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Ehrgeiziges Projekt: Bundeswehr erwägt Flotte mit bis zu 1.200 Satelliten

Die Bundeswehr will im All unabhängiger werden. Dafür könnte eine Satellitenflotte mit bis zu 1.200 Einheiten entstehen.
/ Przemyslaw Szymanski
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Das im Juli 2021 gegründete Weltraumkommando der Bundeswehr (Symbolbild) (Bild: Andreas Rentz/Getty Images)
Das im Juli 2021 gegründete Weltraumkommando der Bundeswehr (Symbolbild) Bild: Andreas Rentz/Getty Images

Die Bundeswehr könnte in den kommenden Jahren eine Satellitenflotte von ungewöhnlicher Größe aufbauen. Nach Informationen des Handelsblatts(öffnet im neuen Fenster) werden in der Industrie Konstellationen mit bis zu 1.200 Satelliten diskutiert. Selbst in einer kleineren Variante soll von mindestens 1.000 Raumfahrzeugen die Rede sein. Gedacht ist die Flotte vor allem für Kommunikation und Aufklärung. Sie soll der Bundeswehr schneller Daten aus dem Einsatzgebiet liefern, etwa zu Truppen, Fahrzeugen oder anderen militärisch relevanten Objekten.

Der Grund für die große Zahl liegt im geplanten Einsatzprofil. In einer niedrigen Erdumlaufbahn überfliegen Satelliten einen Ort nur kurz, dafür können viele kleine Einheiten gemeinsam häufiger Bilder, Radardaten oder Kommunikationsverbindungen liefern. Für militärische Nutzer ist das wichtig, weil Lagebilder nicht Stunden alt sein sollen. Deutschland würde sich damit zugleich unabhängiger von fremden Netzen machen, deren Verfügbarkeit politisch oder technisch nicht garantiert ist.

Architektur noch offen

Noch ist offen, wie die Satellitenflotte aufgebaut werden soll. Denkbar sind mehrere spezialisierte Konstellationen, etwa getrennt nach Kommunikation, Radar oder optischer Aufklärung. Alternativ könnten Satelliten mehrere Sensoren tragen und dadurch unterschiedliche Daten nahezu gleichzeitig erfassen. Das wäre für den Abgleich von Bildern, Wärmesignaturen oder Radardaten hilfreich. Zugleich hätte diese Entscheidung Folgen für Gewicht, Kosten und Lebensdauer der einzelnen Satelliten.

Von dieser Architektur hängen auch die ersten konkreten Projekte ab. Beim Kommunikationssystem SatcomBW4 prüft die Bundeswehr bereits Ansätze aus der Industrie. Deutlich größer dürfte das Aufklärungssystem Spock 2 (Spacesystem for Persistent Operational Tracking) werden. Es soll ein möglichst dauerhaftes Lagebild liefern und könnte deshalb den größten Teil der geplanten Flotte ausmachen.

Serienfertigung statt Einzelstücke

Um dieses Projekt bewerben sich laut Handelsblatt drei Konsortien. Das erste bilden die beiden in München ansässigen Technologie- und Rüstungskonzerne Airbus Defence and Space und Rohde & Schwarz, das zweite der Düsseldorfer Rüstungskonzern Rheinmetall mit dem finnischen Radarsatelliten-Spezialisten Iceye.

Das dritte Bündnis besteht aus dem Bremer Raumfahrtunternehmen OHB, dem Münchener Software- und Rüstungsanbieter Helsing und dem staatlichen norwegischen Rüstungskonzern Kongsberg. Alle drei arbeiten außerdem mit deutschen New-Space-Startups wie Constellr oder LiveEO zusammen, die vor allem Sensorik und Datenverarbeitung einbringen.

Wer den Zuschlag erhält, müsste die Satelliten nicht nur entwickeln, sondern über Jahre hinweg nachliefern. Der Grund liegt in der Umlaufbahn: In niedrigen Orbits werden Satelliten durch Reste der Atmosphäre langsam abgebremst und müssen nach einigen Jahren ersetzt werden. Bei 1.200 Satelliten und einer angenommenen Lebensdauer von zehn Jahren wären im Schnitt 120 neue Einheiten pro Jahr nötig.

Regelmäßige Starts nötig

Neben der Serienfertigung müssten daher auch regelmäßige Starts organisiert werden. In Deutschland arbeiten mehrere Unternehmen an dafür geeigneten Trägerraketen, darunter Isar Aerospace aus München, RFA aus Augsburg und Hyimpulse aus Baden-Württemberg. Ihre Microlauncher sollen nach bisherigen Planungen etwa eine Tonne Nutzlast tragen und könnten so pro Flug ein bis zwei Satelliten in die Erdumlaufbahn bringen. Für den laufenden Ersatz wäre rechnerisch ungefähr jede Woche ein Start allein für die Bundeswehr nötig.

Entsprechend hoch wäre der finanzielle Aufwand. Bis 2030 sind für militärische Raumfahrt mindestens 35 Milliarden Euro vorgesehen. Neben den Satelliten selbst müssten auch Bodenstationen, geschützte Datenverbindungen, Steuerungssysteme, Cybersicherheit und Personal finanziert werden. Der frühere Astronaut und Raumfahrtexperte Ulrich Walter schätzt die Betriebskosten laut Handelsblatt auf etwa eine Milliarde Euro pro Jahr. "Das ist ein ehrgeiziges und ein teures Vorhaben", sagt Walter.

Bis die Flotte konkrete Formen annimmt, dürfte aber noch Zeit vergehen: Die Aufträge müssten erst vergeben werden. In der Branche wird damit nicht vor 2028 gerechnet, erste Satelliten wären nach dieser Planung frühestens ab 2029 im Orbit.


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