E-Scooter: Unu und der verbockte Akkutausch

Bei Unus Scooter Classic müssen die Akkus getauscht werden, was nicht reibungslos funktioniert. Eine Geschichte von Kommunikation, Logistik und Geduld.

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Ein Unu Scooter Classic
Ein Unu Scooter Classic (Bild: Tobias Költzsch/Golem.de)

Tom Suberg aus Bremen hat sich vor Jahren den ersten Elektro-Scooter von Unu gekauft - den Scooter Classic - und ist mittlerweile bei 10.000 gefahrenen Kilometern angekommen. Der E-Roller fuhr immer tadellos, Suberg erhielt im Juni 2020 allerdings eine beunruhigende E-Mail von Unu - von diesem Moment an hat sich seine Vorliebe für den Roller und den Hersteller in Ungeduld und Genervtheit gewandelt.

Inhalt:
  1. E-Scooter: Unu und der verbockte Akkutausch
  2. Akku lässt sich nicht einfach nachkaufen

Suberg erfuhr in der E-Mail, die Golem.de wie die restliche Kommunikation vorliegt und die zahlreiche Besitzer des Scooter Classic bekommen haben, dass es ein mögliches Problem mit dem Akku seines Rollers gebe. Aufgrund zu hoher Ladespikes bei der Rückgewinnung beim Bremsen kann es im Zusammenspiel mit kalten Temperaturen zu einer zu schnellen Alterung der Zellen kommen. Dadurch ist eine übermäßige Wärmeentwicklung und - in seltenen Fällen, laut Unu - sogar ein Brand nicht auszuschließen. Zudem soll die Reichweite sinken.

Niemand möchte einen möglicherweise brandgefährdeten Elektroroller fahren, geschweige denn in eine Garage stellen. Also bot Unu an, die Akkus der möglicherweise betroffenen Nutzer zu untersuchen und gegebenenfalls auszutauschen. In der Mail hieß es, dass der Roller bis dahin weiterhin problemlos gefahren werden könne.

Serviceanbieter war nicht zu erreichen

Innerhalb von zwei Wochen sollte Suberg wegen eines Servicetermins kontaktiert werden. Vor Ort sollte anhand der Seriennummern eine Prüfung erfolgen, ob seine Akkus betroffen sind. Die Abwicklung sollte das Unternehmen Live Cycle übernehmen, das sich in der Folge aber nie bei Suberg meldete. Auch andere Besitzer des Scooter Classic berichten, dass die Terminvereinbarung mehr als zäh ablief oder gar nicht erst möglich war.

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An einem Tag im Herbst 2020 tauchte dann ein Mitarbeiter des Servicedienstes bei Suberg auf und notierte sich die Seriennummern der Akkus - er erschien jedoch unangekündigt, nur dank eines Zufalls war Suberg überhaupt zu Hause. Zu diesem Zeitpunkt fuhren Suberg und zahlreiche andere Besitzer des Rollers bereits seit Monaten mit dem Wissen, möglicherweise defekte Akkus zu verwenden.

Unu bestätigte Golem.de auf Nachfrage, dass die Koordinierung mehrere Monate gedauert hat und bedauert, dass es "in Einzelfällen" zu Komplikationen in der Kommunikation gekommen ist. Offenbar haben die Betroffenen auch unterschiedliche E-Mails bekommen - einige schreiben in einem langen Forenbeitrag davon, dass ihnen gesagt wurde, sie könnten einen Werkstattpartner vor Ort anfahren. In ländlichen Umgebungen ist das allerdings nicht immer möglich, ohne den Roller mit einem Kastenwagen oder auf einem Anhänger hinzubringen.

Elektromobilität: Grundlagen und Praxis

Weitere Akkus mussten ausgetauscht werden

Suberg wusste bis zum Herbst 2020 noch nicht, ob seine Akkus ausgetauscht werden müssen oder nicht. Am 14. November teilte Unu ihm dann mit, dass weitere Akku-Chargen von dem Problem betroffen seien. Grund sei ein Produktionsfehler beim Lieferanten der Akkus, der zu einem internen Kurzschluss führen kann. Suberg wurde gebeten, seine Batterienummern an Unu zu übermitteln - dieselben Nummern, die ein Mitarbeiter des Servicedienstes kurz zuvor aufgenommen hatte.

Unu hatte zu diesem Zeitpunkt den Servicepartner gewechselt - "um mehr Expertise und Unterstützung zu erlangen und unseren Kund:innen eine reibungslosere Erfahrung anbieten zu können", wie das Unternehmen uns mitteilt. Die bisher notierten Daten wurden offenbar nicht übernommen.

Kurz vor Weihnachten 2020 wurde Suberg und anderen Betroffenen mitgeteilt, dass das Risiko, dass ihre Akkus durch Produktionsfehler beeinträchtigt sind, sehr gering sei - ausschließen ließ es sich aber noch nicht. Die Roller könnten weiterhin gefahren werden, allerdings sollten die Akkus nicht unbeaufsichtigt geladen werden. Außerdem sollte der Roller im Freien geparkt werden an einem Ort, wo er "im unwahrscheinlichen Fall einer Hitzeentwicklung" keine Gefahr darstelle.

Lange Kommunikationspausen ohne Informationen

Danach war zunächst Funkstille - bis zum Juli 2021, ein Jahr nach der ersten E-Mail von Unu zu der Problematik. Dann erfuhr Tom Suberg in einer weiteren E-Mail, dass seine Akkus doch ausgetauscht werden müssen. Unu zufolge konnten anhaltende Untersuchungen ein Restrisiko nicht ausschließen, dass es doch zu einem Brand kommen könne. Aus Sicherheitsgründen würden daher weitere Akkuchargen durch komplett neu entwickelte ersetzt. Suberg ist fortan aus Sicherheitsgründen nicht mehr mit seinem Scooter Classic gefahren.

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Akku lässt sich nicht einfach nachkaufen 
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drseltsam84 15. Nov 2021 / Themenstart

Das selbe dachte ich mir auch beim Lesen, also Pluspunkte für die verschiedenen Versuche...

gunterkoenigsmann 14. Nov 2021 / Themenstart

Naja... ...Akkus enthalten auch so ziemlich alles, was schiefgehen kann: Lithium, das...

x2k 12. Nov 2021 / Themenstart

Bei einem roller ist die akku masse aber viel kleiner. Im vergleich zum auto muss man ja...

x2k 12. Nov 2021 / Themenstart

Haben die Unus auch so nervig peinliche Blinker töne wie bei den rollern von Niu? Ja ich...

Ollinase 11. Nov 2021 / Themenstart

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