E-Sport: "Der Wechsel zum Profi ist radikal"

Zehn bis zwölf Stunden täglich am Rechner, ständig neue Regeln und bessere taktische Möglichkeiten durch Big Data: Eine Karriere als E-Sportler ist außergewöhnlich hart - Training auf wissenschaftlicher Basis könnte das ändern.

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Progamer bei einem Turnier
Progamer bei einem Turnier (Bild: ESL)

"Ich habe kürzlich mit Profifußballern gesprochen - die haben neben ihrem Training noch so viel Zeit, dass sie sich selbst als Progamer versuchen könnten", scherzt Alexander Müller, der Manager von SK Gaming, einem der größten und bekanntesten E-Sport-Teams, auf der Quo Vadis 16 in Berlin. Was er nicht so ausdrücklich sagt, aber wohl meint: Seine Athleten hätten keine Zeit, sich nebenher noch in einer zweiten Disziplin zu versuchen - sie müssen härter schuften als die Profikicker.

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Der Kampf um die 71 Millionen US-Dollar an Preisgeldern allein im Jahr 2015 sowie um lukrative Werbeverträge und andere Einnahmequellen lohnt sich für die erfolgreichen Teams und Athleten. Aber er ist inzwischen auch beinhart geworden: "Talent reicht nicht, Ausdauer und Disziplin sind mindestens genauso wichtig", so Müller. Seine Athleten verbringen an normalen Tagen mindestens zehn Stunden mit Training gegen unterschiedliche Arten von Gegnern - jeweils zwei bis drei Stunden am Stück - und mit taktischen Analysen.

Christoper Grieben von der international renommierten Deutschen Sporthochschule in Köln sieht das kritisch. "Ich würde grundsätzlich auf kürzere Trainingseinheiten setzen, und auch auf Bewegungssport dazwischen - Sitzen ist das neue Rauchen", so Grieben. Er beschäftigt sich seit rund zwei Jahren mit dem Training der virtuellen Athleten. Auf der Quo Vadis 16 sagt er, dass die Progamer in Bereichen wie "Wahrnehmung, Konzentration und Reaktion" durchaus von klassischen Sportlern lernen könnten.

  • Peter Lembcke, Christopher Grieben, Lukas Egger und Alexander Müller mit Moderator Christian Kresse auf der Quo Vadis 16 (Foto: Peter Steinlechner/Golem.de)
Peter Lembcke, Christopher Grieben, Lukas Egger und Alexander Müller mit Moderator Christian Kresse auf der Quo Vadis 16 (Foto: Peter Steinlechner/Golem.de)


Alexander Müller von SK Gaming sieht das grundsätzlich gar nicht anders. Er wünscht sich sogar, dass es für seine Spieler wissenschaftlich fundierte Trainingspläne gibt. Allerdings: Ganz einfach übertragbar sind die Erkenntnisse aus klassischen Bewegungsdisziplinen auf den E-Sport schlicht nicht so ohne weiteres.

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Darauf weist auch Lukas Egger von der Firma Dojo Madness aus Berlin hin. "Es gibt einen riesigen Unterschied zu normalem Sport: E-Athleten müssen viel mehr und schneller lernen, weil sich ständig die Regeln etwa durch Updates der Spiele ändern." Dojo Madness hat sich als Dienstleister darauf spezialisiert, die Matches zu analysieren und die Daten an Teams, aber auch an Wettbüros und andere Interessierte zu verkaufen.

Diese Art von Auswertungen ist in der Form noch relativ neu. Sie hat natürlich Vorteile - beim Kampf um die Millionen zählt jede kleine Verbesserung. Die Analysen bedeuten aber auch, dass die E-Sport-Mannschaften jetzt möglichst schnell lernen müssen, mit den Erkenntnissen aus Big Data umzugehen. Das kann dann rein zeitbedingt auch mal zulasten von Dauerläufen oder anderem Ausgleichtraining gehen.

Ausdauer und Kraft gehören dazu

Allerdings, so der Wissenschaftler Grieben, gebe es einige Teams, die Bewegungssport bereits fest und in großem Umfang in ihren Profialltag integriert haben. Immer mehr Mannschaften leisten sich auch einen Mentalcoach, der die meist jungen Spieler psychologisch und pädagogisch betreut - viele wechseln schließlich direkt vom vergleichsweise ruhigen Familienleben in die internationale Welt des Profisports. "Der Wechsel zum Profi ist radikal", bestätigt auch Müller.

Grieben würde es begrüßen, wenn dieser Wechsel künftig nicht so plötzlich geschieht. Er nennt als Anregung die amerikanischen Collegemannschaften, in denen sich die jungen Talente eine gewisse Zeit lang auf das Leben als echte Profis vorbereiten können. Er würde sich derartige Halbamateurligen auch für den E-Sport wünschen.

Bislang gibt es etwas Derartiges hierzulande nur in kleinen Ansätzen, etwa mit den von der ESL unterstützten Deutsche Games Schulmeisterschaften. Deren Gründer und Leiter Peter Lembcke sieht aber noch viel Verbesserungspotenzial. Vor allem, so wünscht er sich, müssten die Lehrer stärker in den E-Sport einbezogen werden - aber da gebe es momentan einfach noch sehr viel Ablehnung. Dabei gelte auch für Counter-Strike & Co: "Man kann auch vom E-Sport fürs Leben lernen".

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nachgefragt 21. Apr 2016

warum postest du hier den artikel zu amphetamin? wolltest du dich damit selber blo...

oerisch 21. Apr 2016

Aimbot nicht, aber für Bots allgemein http://csgo.99damage.de/de/coverages/11464-bot...

schattenreiter 20. Apr 2016

Warum? Es gibt auch welche die vierzehn Stunden am Tag mit Lego basteln. Bis es dann...

schattenreiter 20. Apr 2016

Ja, wahrscheinlich härter als das Training von Rocky. Aber Fotomodels haben es ja auch...



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