Easter-Egg-Erfinder Warren Robinett: "Wie ein Künstler sein Gemälde signiert"

1979 hat Warren Robinett das erste Easter Egg in einem Computerspiel untergebracht. Er protestierte damit gegen die damalige Praxis, die Namen von Gamedesignern nicht zu nennen.

Ein Porträt von Elke Wittich veröffentlicht am
Warren Robinett bei der Game Developers Conference 2015
Warren Robinett bei der Game Developers Conference 2015 (Bild: Official GDC via Wikimedia Commons/CC-BY 2.0)

Die bisherige Lebensgeschichte von Warren Robinett ist im Prinzip auch die Geschichte der Computerspiele-Industrie des ausgehenden 20. und des 21. Jahrhunderts. Sie reicht von den ersten Atari-Spielen, die von als Einzelkämpfern agierenden Programmierern konzipiert und umgesetzt wurden bis hin zu den Träumen einer umfassend virtuellen Realität, die sich trotz des anfänglichen, riesigen Medienhypes bisher nicht wirklich erfüllt haben.

Mathe, Logik und Computer

Inhalt:
  1. Easter-Egg-Erfinder Warren Robinett: "Wie ein Künstler sein Gemälde signiert"
  2. Es war nicht nur ein Adventure, es hieß auch so
  3. Ein Easter Egg - und noch ein Extra

1951 geboren, sah Robinett seinen ersten Computer erst im Matheunterricht an der High School. Mit 16 nahm er an einem Mathematik-Sommerlager teil. Die Schüler lebten dort in einem Wohnheim, jeden Tag standen bis zu sechs Stunden Unterricht auf dem Programm. "Ich habe mich gefühlt wie ein Student an einer Universität", sagte Warren Robinett 2016 in einem Interview mit US Gamer. In diesem Sommer habe sich sein Lebensweg entschieden, denn auch wenn manche Menschen das sicher anders sähen, seien für ihn Mathematik und Informatik eng verwandt, "das logische Denken haben beide gemeinsam".

Sein erstes Computergame hatte Robinett zu diesem Zeitpunkt schon längst gespielt - auch wenn es mit dem, was man heute darunter versteht, nicht viel gemeinsam hatte: In den frühen Siebzigern standen in US-amerikanischen Flughäfen Apparate, auf denen man nach Einwurf einer Münze ein Labyrinth-Game spielen konnte, erinnerte sich Robinett. "Das war etwas vollkommen Neues, das mir im Gedächtnis blieb."

Ein Uni-Abschluss für das 21. Jahrhundert

Nach der High School begann Warren Robinett ein Studium an der Houstoner Rice University. Elektrotechnik und Mathematik waren seine offiziellen Studienfächer, in Wirklichkeit habe er "jede Menge mehr studiert". Informatik wurde damals noch nicht angeboten, aber er belegte Programmierkurse und hörte Kunstvorlesungen. Er beendete seine Studien in Houston mit "einem gemischten Major-Abschluss, dem ich schließlich den Titel 'Computeranwendungen für Sprache und Kunst' gab", sagte er später. Und der beschreibe doch "eigentlich sehr gut das 21. Jahrhundert".

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Fehlte noch die Informatik, die Robinett anschließend an der Hochschulabschlussabsolventen vorbehaltenen Graduate School an der University of California in Berkley studierte. Dort lernte er unter anderem C, und zwar direkt von Ken Thompson, der diese Computersprache ebenso wie Unix mitentwickelt hatte. In der Vorlesung mit dem Titel Betriebssysteme bestand Gastprofessor Thompson darauf, dass die Studenten in C programmierten.

Einzelkämpfer bei Atari

Sein Berufsleben begann Warren Robinett mit 26 Jahren als Programmierer bei Atari. Damals wurde jedes Atari-Spiel von nur einer Person entwickelt. Mit der Entwicklung ist dabei nicht nur das Schreiben des Sourcecodes gemeint, sondern praktisch alles. Die Spielidee selbst, die Grafik, der Sound und sogar das fast fertige Produkt testen zu lassen lagen in einer Hand (Robinett fragte dafür gern seine Cousins und Cousinen). Fertig war ein Spiel erst, wenn der Entwickler fand, dass es fertig war.

Im Gegenzug gab es weder Anerkennung noch Ruhm, die Namen der Spieledesigner wurden damals einfach nicht erwähnt. Diese Geringschätzung von Kreativität, die nicht zu den etablierten Kunstsparten wie Malerei, Bildhauerei, Schriftstellerei und Musik gehörte, war allerdings nicht auf die Game-Industrie beschränkt: Die Autoren von Gesellschaftsspielen wurden früher ebenfalls nur ganz selten genannt. Das galt auch in anderen Bereichen. Beispielsweise führte Der Spiegel erst in den neunziger Jahren generell Autorenzeilen unter Artikeln ein, davor waren diese Prominenten und Star-Schreibern vorbehalten.

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Es war nicht nur ein Adventure, es hieß auch so 
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hjp 06. Apr 2021

Mit 16 (also 1967) hatte er ein Spiel "schon längst gespielt", das "in den frühen...

JouMxyzptlk 05. Apr 2021

Da bin ich gnadenloser geworden. Wenn jemand es nicht mal schafft den ersten Satz...

Hotohori 05. Apr 2021

Ja, es war nicht das erste Easter-Egg in einem Videospiel, aber es war das Spiel, dass...



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