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Effizienterer Betrieb: In China wird das erste Unterwasserrechenzentrum gebaut

Bis 2025 will ein chinesisches Unternehmen Hunderttausende Server im Meer versenken. Die Technologie des Rechenzentrums soll weltweit angeboten werden.

Artikel veröffentlicht am , Johannes Hiltscher
Die ersten beiden Behälter hat Entwickler Highlander im April 2023 versenkt - bis 2025 sollen es 100 sein. (Bild: Globaltimes)

Ein Rechenzentrum im Meer zu versenken hat einige Vorteile: Es braucht keine Fläche an Land, lässt sich effizienter und ohne den teils enormen Wasserverbrauch regulärer Rechenzentren kühlen. Auch fallen die verbauten Server deutlich seltener aus, wie Microsoft bei seinem Project Natick feststellte. Das Unternehmen hatte 2018 erstmals ein Rechenzentrum im Meer versenkt, das erste kommerzielle Unterwasserrechenzentrum wird aktuell in China aufgebaut.

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Das Rechenzentrum trägt den Namen Hainan Undersea Data Center und befindet sich vor der Küste der namensgebenden Insel Hainan im südchinesischen Meer. Die ersten zwei Module wurden bereits im April 2023 versenkt, bis 2025 sollen insgesamt 100 der 1.300 Tonnen schweren weißen Behälter in 35 Metern Tiefe installiert sein. Sie sehen denen von Microsoft zum Verwechseln ähnlich und sind ebenfalls mit Stickstoff gefüllt. Der ist nach Microsofts Auswertung ein Grund für die längere Lebensdauer der Elektronik unter Wasser, da die Stickstoffatmosphäre Korrosion verhindert.

Besonders hervorgehoben wird aber die Energieeffizienz: Indem die Abwärme der Server an das kühle Meereswasser abgegeben wird, sollen sich bis zu 30 Prozent Energie einsparen lassen. Diese Angabe geht zwar von einem recht ineffizienten Kühlsystem aus, die an Land besonders effiziente Freiluftkühlung etwa ist aber in wärmeren Regionen der Welt nicht zu realisieren.

Ein ganzes Server-Leben unter Wasser

Neben den mit Server-Racks befüllten Zylindern wird ein Relais-Modul versenkt, das die Anbindung zur Station an Land enthält. Laut Hersteller sollen die Module eine Lebensdauer von 25 Jahren haben – was die Nutzungsdauer der verbauten Rechentechnik deutlich übersteigt. Innerhalb ihres Lebens müssten die Container daher mehrmals geborgen und neu bestückt werden.

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Gebaut wird das Rechenzentrum von der Beijing Highlander Digital Technologies Co. Ltd., die eigentlich Elektronik für die Schifffahrt entwickelt. Als Nutzer werden etwa Tencent und China Telecom genannt, Highlander will die Module aber auch global vermarkten. Sie sollen nicht nur für klassische Rechenzentren genutzt werden, sondern auch etwa bei Ölbohrplattformen lokal Rechenleistung bereitstellen.

Aktuell verfolgt der Hersteller in Kooperation mit einem KI-Unternehmen ein zweites Projekt bei Shanghai, das direkt mit Energie aus einem Windkraftwerk versorgt werden soll, Highlander bewirbt es als Netto-Null-Rechenzentrum – was sich aber nur auf den Energiebedarf für den Betrieb beziehen dürfte.

Der Standort Hainan wurde bewusst gewählt: Hier ist das Wasser verhältnismäßig warm, die Anforderung an die Technik damit hoch. Das Unterwasserrechenzentrum soll auch der lokalen Tech-Industrie dienen. Denn die chinesische Regierung will auf Hainan nicht nur den größten Freihandelshafen der Welt aufbauen, die Insel soll auch zu einem High-Tech-Standort werden – inklusive kommerziellem Weltraumbahnhof.