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Eco-SIM: Vodafone führt die recycelte SIM-Karte ein

Laut Vodafone ist das Netz schon grün. Auch die SIM-Karte soll umweltfreundlich werden. Doch ganz so einfach ist es nicht.
/ Achim Sawall
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Immer noch zu viel Plastik: Eco-SIM als Übergang zur eSIM (Bild: Vodafone Deutschland)
Immer noch zu viel Plastik: Eco-SIM als Übergang zur eSIM Bild: Vodafone Deutschland

Vodafone stellt seine SIM-Kartenhalter ab jetzt aus recyceltem Kunststoff her. Das gab der Netzbetreiber am 19. Oktober 2021 bekannt(öffnet im neuen Fenster) . Neben Deutschland führen elf weitere europäische Landesgesellschaften von Vodafone die Eco-SIM ein, hinzu kommen Ägypten, die Türkei und Südafrika.

"Mit der Einführung der ersten grünen SIM-Karte Deutschlands machen wir den nächsten Schritt für mehr Nachhaltigkeit" , sagte Vodafone-Deutschland-Chef Hannes Ametsreiter.

Die Eco-SIM soll dabei als Übergangslösung dienen, bis die eSIM-Karte in allen Geräten läuft. Anfang November 2018 hat Vodafone seine eSIM-Tarife gestartet. Bei der eSIM werden Nutzer ohne eine auswechselbare Plastik-SIM-Karte identifiziert. Dafür werden die Teilnehmerinformationen auf einem Chip gespeichert.

BUND: Plastikkarten weiter verkleinern

Rolf Buschmann von BUND sagte Golem.de, der Wechsel von Primärplastik auf Recyclingplastik sei richtig und werde bei der Nutzung von 100 Prozent Recyclingmaterial auch einen Beitrag zum Umweltschutz leisten. Ein noch größerer Beitrag könne erreicht werden, wenn die zum Teil bisher scheckkartengroßen Plastikkarten weiter verkleinert würden. Eine Micro-SIM-Karte benötige maximal 2 mal 3 Zentimeter Material.

Noch besser sei grundsätzlich die Umstellung auf eSIM. Der größte Anteil an wertvollen Ressourcen sei im Chip enthalten, hier sei das größere Einsparungspotential.

"Die Netze sind bereits grün, jetzt folgen die SIM-Karten" , erklärte Vodafone. Das Unternehmen hatte zuvor erklärt, in Europa seit dem 1. Juli 2021 ausschließlich Strom aus erneuerbaren Quellen zu nutzen. Hierbei geht es um Strom für die Bereiche Mobilfunk und Festnetz sowie die Rechenzentren, Büros und Shops. In Deutschland wurde das Ziel schon im vergangenen Jahr erreicht.

Es geht bei den Plänen um zwölf europäische Staaten, darunter Italien, Spanien und die Türkei. Es gibt aber bei Vodafone Deutschland noch kaum Mobilfunkstationen, die mit Solarenergie arbeiten.

Der Chef des Mobilfunkberatungsunternehmens Strandconsult, John Strand, bezeichnete die Ankündigung(öffnet im neuen Fenster) als "Greenwashing ohne Substanz" . Vodafone nutze hauptsächlich Energie-Tracking-Zertifikate in Form von Herkunftsnachweisen (GOs), doch nur ein geringer Anteil des Stroms, den Vodafone einsetze, sei wirklich grün. In Großbritannien wird diese Geschäftspraxis(öffnet im neuen Fenster) jetzt untersucht.

Vodafone erwirbt von Betreibern von Ökostromanlagen Zertifikate. Der Strom, den sie so lokal einkaufen, werde so "grüngewaschen" . So könnte ein Betreiber von Wasserkraftwerken in Norwegen seinen Strom ohne besonderes Versprechen anbieten, dass er grün sei. Dafür verkauft der Betreiber Zertifikate an jemanden wie Vodafone in einem anderen Land, der behaupten darf, grünen Strom zu nutzen.

Das ergibt verschiedene Probleme: So wird nicht unbedingt neuer Grünstrom gefördert, sondern einfach etwas bereits Existierendes genutzt. Zudem kann es zu Doppelbuchungen kommen, wodurch Erzeugung zusätzlich "vergoldet" wird, die anderswo bereits als Ökostrom gefördert wird.


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