Einlasssysteme: Gesichtserkennung im Berliner Zoo wird geprüft
Die Berliner Datenschutzbeauftragte Maja Smoltzyk prüft den Einsatz automatisierter Einlasssysteme per Gesichtserkennung im Berliner Zoo. Der Einsatz solcher Techniken sei "nur in Ausnahmefällen möglich", sagte ein Behördensprecher auf Anfrage von Golem.de und fügte hinzu: "Es stellt sich die Frage, ob diese hier wirklich erforderlich ist und nicht ein milderes Mittel zur Verfügung steht." Einem Bericht der Berliner Tageszeitung zufolge(öffnet im neuen Fenster) soll die Testphase des Projektes bereits am 20. April 2021 starten.
Die Einlasssysteme werden von der Paderborner Firma HKS Systeme geliefert. Nach Angaben einer Firmensprecherin stammt das Modul für die Gesichtserkennung von der Firma Skidata im niederbayerischen Altdorf. Diese Systeme würden vom Zoo Hannover ebenfalls schon eingesetzt.
Die Besitzer einer Jahreskarte können demnach entscheiden, ob sie einen automatisierten Einlass wünschen. Falls ja, werden von der Kamera des Einlasssystems die biometrischen Daten des Gesichts erfasst und zusammen mit der ID der Jahreskarte lokal gespeichert. Das Foto selbst und die zugehörigen Personendaten werden nicht gespeichert. Künftig ist es weiterhin möglich, die Jahreskarte manuell beim Einlass überprüfen zu lassen. Dies kann anhand eines aufgedruckten Fotos oder eines Personalausweises erfolgen.
Kritik aus der Politik
Nach Einschätzung der Berliner Datenschutzbehörde liegt bei dem automatisierten Abgleich biometrischer Daten eine erhebliche Beeinträchtigung der Grundrechte und Grundfreiheiten vor. "Ob diese Bedingungen im vorliegenden Fall eingehalten werden, ist derzeit noch unklar. Die Datenschutzbeauftragte hat deswegen eine Prüfung von Amts wegen in die Wege geleitet und dem Zoo Berlin einen ausführlichen Fragenkatalog übersandt", sagte der Sprecher weiter. Vor Abschluss dieses Vorgangs könne keine weitergehende Bewertung vorgenommen werden.
Die Berliner Politik reagierte mit Unverständnis auf die Pläne. "Eine Software zur Gesichtserkennung einzuführen wäre wohl das Letzte gewesen, was mir eingefallen wäre, wenn es um einen beschleunigten Einlass in den Zoo geht", sagte Sven Kohlmeier, SPD-Abgeordneter und Sprecher seiner Fraktion für Datenschutz, der taz(öffnet im neuen Fenster). Sein Kollege aus der Linksfraktion, Sebastian Schlüsselburg, erklärte demnach: "Das geht gar nicht. Zweck und Mittel stehen in keinem Verhältnis."
Erst vor wenigen Wochen war der Zoo von einem Datenleck bei einem Zahlungsdienstleister betroffen.
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