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Einfuhrsteuern: Wie teuer wird ein Raspberry Pi beim harten Brexit?

Bei einem No-Deal-Brexit könnten viele britische Produkte teurer und schwerer lieferbar werden – auch der populäre Bastelrechner Raspberry Pi. Mit genauen Prognosen tun sich deutsche Elektronikhändler derzeit schwer, doch decken sie sich schon vorsorglich mit den Komponenten ein.
/ Friedhelm Greis
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Raspberry-Pi-Komponenten könnten durch einen harten Brexit teurer werden. (Bild: Raspberry Pi Foundation)
Raspberry-Pi-Komponenten könnten durch einen harten Brexit teurer werden. Bild: Raspberry Pi Foundation

In knapp vier Wochen, am 29. März, soll das Vereinigte Königreich aus der Europäischen Union austreten. Da bislang immer noch kein Austrittsvertrag vom britischen Parlament beschlossen wurde und Überlegungen über eine zweite Volksabstimmung noch wenig konkret sind, steigt täglich die Gefahr eines sogenannten No-Deal-Brexits. Ein solcher ungeordneter Austritt würde sich stark auf den Onlinehandel auswirken. Auch für den Import britischer Waren nach Deutschland würden völlig neue Regeln gelten.

"Kommt es zu einem harten Brexit", sagte Jürgen Wamser von der Generalzolldirektion in Bonn dem Handelsblatt(öffnet im neuen Fenster), "wird Großbritannien gleichgestellt mit Drittländern wie China oder die USA". Dann gelten die Bestimmungen für Onlinebestellungen, die der Zoll auf seiner Website veröffentlicht hat(öffnet im neuen Fenster).

Einfuhrumsatzsteuer wird fällig

Welche Folgen eine solche Regelung hat, stellten wir kürzlich bei der Bestellung eines Hifiberry-Aufsatzes in der Schweiz fest. Zu Kaufpreis und Versandkosten in Höhe von 39,90 Euro addierten sich die sogenannte Einfuhrumsatzsteuer von 19 Prozent (7,58 Euro) und eine Auslagepauschale durch den Zusteller in Höhe von 6,00 Euro. Damit verteuerte sich das Produkt um 13,58 Euro – gut 34 Prozent. Die Einfuhrumsatzsteuer ist ab einem Warenwert von 22 Euro zu entrichten. Bei einem Warenwert von mehr als 150 Euro kommt noch ein Zollbetrag hinzu, der je nach Warenart unterschiedlich ist.

Im Falle eines No-Deal-Brexits muss jeder, der in Großbritannien etwas bestellt, mit Zusatzausgaben wie beim Hifiberry rechnen. Es gibt aber Reseller, die verschiedene Raspberry-Pi-Produkte in Deutschland anbieten. Dazu gehören unter anderen Reichelt, Sertronics oder RS Components. Während bei ihnen keine unerwarteten Gebühren drohen, dürfte das beim britischen Versand Welectron.com eher der Fall sein.

Spediteure erwarten höhere Kosten und enorme Hürden

Dem Handelsblatt-Bericht zufolge ist Großbritannien der zweitgrößte Auslandslieferant deutscher Internetkäufer. So hat laut einer Untersuchung der Beratungsfirma PwC in den vergangenen zwei Jahren jeder dritte Online-Shopper (34,3 Prozent) auf der Insel bestellt. Nur in China hätten mit 50,7 Prozent mehr Käufer geordert. Großbritanniens Internethändlern, die im Durchschnitt zehn Prozent ihrer Waren ins Ausland liefern, würde der harte Brexit das Exportgeschäft verderben, heißt es.

Für deutsche Reseller könnten sich dagegen die Transportkosten erhöhen. Denn für die Spediteure würde es mehr Aufwand bedeuten, wenn die Lkw beispielsweise stundenlang auf die Abfertigung in Calais oder Dover warten müssten. "Deutsche Speditionen und Logistikunternehmen werden durch Grenzkontrollen und damit verbundene Wartezeiten, höhere Kosten und enorme Hürden durch Zollabfertigung und Nachweispflichten belastet. Die konkreten Folgen des Austritts des Vereinigten Königreichs aus der EU für deutsche Speditionen und Logistikunternehmen sind schwer abschätzbar", heißt es beim Deutschen Speditions- und Logistikverband (DSLV) (PDF(öffnet im neuen Fenster)).

