E-Fuels statt Elektroauto: FDP gegen Verbrenner-Aus ab 2035

In der Bundesregierung droht Streit wegen des Ausstiegs aus dem Verbrennerantrieb. Die Minister Lindner und Wissing setzen auf E-Fuels.

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Verkehrsminister Wissing (r.) und Finanzminiter Lindner stellen sich gegen ein Verbrenner-Aus ab 2035.
Verkehrsminister Wissing (r.) und Finanzminiter Lindner stellen sich gegen ein Verbrenner-Aus ab 2035. (Bild: Michelle Tantussi/Reuters)

Bundesverkehrsminister Volker Wissing lehnt ein Verkaufsverbot von Neuwagen mit Verbrennungsmotor nach dem Jahr 2035 ab. In einem Statement sagte der FDP-Politiker am 9. Juni 2022 in Berlin, dass die Transformation zum klimaneutralen Verkehr "technologieoffen" gestaltet werden würde. "Dazu gehört, dass wir über 2035 hinaus Verbrennungsmotoren zulassen, wenn diese ausschließlich mit synthetischen Kraftstoffen klimaneutral betrieben werden", sagte Wissing zur Begründung und fügte hinzu: "Das haben wir im Koalitionsvertrag ausdrücklich vereinbart, und daran orientieren wir uns."

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Hintergrund der Stellungsnahme ist ein Beschluss des Europaparlaments vom 8. Juni 2022, wonach der Verkauf von Neuwagen mit Verbrennungsmotor vom Jahr 2035 an innerhalb der EU verboten werden soll.

Ähnlich wie Wissing äußerte sich Bundesfinanzminister Christian Lindner. Der Beschluss widerspreche dem Geist des Koalitionsvertrags von SPD, Grünen und FDP, sagte der FDP-Chef der Nachrichtenagentur dpa und erläuterte: "Wir wollten ausdrücklich eine Zukunftsoption für klimafreundliche Flüssigkraftstoffe in neuen Verbrennungsmotoren."

Im Koalitionsvertrag vom November 2021 (PDF) heißt es zu dem Thema: "Gemäß den Vorschlägen der Europäischen Kommission werden im Verkehrsbereich in Europa 2035 nur noch CO2-neutrale Fahrzeuge zugelassen - entsprechend früher wirkt sich dies in Deutschland aus. Außerhalb des bestehenden Systems der Flottengrenzwerte setzen wir uns dafür ein, dass nachweisbar nur mit E-Fuels betankbare Fahrzeuge neu zugelassen werden können." Fahrzeuge außerhalb der Flottengrenzwerte können beispielsweise Sonderfahrzeuge wie Krankenwagen oder Feuerwehrautos sein.

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Auf Nachfrage sagte Wissing weiter: " Entscheidend ist, dass wir technologieoffen bleiben, weil es ein schwieriger Transformationsprozess ist und es um sehr viel geht. Es geht um die Freiheit der Bürgerinnen und Bürger, um Mobilität im Alltag, um Teilhabe, die Organisation des Wegs zum Arzt im ländlichen Raum, der Besuch von Familienangehörigen." Es sollten daher keine Technologien verboten werden, "die beispielsweise mit synthetischen Kraftstoffen im Verbrennungsmotor einen Beitrag leisten können, Mobilität und Klimaschutz miteinander in Einklang zu bringen."

Wissing ließ offen, inwieweit mit Elektroautos die Fahrt zum Landarzt nicht möglich sein soll. Zumal erwartet wird, dass sich die Preise von neuen Elektro- und Verbrennerautos schon in wenigen Jahren angleichen dürften. Unklar ist zudem, wie künftig sichergestellt werden soll, dass sich neue Verbrenner nur mit E-Fuels und nicht mit traditionellen Kraftstoffen betreiben lassen.

Mit ihrer klaren Aussage stellt sich die FDP gegen die Koalitionspartner SPD und Grüne. So hat Bundesumweltministerin Steffi Lemke (Grüne) den Vorschlag der EU-Kommission in Brüssel schon unterstützt. Lemke sagte im März 2022: "Deutschland unterstützt ein Ende des Verbrennungsmotors für Pkw und leichte Nutzfahrzeuge in der EU ab 2035. Mit E-Fuels betriebene Verbrennungsmotoren sind nach 2035 nur außerhalb der CO2-Flottengrenzwerte eine Option."

Die Autoindustrie hält den Einsatz von E-Fuels für unverzichtbar, um die Klimaschutzziele zu erreichen. Das gilt allerdings vor allem für die Bestandsfahrzeuge, die über keinen Elektro- oder Wasserstoffantrieb verfügen. Dem Verband der Automobilindustrie (VDA) zufolge werden in Deutschland im Jahr 2030 noch 30 Millionen Pkw mit Benzin- und Dieselmotoren unterwegs sein.

Allerdings ist die Herstellung von klimaneutralem synthetischem Treibstoff sehr energieintensiv und teuer. Zudem gibt es in der Praxis nur wenige Anlagen, die E-Fuels herstellen können.

Nachtrag vom 10. Juni 2022, 13:03 Uhr

Das Verkehrsministerium wollte sich auf Anfrage von Golem.de nicht zu der Frage äußern, wie der Nachweis erbracht werden soll, dass neue Verbrenner nach 2035 nur noch mit E-Fuels betrieben werden können. Das Ministerium wolle "den laufenden regierungsinternen Abstimmungen nicht vorgreifen", teilte ein Sprecher mit.

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pool 13. Jun 2022 / Themenstart

Du glaubst doch bei diesem Duktus nicht im Ernst, dass der Thread-Ersteller nicht jetzt...

fg (Golem.de) 10. Jun 2022 / Themenstart

Hallo! Abgesehen davon, dass Fahrzeuge mit E-Fuels natürlich CO2 ausstoßen, ist die...

mj 10. Jun 2022 / Themenstart

2h ist nicht 2 uhr aber ja da stehen regelmässig 1bis 2 fahrzeuge und langweillen sich...

xxsblack 10. Jun 2022 / Themenstart

Vor paar Jahren gab es eine Zeit, da sind Busse im Auftrag von VW Zwickau gefahren und...

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