Earth Night: Für eine Nacht soll Deutschland das Licht ausschalten
Licht aus für eine dunkle Nacht im Jahr: Die Earth Night am 7. September 2021 will auf die Lichtverschmutzung der Erde aufmerksam machen.
"Nach Sonnenuntergang [...] machen wir die Nacht zum Tag", heißt es im Werbevideo von Paten der Nacht zur bevorstehenden Earth Night: Am 7. September ab 22 Uhr (MESZ) sollen die Lichter ausgemacht werden - "für wenigstens eine dunkle Nacht im Jahr", so der Slogan des diesjährigen Events.
Bei der Earth Night handelt es sich um eine Initiative des ehrenamtlichen Projekts Paten der Nacht. Es will in der Bevölkerung das Bewusstsein für die Lichtverschmutzung und deren Folgen für Menschen, die Tiere und die Natur schaffen. Die Paten der Nacht beschreiben das Problem auf ihrer Website als dramatisch: "Was das Mikroplastik in unseren Meeren, Seen und Böden, ist das Kunstlicht in unserer Atmosphäre!"
Die Lichtverschmutzung nimmt zu
Laut der 2019 gegründeten Initiative erhöht sich die Lichtverschmutzung weltweit um ungefähr zwei bis drei Prozent pro Jahr. Im dicht besiedelten Europa sind es jährlich sogar circa fünf bis sechs Prozent. Alleine in Deutschland gibt es laut dem BDMI (Bundesministerium für Wirtschaft und Energie) rund zehn Millionen Laternen auf Straßen, Plätzen und Wegen. Gesund ist das nicht.
Seit Milliarden Jahren ist die Welt an einen rhythmischen Tag- und Nachtzyklus gewöhnt. Für uns Menschen bedeutet die zunehmende Beleuchtung Studien zufolge vor allem eine Störung der Wach- und Schlafphasen sowie Probleme bei der Zellreparatur und -regeneration. Laut einem Bericht des Büros für Technikfolgenabschätzung im Deutschen Bundestag aus dem Jahr 2020 gibt es jedoch beim Ausmaß der Auswirkungen der Lichtverschmutzung auf Mensch, Natur und Gesellschaft noch starken Forschungsbedarf.
Folgen für die Tierwelt
Studien zeigen nicht nur für Menschen negative Folgen der Lichtverschmutzung, sondern auch für Insekten und andere Tiere. Bei nachtaktiven Tieren führt die Helligkeit zu Verhaltensänderungen.
Durch die erhellten Flächen entstehen für wandernde Amphibien und Fledermäuse Barrieren. Beleuchtete Gebiete würden kaum noch durchquert werden und das würde ihre Lebensräume einschränken, sagte Sibylle Schroer, eine Expertin für Lichtverschmutzung, Golem.de 2018. Sie ist wissenschaftliche Koordinatorin der Arbeitsgruppe Lichtverschmutzung und Ökophysiologie am Berliner Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei.
Folgen für Insekten
Für Insekten bedeutet die Lichtverschmutzung laut den Paten der Nacht ein regelrechtes Artensterben. Alleine durch Straßenlaternen in Deutschland sterben ihnen zufolge 100 Milliarden Insekten über den Sommer hinweg. Da sie das Licht ununterbrochen umkreisen, würden sie an Erschöpfung sterben, verbrennen oder von Fressfeinden verspeist werden. In den vergangenen drei Jahrzehnten sei die Biomasse an fliegenden Insekten um fast 80 Prozent zurückgegangen - die Lichtverschmutzung soll der Hauptgrund dafür sein.
Zwar profitieren davon einige Lebewesen wie Fledermäuse. Doch für die meisten Lebewesen ist die Lichtverschmutzung eher schädlich, wie Schröer Golem.de sagte: "Wenn wir die Nachtfalter ständig nachts um die Lampen schwirren lassen, dann nimmt die Bestäubung ab und damit eben auch die Biodiversität."
Eine Nacht die Lichter ausmachen bringt uns außerdem den Sternenhimmel wieder zurück. Die Milchstraße kann man von Belgien, den Niederlanden und in Deutschland von Bonn nach Dortmund laut einer Studie aus dem Jahr 2016, die im Science Magazin veröffentlicht wurde, gar nicht mehr sehen. Am 7. September 2021 ab 22 Uhr wäre dafür die deutschlandweite Chance.
Earth Night's großes Gegenstück, die Earth Hour
Übrigens: Das weltweite Pendant zur Earth Night ist die Earth Hour, während der für mindestens eine Stunde im Jahr das Licht in der Nacht ausgemacht werden soll. Zuletzt fand diese am 27. März 2021 zwischen 20:30 und 21:30 Uhr statt - also einem Tag vor der Zeitumstellung zur Sommerzeit. Laut dem Webauftritt des WWF kam es dieses Jahr in Deutschland zu einer Rekordbeteiligung: "An der WWF-Klimaschutzaktion nahmen 585 Städte und Gemeinden teil, zusammen mit 448 Unternehmen an 716 Standorten." Nächstes Jahr soll die Earth Hour am 26. März zelebriert werden.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
- ohne Werbung
- mit ausgeschaltetem Javascript
- mit RSS-Volltext-Feed










Bevor wir uns weiter im Kreis drehen, obwohl wir eineinder zustimmen: Es braucht einen...
Ne aber Tiefgaragen die nicht überall hell erleuchtet werden ;-)
Das Problem ist, dass man eben nicht seriös abschätzen kann, welche Folgen es hat, wenn...
Das gehört grundsätzlich verboten. Die Biodiversität nimmt aufgrund fehlender Gärten und...