Einsätze im Mittelmeer: Frontex will 13.000 Geflüchtete mit Drohnen aufgespürt haben

Nach Malta stationiert die EU-Grenzagentur jetzt auch eine Langstreckendrohne auf Kreta. Zur Aufklärungstechnik gibt es widersprüchliche Angaben.

Ein Bericht von Matthias Monroy veröffentlicht am
Airbbus hat den Auftrag für die Frontex-Drohnen erhalten.
Airbbus hat den Auftrag für die Frontex-Drohnen erhalten. (Bild: Airbus)

Frontex hat nach eigenen Angaben in 300 Fällen mindestens 13.000 Geflüchtete mithilfe von Langstreckendrohnen entdeckt und an die zuständigen Küstenwachen gemeldet. Seit Mai des vergangenen Jahres stationiert die EU-Grenzagentur für derartige Einsätze eine Heron 1 des israelischen Rüstungskonzerns IAI in Malta. Die Drohne ist offiziell auf die maltesische Luftwaffe zugelassen.

Inhalt:
  1. Einsätze im Mittelmeer: Frontex will 13.000 Geflüchtete mit Drohnen aufgespürt haben
  2. Erfassung von Telefonverbindungen in Reichweite

Den Auftrag für Frontex-Drohnen erhielt der deutsche Ableger des Airbus-Konzerns in Bremen, der auch vier Heron 1 für die Bundeswehr in Mali fliegt. Sie werden von einer mobilen Anlage am Rande des internationalen Flughafens nahe der maltesischen Hauptstadt Valletta gesteuert. Weitere Techniker von Airbus sind dort für Wartung und Reparatur zuständig.

Teurer Frontex-Flugdienst

In den kommenden Wochen werde der Einsatz einer Heron 1 in Griechenland folgen, kündigte Frontex in einer kürzlich vor europäischen Küstenwachen gehaltenen Präsentation (PDF) an. Damit ergänzt die Grenzagentur ihren bemannten Flugdienst aus geleasten Charterflugzeugen, der mit über 150 Millionen Euro einen beträchtlichen Teil des Budgets für Operationen ausmacht.

Den Beschluss zur Beschaffung von Drohnen traf die Agentur kurz nach der sogenannten Migrationskrise von 2015 und einer Änderung der Frontex-Verordnung. Die erste Ausschreibung führte zunächst ins Leere, Testflüge mit einer Heron 1 und einer AR5 der portugiesischen Firma Tekever begannen deshalb erst 2018.

Ein Jahr später beauftragte Frontex den italienischen Rüstungskonzern Leonardo mit Probeflügen seiner Falco-Drohne. 2019 setzte Frontex für mehrere Monate eine israelische Hermes 900 ein, allerdings verunglückte die riesige Drohne beim Start und erlitt Totalschaden.

Erst mit dem Airbus-Vertrag übernahm Frontex Drohnen in den alltäglichen Einsatz. Gefordert waren zunächst 1.200 Flugstunden. Für den Fall, dass die Bedingungen nicht erfüllt würden, sollte Elbit mit einer Hermes 900 einspringen. Frontex ist jedoch zufrieden mit Airbus, der Vertrag wurde deshalb um weitere 1.870 Flugstunden aufgestockt (PDF).

Streaming ins Hauptquartier

Airbus ist nicht nur für die Steuerung der Heron 1, sondern auch für die Nutzlast zuständig. Zur Überwachung aus der Luft sind die Drohnen mit elektro-optischen Kameras, Infrarotsensoren, einem Laserentfernungsmesser sowie einem maritimen Radar ausgestattet. Die Technik stammt wie die Drohne selbst von IAI und ihrer Tochterfirma ELTA.

Ebenfalls an Bord ist ein sogenanntes Notfunkfeuer zur Positionsbestimmung. Hierzu können die Sensorbediener einen Laserpointer auf einen Seenotfall richten, um etwa Schiffen den Weg dorthin zu weisen.

Die aufgenommenen Sensordaten werden von Airbus über einen verschlüsselten Datenlink per Satellit direkt ins Hauptquartier von Frontex in Warschau gestreamt. Eine eigens eingerichtete Frontex-Einheit (PDF) wertet diese aus und trifft bei einer Sichtung von Flüchtlingsbooten die Entscheidung über Folgemaßnahmen.

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed
Erfassung von Telefonverbindungen in Reichweite 
  1. 1
  2. 2
  3.  


Aktuell auf der Startseite von Golem.de
Updates für GPT-3 und GPT-4
GPT im Geschwindigkeitsrausch

OpenAIs Updates für GPT-4 und GPT-3 machen die Modelle zuverlässiger, vor allem aber anpassungsfähiger. Die Änderungen und neuen Features im Detail.
Von Fabian Deitelhoff

Updates für GPT-3 und GPT-4: GPT im Geschwindigkeitsrausch
Artikel
  1. Candy Crushed: Royal Match wird profitabelstes Mobile Game
    Candy Crushed
    Royal Match wird profitabelstes Mobile Game

    Die langanhaltende Dominanz von Candy Crush Saga ist vorbei. Das meiste Geld verdient jetzt ein Start-up aus Istanbul mit einem Puzzlespiel.

  2. Datenschutz: ChatGPT-Exploit findet E-Mail-Adressen von Times-Reportern
    Datenschutz
    ChatGPT-Exploit findet E-Mail-Adressen von Times-Reportern

    Eigentlich sollte der Chatbot auf diese Anfrage gar nicht antworten. Tut er es dennoch, lauern womöglich noch viel brisantere Informationen.

  3. Donald E. Knuth: 30 Jahre Weihnachtsvorlesungen frei verfügbar
    Donald E. Knuth
    30 Jahre Weihnachtsvorlesungen frei verfügbar

    Ein bisschen theoretische Informatik, Algorithmen oder Mathematik zu Weihnachten? Wer das mag, kann nun sogar alle Vorlesungen hintereinander ansehen.

Du willst dich mit Golem.de beruflich verändern oder weiterbilden?
Zum Stellenmarkt
Zur Akademie
Zum Coaching
  • Schnäppchen, Rabatte und Top-Angebote
    Die besten Deals des Tages
    • Daily Deals • TeamGroup Cardea Graphene A440 2 TB mit zwei Kühlkörpern 112,89€ • Logitech G915 TKL LIGHTSYNC RGB 125,11€ • AVM FRITZ!Repeater 3000 AX 129€ • Philips Ambilight 77OLED808 2.599€ • MindStar: Patriot Viper VENOM 64 GB DDR5-6000 159€, XFX RX 7900 XT Speedster MERC 310 Black 789€ [Werbung]
    •  /