Eine Billion Euro: So will die SPD Europas KI-Rückstand aufholen
Die SPD-Abgeordneten Johannes Schätzl und Matthias Mieves haben ein gemeinsames Strategiepapier vorgelegt, das dem Handelsblatt exklusiv vorliegt(öffnet im neuen Fenster). Darin fordern sie, bis zu eine Billion Euro privates Kapital für KI und digitale Infrastruktur in Europa zu mobilisieren.
Der Staat solle dabei nicht der Hauptfinanzierer sein, sondern lediglich den Rahmen setzen und privates Kapital lenken. "Europas Antwort auf die KI-Dominanz der USA und Chinas darf nicht Gigantomanie mit Steuergeld sein", schreiben die Abgeordneten.
Kapitalmarkt statt Staatshaushalt
Das Kapital soll aus Versicherungen, Pensionskassen und institutionellen Anlegern kommen, die in Europa nach Einschätzung der Politiker reichlich vorhanden sind. Als Investitionsanreize schlagen Schätzl und Mieves staatliche Abnahmegarantien für KI-Rechenleistung vor, um Investitionen kalkulierbarer zu machen. Der Staat schaffe so verlässliche Nachfrage, ohne blanke Subventionen zu zahlen.
Konkret schlagen die SPD-Politiker den Aufbau eines europäischen KI-Gigagrids vor, also ein Netzwerk verbundener leistungsfähiger Rechenzentren. Das sei besser als der Fokus auf wenige einzelne Standorte. Branchenexperten schätzen laut Handelsblatt, dass amerikanische Anbieter wie Amazon, Google und Microsoft rund 70 Prozent des europäischen Cloudmarktes kontrollieren.
Industrie zweifelt an Großrechenzentren
Nicht alle in der Branche teilen die Begeisterung für riesige KI-Rechenzentren. Andreas Weiss vom Internetverband Eco bezeichnete die Diskussion über Anlagen mit Hunderttausenden Prozessoren laut Handelsblatt als "nicht zielführend". Er plädiert stattdessen für kleinere Rechenzentren, die schrittweise erweitert werden können. Die wirtschaftliche Tragfähigkeit vieler Großprojekte gilt als unsicher, da verbindliche Nutzungszusagen häufig fehlen.
Hinzu kommen strukturelle Hürden in Deutschland: vergleichsweise hohe Energiepreise, langwierige Genehmigungsverfahren und eine fragmentierte Kapitalmarktlandschaft. Als warnendes Beispiel dient der europäische Chips Act, der die Halbleiterproduktion stärken sollte. Intel zog seine Fabrikpläne für Magdeburg zurück, mehrere andere Projekte wurden verschoben oder scheiterten.
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