Ein Jahr nach Boystown-Take-down: BKA löscht kinderpornografische Inhalte

Viele Monate nach dem Take-down der kinderpornografischen Plattform Boystown hat das BKA nach eigenen Angaben die Löschung der Inhalte veranlasst.

Artikel von Lennart Mühlenmeier und veröffentlicht am
Besser gleich löschen
Besser gleich löschen (Bild: Nadine Shaabana/Unsplash-Lizenz)

Knapp ein Jahr, nachdem das Bundeskriminalamt (BKA) die kinderpornografische Plattform Boystown zerschlagen hat, hat es auch die Löschung der dort verlinkten Inhalte in Auftrag gegeben. Diesen Vorgang aus dem ersten Quartal dieses Jahres teilte das BKA Golem.de auf Nachfrage mit. Bis dahin waren die Inhalte, die sexualisierte Gewalt an Kindern zeigten, weiter im Netz verfügbar und sollen auf ähnlichen Plattformen geteilt worden sein.

Die Frage, warum es mit den Löschaufträgen so lange gedauert hat, beantwortete uns das BKA auch auf mehrmalige Nachfrage nicht direkt. Eine Sprecherin sagte, dass das Ziel von Ermittlungen sei, "das Hochladen des Materials dauerhaft zu verhindern oder zumindest zu erschweren". Dazu versuchten die Ermittler, Administratoren zu identifizieren, "die mit ihrer Plattform überhaupt erst den Austausch von sexuellen Missbrauchsinhalten zum Nachteil von Kindern ermöglichen". Die Ziele würden durch den "Take-down von einschlägigen Plattformen oder durch Sicherstellungen von strafrechtlich relevanten Daten erreicht".

Sprich: Die Polizei will eher die Plattform herunternehmen als ihre Inhalte und begründet den späten Löschauftrag mit dem Fokus auf das Ermitteln von Tatverdächtigen. "Die Strafverfolgung der verantwortlichen Täter [..] und die Erhebung, Sicherung sowie Auswertung beweisrelevanter Daten (vor allem kinderpornografische Inhalte) genoss höchste Priorität", sagte die Sprecherin. Warum die Inhalte im Netz bleiben müssen, um die Täter eher zu ermitteln und gleichzeitiges Löschen nicht möglich ist, konnte das BKA uns nicht erklären.

Kompliziert ist das Löschen dieser Inhalte jedenfalls offenbar nicht. Journalisten von Funk und Tagesschau zeigten im Rahmen ihrer Recherche bereits im Dezember 2021, wie leicht sich die kinderpornografischen Inhalte aus dem Netz nehmen lassen. Diese wurden häufig bei One-Click-Hostern im Clearnet hinterlegt und die entsprechenden Links über die Darknetplattform Boystown geteilt. Die Journalisten meldeten etliche Links bei den One-Click-Hostern, welche die Inhalte innerhalb kürzester Zeit löschten.

Löschung von illegalen Inhalten erst nach Ende von Strafverfahren

Die Beispiele der Journalisten zeigen, wie schnell eine Löschung auch durch die Zivilgesellschaft möglich ist. Zudem konnte auch das BKA kürzlich im Rahmen von Aktionstagen rechtsextreme und jihadistische Inhalte von Soundcloud entfernen lassen . Diese Löschung von illegalen Inhalten erfolgte zeitgleich zu der Aufnahme von Strafverfahren - noch vor dem Ende von Verfahren wie bei Boystown.

Boystown existierte mindestens seit Juni 2019 und zählte laut BKA zuletzt mehr als 400.000 Accounts. Auf der Plattform seien vornehmlich Missbrauchsaufnahmen von Jungen geteilt worden, darunter schwerster sexueller Missbrauch von Kleinkindern. Die Plattform sei international ausgerichtet gewesen und nur über das sogenannte Darknet erreichbar gewesen, erklärte das BKA damals.

Die kinderpornografische Plattform wurde im Anschluss an Durchsuchungen bei vermutlichen Betreibern abgeschaltet. Auch weitere, nicht genannte Chatplattformen wurden vom Netz genommen. Dem Schlag gegen die Kinderpornoplattform waren aufwendige internationale Ermittlungen vorausgegangen, an der neben dem BKA auch Strafverfolgungsbehörden aus den Niederlanden, Schweden, Australien, den USA und Kanada sowie Europol beteiligt waren.

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