Einzelhandel: Beschäftigte kennen Pflicht zu Elektroschrottrücknahme nicht
Obwohl sie gesetzlich verpflichtet sind, nehmen Beschäftigte in Drogerien- und Supermärkten Elektronikschrott oft nicht an. Schuld sind die Handelsketten selbst.
In Discountern, Drogerie- und Supermärkten wissen Beschäftigte oft nicht, dass sie Elektro- und Elektronikschrott von Kunden annehmen müssen. Das ergaben Stichproben des RBB-Verbrauchermagazins Super.Markt (Rundfunk Berlin-Brandenburg). Auch nur wenige Verbraucher wüssten von den neuen Rückgabemöglichkeiten, stellte das Verbrauchermagazin fest. Seit Juli 2022 kann Elektroschrott unentgeltlich im Handel abgegeben werden.
Das Ergebnis der Stichprobe: In den meisten Geschäften funktioniert die Rückgabe nicht reibungslos. Viele Mitarbeiter in den Supermärkten und Discountern kennen das neue Gesetz nicht. Erst nach mehrmaliger Nachfrage, oft bei unterschiedlichen Beschäftigten, wurde der Elektroschrott dann schließlich angenommen.
Die fehlende Kommunikation und Aufklärung über das neue Elektro- und Elektronikgerätegesetz kritisiert Viktor Miruchna von der Deutschen Umwelthilfe im Gespräch mit Super.Markt: "Eine Mindestanforderung könnte sein, dass die Rücknahmestellen ein Logo bekommen. Ein verpflichtendes Logo, dass klar wird für Verbraucher, dass zurückgenommen wird. Das gibt es auch schon, aber es ist nicht verpflichtend." Die Konzerne wollten natürlich diesen Verpflichtungen nicht nachkommen und setzten das Logo nicht ein.
Kantenlänge und Ladengröße zuerst ausmessen
Von dem neuen Elektro-Gesetz "G3", das besagt, dass Super- und Drogeriemärkte Elektroschrott zurücknehmen müssen, gibt es viele Ausnahmen. So dürfen die Geräte die Kantenlänge von 25 Zentimetern nicht überschreiten. Größere Geräte dürfen nur im Tausch gegen ein neues, vergleichbares Gerät zurückgegeben werden. Man darf maximal drei Produkte pro Einkauf abgeben und der Laden muss mindestens 800 Quadratmeter groß sein. Besonders die Größe der Ladenfläche ist für den Kunden, der Recycling will, kaum ersichtlich.
In Deutschland wird mit 44 Prozent zu wenig Elektromüll recycelt, gesetzlich ist eine Quote von 65 Prozent vorgeschrieben. Nach Ansicht der Recycling-Industrie "müssten Online-Marktplätze und der stationäre Einzelhandel ihre Informationspflichten gegenüber den Kunden verbessern und sie noch effektiver über die Möglichkeiten Geräterückgabe informieren".