Raspberry Pi Foundation bleibt gelassen

Dennoch sieht die Raspberry Pi Foundation dem EU-Austritt Großbritanniens gelassen entgegen. "Wir liefern bereits Raspberry-Pi-Produkte weltweit aus, darunter in viele Länder, zu denen das Vereinigte Königreich keine bevorzugten Handelsbeziehungen hat", sagte der Chef von Raspberry Pi (Trading) Ltd, Eben Upton, auf Nachfrage von Golem.de. Daher erwarte er "keine Auswirkungen in Bezug auf Preis oder Verfügbarkeit bei EU-Lieferungen im Falle eines No-Deal-Brexits".

Ein solch klare Aussage hat Golem.de von deutschen Resellern nicht erhalten. Dennoch ist man zum Beispiel bei dem Berliner Händler Sertronics recht entspannt. Einkaufsleiter Rene Lorbeer verwies auf Anfrage von Golem.de darauf, dass es sich bei den Raspberry-Produkten um Computer handele. Solche "automatischen Datenverarbeitungsmaschinen", wie sie beim Zoll heißen, würden bei der Einfuhr aus Drittstaaten in die EU regelmäßig mit null Prozent besteuert(öffnet im neuen Fenster). Reseller hätten daher beim Computer-Import aus Ländern wie den USA, China oder der Schweiz keinerlei Warenzölle zu bezahlen.

Reichelt erwartet höhere Kosten

Doch wie beim Beispiel des Hifiberry müssen auch Händler die Einfuhrumsatzsteuer bezahlen. Die Wiederverkäufer können diese Steuer beim Import jedoch als "durchlaufenden Posten" betrachten und führen die Umsatzsteuer erst beim Verkauf des Produktes ab. "Daher sehen wir es derzeit nicht, dass die Preise hier signifikant ansteigen werden und sind hier aktuell noch entspannt", sagte Lorbeer.

Der Versandhändler Reichelt äußerte sich vorsichtiger. "Ob und zu welchen Auswirkungen es im Falle eines harten Brexits kommt, können wir nicht vorhersehen", teilte das Unternehmen auf Anfrage von Golem.de mit. Über das Ausmaß dieser Auswirkungen könne nur spekuliert werden. "Aus unserer Sicht ist es wahrscheinlich, dass sich die durch den harten Brexit entstehenden Kosten irgendwo niederschlagen müssen. Eine mögliche Konsequenz wären daher höhere Preise und steigende Versandkosten", hieß es weiter.

Produkte liegen schon auf Halde

Um preislich im Falle eines harten Brexits mit der Konkurrenz weiter mithalten zu können, habe Reichelt "bereits vorsorglich für ausreichend Sicherheitsbestände der Raspberry-Pi-Komponenten gesorgt". Da jedoch nicht alle Effekte eines harten Brexits und seine Auswirkungen auf Marktpreise und Verfügbarkeiten vorhersehbar seien, "besteht weiterhin ein gewisses Restrisiko für Preisänderungen und die Verfügbarkeit der Waren".

Der Versandhändler Conrad Electronic wollte keine Angaben zu den möglichen Auswirkungen eines No-Deal-Brexits machen. Solange es keine endgültige Entscheidung zum Brexit gebe, könne das Unternehmen "keine Aussagen zu eventuellen Preisentwicklungen machen". Auch zu möglichen steuerlichen Auswirkungen wolle man sich nicht äußern.

Mit Lieferengpässen bei Raspberry-Pi-Produkten wäre also auch bei einem No-Deal-Brexit wohl vorerst nicht zu rechnen. Aufpassen sollten Käufer hingegen, wenn sie direkt ein Produkt bei einem britischen Online-Händler bestellen.

Ohne eine Art von Zollunion mit der Insel könnten die Kleinrechner auf Dauer aber auch beim Kauf über einen Reseller in Deutschland teurer werden. Zwar nicht durch zusätzliche Steuern, aber durch den höheren Aufwand für Spediteure.


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