassen

Da sich die Kinect-Sensoren bei Elastic Time an allen Wänden der Präsentationskabine befinden, erscheint auch jede andere Person im erfassten Bereich als virtuelles Abbild vor meinem virtuellen Ich. Und zwar räumlich betrachtet genau da, wo sie in Wirklichkeit anzutreffen ist. Schluss mit wild fuchtelnden Gesten vor ahnungslosen VR-Headset-Trägern, hier sehe ich solche Späße sofort und kann präzise in die richtige Richtung ausholen. Gleich beim ersten Versuch greife ich die Hände meines Kameramanns und verteile High Five an den neben mir stehenden Imverse-Entwickler - obwohl ich sie nur digital vor Augen habe und - wohlgemerkt - noch ein Oculus Rift zwischen uns hängt. Selbst echte Gegenstände können durch diese Form sogenannter Augmented Virtual Reality als greifbare 3D-Objekte ins Spiel geholt werden.

Das steigert das Gefühl enorm, mich tatsächlich in dieser seltsamen Welt zu befinden, wo ich ein schwarzes Loch per Motion-Controller bewegen kann. Damit manipuliere ich die Raumzeit. Durch seine Wirkung verzerren sich Geometrie und Akustik um mich herum. Elastic Time deutet an, welches Potenzial in der Technik steckt, wenn Entwickler nicht nur versuchen, etablierte Konzepte als Mittendrinvariante zu adaptieren. Und was Künstler damit anstellen können, sobald ihnen die Werkzeuge für neue Ideen zur Verfügung stehen. Es lässt hier zum Beispiel abstrakte Vorstellungen von Raum und Zeit erleben, selbst wenn sie unserer gewohnten Wahrnehmung der Wirklichkeit widersprechen. Nicht als wissenschaftlich korrekte Simulation, sondern als verspieltes Kunstwerk.

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed
Raus aus dem Körper, ab in die Vergangenheit 
  1. 1
  2. 2
  3.  


birephip 05. Mär 2018

Mal davon abgesehen, dass die Kinect nicht der einzige RGB-D Sensor ist und auch nicht...

koelnerdom 01. Mär 2018

Oh, ich habe Käptn Nuss ausprobiert, so alt bin ich schon. Versteh mich nicht falsch, ich...

xmaniac 27. Feb 2018

Es hätte auch einfach mehr Journalisten interessieren können, als man sowas schon vor...

dp (Golem.de) 27. Feb 2018

Guten Tag, vielen Dank für den Hinweis, auch diese Projekte sehen sehr interessant aus...



Aktuell auf der Startseite von Golem.de
Google
Neues Pixel 6 kostet 650 Euro

Das Pixel 6 Pro mit Telekamera und schnellerem Display kostet ab 900 Euro. Google verbaut erstmals einen eigenen Prozessor.

Google: Neues Pixel 6 kostet 650 Euro
Artikel
  1. M1 Pro/Max: Dieses Apple Silicon ist gigantisch
    M1 Pro/Max
    Dieses Apple Silicon ist gigantisch

    Egal ob AMD-, Intel- oder Nvidia-Hardware: Mit dem M1 Pro und dem M1 Max schickt sich Apple an, die versammelte Konkurrenz zu düpieren.
    Eine Analyse von Marc Sauter

  2. Klimaforscher: Das Konzept der Klimaneutralität ist eine gefährliche Falle
    Klimaforscher
    Das Konzept der Klimaneutralität ist eine gefährliche Falle

    Mit der Entnahme von CO2 in den nächsten Jahrzehnten netto auf null Emissionen zu kommen, klingt nach einer guten Idee. Ist es aber nicht, sagen Klimaforscher.
    Von James Dyke, Robert Watson und Wolfgang Knorr

  3. Kalter Krieg 2.0?: Die Aufregung um Chinas angebliche Hyperschallwaffe
    Kalter Krieg 2.0?
    Die Aufregung um Chinas angebliche Hyperschallwaffe

    Die Volksrepublik China soll eine Hyperschallwaffe getestet haben. China dementiert die Vorwürfe aber und sagt, es wäre ein Raumschiff gewesen.
    Eine Analyse von Patrick Klapetz

Du willst dich mit Golem.de beruflich verändern oder weiterbilden?
Zum Stellenmarkt
Zur Akademie
Zum Coaching
  • Schnäppchen, Rabatte und Top-Angebote
    Die besten Deals des Tages
    Daily Deals • Cyber Week: Bis zu 16% auf SSDs & RAM von Adata & bis zu 30% auf Alternate • 3 Spiele für 49€: PC, PS5 uvm. • Switch OLED 369,99€ • 6 Blu-rays für 40€ • MSI 27" Curved WQHD 165Hz HDR 479€ • Chromebooks zu Bestpreisen • Alternate (u. a. Team Group PCIe-4.0-SSD 1TB 152,90€) [Werbung]
    •  /