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Raus aus dem Körper, ab in die Vergangenheit

Wer spontan als Zuschauer aus der Realität ins Spiel tritt, wird unter Umständen in die Tiefen des schwarzen Lochs gesaugt. Mit einem Mal wächst die dunkle Kugel erheblich und verschluckt auch mich, wobei die Voxel-Welt ähnlich eines Hyperraumsprungs aus Star Wars ins Unendliche gestreckt wird. Dann sehe ich gar nichts mehr. Ich bin drauf und dran, das Headset abzunehmen, doch Elastic Time fängt jetzt erst richtig an. Ich finde mich in einem Auswahlmenü wieder, das zahlreiche Fenster mit Standbildern meines Spielverlaufs zu unterschiedlichen Zeitpunkten parat hat. Sofort fühle ich mich an Christopher Nolans Science-Fiction-Film Interstellar erinnert, mit seinem Ausblick auf unzählige simultane Vergangenheiten im vierdimensionalen Raum eines schwarzen Lochs. Hier nur sehr viel einfacher dargestellt.

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Wieder per Game-Controller wähle ich eines der Fenster aus und werde zurück an den Punkt in der Spielzeit versetzt, der mir dort als Video angezeigt wurde. Jetzt sehe ich mein damaliges Ich aus diesem Moment, allerdings von außen, und kann mich wie durch eine dreidimensionale Erinnerung bewegen. Die weiter oben im Text beschriebene VR-Begegnung mit meinem Kameramann unmittelbar noch einmal zu sehen, nur jetzt wie ein geisterhafter Beobachter aus dritter Person, fühlt sich beinahe unheimlich an. Eine außerkörperliche Erfahrung - zumindest so nahe mich meine Vorstellung mit Hilfe von VR an ein solches Phänomen heranbringen kann.

Dieses Erlebnis und das damit verbundene Unbehagen fühlen sich echt an, obwohl es bei weitem nicht fotorealistisch aussieht. In Bewegung ziehen Umrisse bei Personen besonders an Händen und Armen viele wuselige Pünktchen hinter sich her, die offensichtlich kein gewollter Effekt sind. Davon zeugen auch Bodenfetzen aus der echten Welt, die manchmal unter Füßen im Spiel zu sehen sind. Je nach Position fehlen große Stücke der Echtzeitprojektionen, was immerhin noch den Charme aufwendig gestalteter Hologramme hat. Dazu basieren die Texturen zwar auf live gefilmtem Kinect-Videomaterial, sind allerdings zu niedrig aufgelöst, um Verwechslungsgefahr mit der Realität zu bergen.

Echte Emotionen trotz Hologramm-Ästhetik

Dass das Programm bei weitem nicht fehlerfrei ist, wird durch die grundlegend stimmige Darstellung des eigenen Körpers und der Interaktion mit den Menschen drumherum zur Nebensache. Ein Trumpf ist, dass Gesichtsmimik, Gesten und damit echte Emotionen beim Gegenüber im VR-Raum von Elastic Time sehr gut erkennbar sind. Noch interessanter wäre es, Nebenleute als richtige Spieler mit eigenen VR-Brillen auszustatten, die so natürlicher auf Geschehnisse im Spiel reagieren und ihrerseits mit dessen Welt interagieren könnten. Mit den aktuellen 3D-Headsets wäre dann zwar kein Augenkontakt mehr möglich, jetzt haben Zuschauer aber meist sowieso in Richtung eines Monitors geschaut, wo das virtuelle Geschehen aus meinem Blickfeld gezeigt wurde.

Mit der hauseigenen Software Livemaker kann Imverse auf Basis von Panoramafotos auch das eigene Zimmer als 3D-Kulisse bereitstellen. Hierfür ist aber nach wie vor die Arbeit eines Designers notwendig, der Umgebungsdetails wie Möbel aus der 2D-Abbildung in virtuelle Objekte umwandelt.

Das Gesamtkonzept hat Potenzial, um VR zu einer weniger abgeschotteten Aktivität werden zu lassen, sobald mehr als nur eine Person im realen Raum ist. Insbesondere bei geselligen Situationen wie Gruppenchats, lokalem Multiplayer oder gemeinsamem Filmegucken. Ein System wie das von Imverse oder auch anderer Teams mit gleichem Ansatz hätte auf Anhieb mehr zu bieten als etwa Facebooks neue 3D-Figuren für VR-Chaträume, die so simpel wie Nintendos Mii-Avatare gehalten wurden. Für eine marktreife Nutzung in diesem Ausmaß ist es auf absehbare Zeit jedoch viel zu früh. Wohl auch, weil Kinect-ähnliche Sensoren in mehrfacher Ausführung noch lange nicht zur Grundausstattung eines jeden Wohnzimmers gehören und sich derartige Hardware zumindest bis jetzt noch nicht direkt in die VR-Brillen integrieren lässt.

 Elastic Time ausprobiert: Kinect und Voxel holen den Körper in die VR-Welt
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birephip 05. Mär 2018

Mal davon abgesehen, dass die Kinect nicht der einzige RGB-D Sensor ist und auch nicht...

koelnerdom 01. Mär 2018

Oh, ich habe Käptn Nuss ausprobiert, so alt bin ich schon. Versteh mich nicht falsch, ich...

xmaniac 27. Feb 2018

Es hätte auch einfach mehr Journalisten interessieren können, als man sowas schon vor...

dp (Golem.de) 27. Feb 2018

Guten Tag, vielen Dank für den Hinweis, auch diese Projekte sehen sehr interessant aus...


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