Einziger Zeuge KI: System zur Schusserkennung bringt Mann ins Gefängnis

Weil ein KI-gesteuertes System zur Erkennung von Schüssen vermutlich falschen Alarm schlug, saß ein US-Amerikaner elf Monate lang hinter Gittern.

Artikel veröffentlicht am , Manuel Bauer
In den USA hilft der KI-gesteuerte Dienst Shotspotter dabei, den Einsatz von Schusswaffen festzustellen.
In den USA hilft der KI-gesteuerte Dienst Shotspotter dabei, den Einsatz von Schusswaffen festzustellen. (Bild: DANIEL RAMALHO via Getty Images)

In der US-Metropole Chicago ist ein Mann nach elf Monaten Gefängnisaufenthalt als unschuldig entlassen worden. Ein KI-gesteuertes System zur Erkennung von Schusswaffengebrauch hatte den 65-Jährigen mit einem Mord in Verbindung gebracht, nachdem das System die Explosion eines mutmaßlichen Feuerwerkskörpers als Schuss interpretiert hatte.

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Der Angeklagte hatte im Mai 2020 einen Bekannten in seinem Auto mitgenommen. Nach eigener Aussage hielt kurz darauf ein anderes Fahrzeug neben dem Wagen mit den beiden Männern an, aus dem ein Insasse einen Schuss abgab, der seinen Mitfahrer in den Kopf traf. Der Mann brachte seinen angeschossenen Passagier daraufhin ins Krankenhaus, wo dieser seinen Verletzungen erlag.

Die Stadt Chicago nutzt einen Dienst namens Shotspotter. Der betreibt in der gesamten Stadt Mikrofone, die mit Hilfe künstlicher Intelligenz Pistolenschüsse identifizieren sollen, um die Polizei zeitnah über den Einsatz von Schusswaffen zu informieren. Das System hatte laut Anklage in der Tatnacht einen Schuss an einem Ort aufgezeichnet, an dem der Angeklagte von einer Überwachungskamera erfasst worden sei.

Gericht lehnt KI-Aufzeichnung als Beweismittel ab

Diese Information wurde als Schlüsselbeweis vor Gericht angeführt und sorgte dafür, dass der Angeklagte wegen Mordverdachts ins Gefängnis kam. Dort wartete dieser elf Monate auf seine Verhandlung. Wie die Website The Register berichtet, hat das Gericht das Beweisstück von Shotspotter nun als unzureichend abgelehnt und die Anklage gegen den Mordverdächtigen fallengelassen.

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Dessen Anwälte hatten zuvor feststellen lassen, dass Shotspotter vermutlich einen Feuerwerkskörper oder eine ähnliche Geräuschquelle aus rund einer Meile Entfernung erfasst und falsch eingeordnet hat. Weder handelte es sich bei dem Knall also um einen Schuss, noch befand sich der Angeklagte in dessen unmittelbarer Nähe. Vom tatsächlichen Mord existieren offenbar weder Shotspotter-Daten noch Videoaufzeichnungen. Die Betreiber von Shotspotter widersprachen dem Vorwurf, dass die erfassten Daten im Nachhinein verändert wurden, um sie als Beweismittel anführen zu können. Vielmehr seien sie das Ergebnis ausführlicher forensischer Analysen.

Dennoch wies das Gericht das Beweismittel ab. Da man dem Angeklagten weder ein Motiv zuordnen noch Augenzeugen oder eine Tatwaffe vorweisen konnte, wurde dieser als unschuldig entlassen.

Angeklagter empört über Einsatz der Technik

Der Mann gab sich laut Associated Press erschüttert darüber, wie Anwälte die Technologie gegen ihn eingesetzt hätten und bezeichnete dieses Vorgehen als unfair. Der Mann ist unter anderem wegen versuchten Mordes vorbestraft. Seine Vergehen liegen jedoch viele Jahre zurück.

Er habe sein Leben seitdem grundlegend umgekrempelt, sagte er Associated Press. Die nun gegen ihn erhobenen Vorwürfe und die Zeit im Gefängnis hätten ihn psychisch stark belastet. Nachdem man ihm zunehmend Telefongespräche mit seiner Frau verweigert hatte, habe er bereits seinen Selbstmord vorbereitet. Dann kam der Freispruch.

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Dazu dürfte auch eine Aussage der Mutter des Getöteten beigetragen haben. Sie gab vor Gericht an, dass bereits zwei Wochen vor der Ermordung ihres 25-jährigen Sohns an einer Bushaltestelle auf ihn geschossen worden sei. Der Fall bleibt vorerst ungeklärt.

Einsatz von Shotspotter gilt als umstritten

Der Einsatz von Shotspotter ist umstritten. Der Dienst kam in den USA bereits mehrfach vor Gericht zum Einsatz, etwa um zu beweisen, dass Angeklagte auf Polizisten geschossen hätten. Gerichte lehnen die Aufzeichnungen aber immer wieder als unzureichendes Beweismittel ab. Laut Associated Press haben Untersuchungen ergeben, dass das System äußerst fehleranfällig ist und eine Fehlzündung nicht von einem Schuss unterscheiden kann. Studien seien zudem zu dem Ergebnis gekommen, dass der Einsatz der Technologie bislang kaum zur Senkung und Aufklärung von Verbrechen beigetragen hat.

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StaTiC2206 24. Aug 2021

und der Sprachassistent sagt uns er war es. Ich frag mich echt wie ein Mikrofon und eine...

dbettac 24. Aug 2021

Der Artikel geht aber mit keinem Wort darauf ein, dass der Betreiber dieses...

Maikules 24. Aug 2021

Ja gut, er hat nun 11 Monate seines Lebens, seinen Job, seine Wohnung und eventuell (der...

che (Golem.de) 24. Aug 2021

Hallo, wir haben den Absatz zum besseren Verständnis angepasst. Beste Grüße



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