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E-Sport: Vereinsmeierei für mehr Anerkennung des "Elektrosports"

Deutsche lieben ihre Vereine. Im E-Sport gibt es bisher kaum Vereinsstrukturen – und ohne Gemeinnützigkeit keine Anerkennung als Sport. Aber wollen und brauchen die Aktiven überhaupt Vereine?
/ Sebastian Wochnik
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Ein Profispieler bei der ESL One in Manila (Bild: Adela Sznajder/ESL)
Ein Profispieler bei der ESL One in Manila Bild: Adela Sznajder/ESL

Die Berliner Landespolitik beschäftigt sich ein weiteres Mal mit E-Sport und dabei gipfelt alles in der Frage: Braucht es für die Anerkennung als Sportart nun zuerst die gemeinnützigen Vereine oder die Anerkennung von E-Sport, die Vereinen die Gemeinnützigkeit bescheinigen würde? Das wirft eine weitere Fragen auf: Wollen die Aktiven überhaupt Vereinsarbeit? Und wem würde sie nützen?

ESL One Köln 2015 (CS Go) – Bericht
ESL One Köln 2015 (CS Go) – Bericht (02:50)

Die Diskussion darüber, ob E-Sport nun eine Sportart ist, dreht sich derzeit im Kreis – zuletzt auf der Expertenanhörung(öffnet im neuen Fenster) des Berliner Sportausschusses vom 27. Mai, die auf Antrag der Fraktionen der Piraten und Bündnis 90/Die Grünen stattgefunden hat.

"Elektrosport" hat körperliche Effekte, aber ...

Von "Elektrosport" spricht Heiner Brandi vom Landessportbund Berlin, wenn er sich mit dem professionellen Videospielen, dem E-Sport, und einer möglichen Anerkennung als Sportart beschäftigt. Die Argumente ähneln stark denen des Deutschen Olympischen Sportbundes: Beim E-Sport gehe es "um ein Spiel, das auf die Beherrschung der Soft- und Hardware ausgerichtet ist." Dabei könnten laut Brandi sicherlich körperliche Effekte hervorgerufen werden. "Allerdings glauben wir nicht, dass das eine Sportausübung ist, und deshalb beabsichtigen wir auch nicht, den Elektrosport als Sportart anzuerkennen."

Für Gespräche sei der Landessportbund aber offen. Allerdings bedürfe es dazu aber eines Verbandes und gemeinnütziger E-Sport-Vereine, die einen Aufnahmeantrag stellen könnten. Diese gibt es aber in Deutschland nicht. "Soweit wir die Szene des Elektro-Sports beobachten und einschätzen können, finden da in der Regel kommerzielle Veranstaltungen statt, die nichts mit der Gemeinwohlorientierung und Gemeinnützigkeit zu tun haben", merkte Brandi noch an.

Das elendige Henne-Ei-Problem

Braucht es also zuerst die gemeinnützigen Vereine oder die Anerkennung von E-Sport, die Vereinen die Gemeinnützigkeit bescheinigen würde? Laut Jan Dominicus vom Team Mousesports hat die Profiszene bisher einfach gar keine Notwendigkeit für einen Verband gesehen und habe hier "eine Menge Nachholbedarf."

"Ich vermute, es fehlt die Motivation der Aktiven, sich einen Verband, ein allgemeingültiges Regelwerk und ein Ligen-System zu erschaffen", führt er aus. "Es ist nicht so, dass das abgelehnt wird und die Leute kein Interesse an den Verbänden hätten." Vorzüge eines Verbandes wie Spielflächen, Spielgeräte, Organisation etc. seien beim E-Sport aber oft schon gegeben.

Wozu Vereine?

Ganz anders sieht das Philip Brülke von der Berliner Gaming-Bar Meltdown. Er veranstaltet regelmäßig Amateurturniere und hat einen anderen Blick auf die Szene. Durch fehlende Verbände und Vereine gebe es "keine oder geringe Möglichkeiten für junge Spieler, für Leute, die gern in den Profibereich des E-Sports wollen, dort einzusteigen, außer sich aus eigener Kraft zu Hause hinzusetzen und alles andere beiseitezulassen." Spielern würden Trainingsräume fehlen, um geregelt mit einem festen Team an den eigenen Leistungen zu arbeiten. Amateurteams seien oftmals sehr "lose" und blieben selten über längere Zeiträume bestehen. Mit klaren Strukturen könnte dem entgegengewirkt werden.

Eine strukturierte Amateur- und Jugendarbeit im E-Sport würde auch Dominicus vom Team Mousesports befürworten. Allerdings sieht er weniger die großen Teams in der Verantwortung. Mousesports sei "natürlich ein profitorientiertes Unternehmen, und bis jetzt ist so eine Art von Jugendarbeit, was Räumlichkeiten und Trainer angeht, einfach nicht wirtschaftlich für uns."

Eines ist Dominicus aber wichtig: Die Profiteams würden bei einer Anerkennung des E-Sports keine Fördermittel oder geldwerte Mittel einstreichen wollen. Stattdessen sei es den Teams wichtig, "die Rahmenbedingungen so zu gestalten, dass wir professionell arbeiten können und unsere Spieler immer eine sichere Aufenthaltsgenehmigung für die Dauer eines Wettkampfs haben. Dazu kommen wahrscheinlich noch arbeitsrechtliche Fragen, die beim E-Sport noch anders gehandhabt werden als z. B. im Profifußball."

Potenzial bei Integrations- und Inklusionsarbeit

Potenzial bei einer möglichen Vereinsarbeit im E-Sport sieht Dennis Bucher, sportpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion, bei der Inklusions- und Integrationsarbeit im Sport. Besonders bei Ersterer könnte der E-Sport viel bewirken, weil "nicht so stark auf Körperliches" gesetzt werde.

Nach rund zwei Stunden Ausschusssitzung bleibt die Frage: Wer wagt den ersten Schritt, die E-Sport-Szene oder die Politik? Braucht es erst die gemeinnützigen Vereine oder die Anerkennung, die die Gemeinnützigkeit bescheinigen würde? Eine Diskussion, die sich bisher im Kreis dreht. "Diesen Widerspruch werden wir heute, glaube ich, nicht auflösen. Aber ich finde ihn tatsächlich ziemlich bezeichnend", kommentierte Katrin Möller von der Fraktion der Linken.

Die Aktiven der Meltdown-Bar jedenfalls denken über die Gründung eines E-Sport-Vereins nach. In Leipzig(öffnet im neuen Fenster) und Magdeburg(öffnet im neuen Fenster) wurden erst vor ein paar Wochen E-Sport-Vereine gegründet. Und auch der FC Schalke 04 mit seiner neuen E-Sport-Abteilung(öffnet im neuen Fenster) dürfte sich längerfristig für das Schaffen von Verbandsstrukturen und die Gemeinnützigkeit der Vereine einsetzen.

Was letztendlich die Berliner Landespolitiker von einer möglichen Anerkennung von E-Sport halten, wird die Diskussion um den Antrag zur Initiative des Landes Berlin zur Anerkennung von E-Sport auf Bundesebene(öffnet im neuen Fenster) am 09. Juni zeigen.


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