Easy Money: Telefónica muss Kunden 225.000 Euro Guthaben auszahlen

"Easy Money" ist Englisch für leicht verdientes Geld. Ein O2-Kunde nahm das so wörtlich, dass es dem Mobilfunkbetreiber Telefónica zu teuer wurde. Ein Gericht hat nun entschieden: Der Netzbetreiber muss zahlen.

Artikel veröffentlicht am , / dpa
Ein alter O2-Tarif wird Telefónica zum Verhängnis.
Ein alter O2-Tarif wird Telefónica zum Verhängnis. (Bild: JOHN MACDOUGALL/AFP via Getty Images)

Der Mobilfunkbetreiber Telefónica muss 225.000 Euro Handyguthaben an einen geschäftstüchtigen Kunden auszahlen, der mit Gesprächsgutschriften ein kleines Vermögen angehäuft hat. Das Oberlandesgericht München gab am 12. Dezember 2019 nach einem mehrjährigen Rechtsstreit um die Easy-Money-Gutschriften dem Kunden recht.

Stellenmarkt
  1. Manager UX Design (m/w/d)
    Hays AG, Berlin
  2. Teamleitung Business Intelligence (w/m/d)
    HUK-COBURG Versicherungsgruppe, Coburg (Home-Office möglich)
Detailsuche

Der Mann hatte das Easy-Money-Versprechen wörtlich genommen, insgesamt 508 Prepaid-Karten der Telefónica-Marke O2 gekauft und einen zur Kundenwerbung gedachten Marketinggag zu einem lukrativen Geschäftsmodell umfunktioniert: Bei Prepaid-Karten mit Easy-Money-Funktion schrieb Telefónica für jeden eingehenden Anruf zwei Cent gut. Der Mann nutzte Wahlwiederholungs-Apps, um sich permanent selbst anzurufen.

Diesen Trick nutzten auch andere O2-Kunden, allerdings ist bisher kein Fall bekannt geworden, bei dem es um eine derart hohe Summe ging. Der Weg zum leicht verdienten Geld war dann allerdings schwierig und führte über zwei Gerichtsinstanzen: Telefónica hatte die 508 Karten 2015 zunächst sperren lassen, danach die Verträge gekündigt und schließlich die Auszahlung des Guthabens verweigert. Der Kunde zog vor Gericht und setzte sich schlussendlich durch. Der 8. Zivilsenat des Münchener OLG ließ die Revision nicht zu.

Telefónica: Kunde hat gegen AGB verstoßen

Der Konzern argumentierte, der Kunde habe sowohl gegen die Allgemeinen Geschäftsbedingungen als auch gegen Treu und Glauben verstoßen. Letzteres bezieht sich darauf, dass die Zwei-Cent-Gutschrift pro Anruf nicht dafür gedacht gewesen sei, dass sich die Kundschaft mit Computerhilfe tausendfach selbst anrufe.

Golem Akademie
  1. Informationssicherheit in der Automobilindustrie nach VDA-ISA und TISAX® mit Zertifikat: Zwei-Tage-Workshop
    22.–23. März 2022, Virtuell
  2. CEH Certified Ethical Hacker v11: virtueller Fünf-Tage-Workshop
    21.–25. Februar 2022, Virtuell
Weitere IT-Trainings

Mit der Frage, ob der Mann gegen Treu und Glauben verstoßen hat, hat sich das Gericht nicht beschäftigt. "Das haben wir nicht entscheiden müssen", sagte der Vorsitzende Richter Herbert Lechner - und das hat Telefónica sich offensichtlich selbst zuzuschreiben. "Das ist eine Entscheidung aus rein prozessualen Gründen", betonte der Vorsitzende.

Denn Telefónica hatte bis kurz vor Ende des Verfahrens keinerlei Dokumentation vorgelegt, wie die Guthaben auf den 508 Prepaid-Karten zustande gekommen waren. Ein Teil der 225.000 Euro war durch reguläres Aufladen der Karten gespeichert worden, diese Summe stand dem Kunden in jedem Fall zu. "Diese Aufteilung hat die Beklagte" - also Telefónica - "erst eine Woche vor dem Termin vorgenommen", sagte der Vorsitzende. Das war den Richtern zu spät.

