Erfassung von Telefonverbindungen in Reichweite

Angeblich führt die Heron 1 keine Ausrüstung zur Ortung von Mobil- und Satellitentelefonen mit, dies hat der Frontex-Direktor Fabrice Leggeri in einer Antwort auf eine parlamentarische Anfrage jüngst bestätigt.

Airbus preist eine solche Technik jedoch in einer Präsentation (PDF) ausdrücklich an. Demnach werden im Frontex-Einsatz auch sogenannte Comint-Sensoren genutzt. Die militärische Abkürzung steht für Communication Intelligence und meint die Erfassung und Auswertung von Telefonverbindungen zur Informationsgewinnung.

Airbus könnte dadurch Smartphones in Reichweite der Drohne erkennen. Befinden sich dort keine weiteren Schiffe oder Ölplattformen, würde dies auf ein Flüchtlingsboot hinweisen. Mit der Technik könnten auch bei schlechtem Wetter oder in der Nacht Geflüchtete geortet werden.

EMSA-Drohnen für die Mitgliedstaaten

Auch die EU-Agentur für die Sicherheit der Meere (EMSA) nutzt inzwischen in größerem Umfang Drohnen. Anders als bei Frontex werden die Dienste für mehrere Monate den Küstenwachen der Mitgliedstaaten zur Verfügung gestellt. Dort werden sie außer zur allgemeinen maritimen Überwachung auch zur Beobachtung von Umweltverschmutzungen genutzt.

Auch diese Flüge werden dieses Jahr ausgeweitet. Neben Zypern und den Niederlanden haben die Küstenwachen in Italien und Frankreich erstmals gemeinsame Drohnendienste bei der EMSA bestellt (PDF).

Die beiden Länder planen eine Zusammenarbeit zur Strafverfolgung in ihrer Grenzregion im Mittelmeer. Nach vier Monaten soll die Mission in eine "permanente regionale Operation" überführt werden.

Unbemannte Flugstunden für 350 Millionen Euro

Es ist unklar, welchen Mehrwert die Drohnenflüge gegenüber der bemannten Aufklärung mit Charterflugzeugen ausmachen. Ein Vorteil dürfte in der Reichweite liegen. Die Heron 1 bleibt beispielsweise bis zu 20 Stunden in der Luft und übertrifft die Ausdauer der Kleinflugzeuge im Frontex-Auftrag um das Doppelte oder sogar Dreifache.

Dafür zahlen die EU-Agenturen einen hohen Preis. Insgesamt summieren sich allein die einzelnen Verträge der EMSA aus den vergangenen Jahren auf beinahe 300 Millionen Euro (PDF). Frontex hatte ihre Drohnenflüge von Malta laut der damaligen Ausschreibung mit 50 Millionen Euro veranschlagt. Für jede einzelne der rund 3.000 Flugstunden würde Airbus demnach einen fünfstelligen Betrag erhalten.

De facto übernimmt Frontex auf diese Weise die Luftaufklärung für Libyen, das selbst nicht über Flugzeuge oder Drohnen verfügt. Rund zwei Drittelder im zentralen Mittelmeer gesichteten Flüchtlingsboote werden an die libysche Küstenwache gemeldet, damit diese die Insassen zurückholt. Menschenrechtsorganisationen kritisieren diese Praxis, weil Geflüchteten in Libyen Folter und Misshandlung drohen.

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 Einsätze im Mittelmeer: Frontex will 13.000 Geflüchtete mit Drohnen aufgespürt haben
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