Gebrauchte Easy-Money-Karten erzielen hohe Preise

Telefónica hat die Easy-Money-Tarife längst aus dem Angebot genommen, doch gebraucht werden die Karten für ein Vielfaches des ursprünglichen Preises immer noch gehandelt. Wie dem O2-Tarifarchiv im Internet zu entnehmen ist, kostete eine Karte ohne Handy ursprünglich 20 Euro. Aktuell sind die Karten auf Ebay ab 500 Euro aufwärts zu haben.

Der klagende O2-Kunde forderte von Telefónica sogar über 300.000 Euro, den Wert seiner 508 Karten hatte er wegen der hohen Gebrauchtpreise mit 100.000 Euro veranschlagt. Das allerdings lehnte das Gericht ab.

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed


Pixeltechniker 14. Dez 2019

Ach ja!? Der Kunde der sich tausendfach selbst angerufen hat ist also ein guter Samariter...

crazypsycho 14. Dez 2019

Vielleicht einfach nur Sammel-Wahn. Gibt genug Menschen die irgendwas sammeln. Aber...

Hugo1of2 13. Dez 2019

Selbstjustiz kannst du hier ja ausschließen, denn die Justiz hat die Entscheidung...

tomate.salat.inc 13. Dez 2019

Eben. So schaut es aus und deswegen fehlt mir jedes Mitleid für O2. Ich hätte es dem...

treysis 13. Dez 2019

Nein, ist nicht in Ordnung. Deswegen gibt es den Vertragsgrundsatz 'nach Treu und...



Aktuell auf der Startseite von Golem.de
Raspberry Pi
Mit einem DVB-T-Stick die Wetterstation retten

Was kann man machen, wenn ein Regenmesser abraucht und man nicht die komplette Wetterstation neu kaufen will? Das Zauberwort heißt SDR.
Ein Bericht von Friedhelm Greis

Raspberry Pi: Mit einem DVB-T-Stick die Wetterstation retten
Artikel
  1. Coronapandemie: 42,6 Millionen mehr digitale Impfzertifikate als Impfdosen
    Coronapandemie
    42,6 Millionen mehr digitale Impfzertifikate als Impfdosen

    Einem Medienbericht zufolge gibt es eine Lücke zwischen ausgestellten Impfnachweisen und verabreichten Dosen. Diese wird sogar noch größer.

  2. Quartalszahlen: Supercomputer-Millionen-Strafe für Intel
    Quartalszahlen
    Supercomputer-Millionen-Strafe für Intel

    Weil ein System nicht fertig wurde, musste Intel die US-Regierung entschädigen. Und die Xeon-CPUs verspäten sich weiter.

  3. Rauchgranate: Tesla zeigt Versuch mit Biowaffen-Abwehrmodus des Model Y
    Rauchgranate
    Tesla zeigt Versuch mit Biowaffen-Abwehrmodus des Model Y

    Mit einer Rauchgranate hat Tesla den Effekt des Biowaffen-Abwehrmodus im Model Y auf die Insassen veranschaulicht.

Du willst dich mit Golem.de beruflich verändern oder weiterbilden?
Zum Stellenmarkt
Zur Akademie
Zum Coaching
  • Schnäppchen, Rabatte und Top-Angebote
    Die besten Deals des Tages
    Daily Deals • RX 6900 XTU 16GB 1.449€ • Intel i7 3,6Ghz 399€ • Alternate: u.a. Acer Gaming-Monitor 119,90€ • Logitech Gaming-Headset 75€ • iRobot Saugroboter ab 289,99€ • 1TB SSD PCIe 4.0 128,07€ • Razer Gaming-Tastatur 155€ • GOG New Year Sale: bis zu 90% Rabatt • LG OLED 65 Zoll 1.599€ [Werbung]
    •  /