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E.discom und Wemacom: Telekom versucht faire Partnerschaften

Alle feiern plötzlich die Telekom: Sie kauft im Norden Bitstrom-Vorleistungen bei kleineren Netzbetreibern ein. Wendepunkt oder Ausnahme, fragt sich die Branche.
/ Achim Sawall
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V.l.n.r.: Thilo Höllen, Telekom; Christian Pegel, Minister Mecklenburg-Vorpommern; Gerhard Roth und Detlef Katzschmann, beide Geschäftsführer E.discom; Thomas Murche, technischer Vorstand der WEMAG-Gruppe; Marco Anschütz, CIO; Rodrigo Diehl, Telekom (Bild: Deutsche Telekom)
V.l.n.r.: Thilo Höllen, Telekom; Christian Pegel, Minister Mecklenburg-Vorpommern; Gerhard Roth und Detlef Katzschmann, beide Geschäftsführer E.discom; Thomas Murche, technischer Vorstand der WEMAG-Gruppe; Marco Anschütz, CIO; Rodrigo Diehl, Telekom Bild: Deutsche Telekom

Die regionalen Netzbetreiber E.discom und Wemacom haben am 27. Mai 2026 Open-Access-Partnerschaften mit der Deutschen Telekom bekanntgegeben(öffnet im neuen Fenster). Dies ermöglicht der Telekom, mittelfristig eigene Glasfasertarife für rund 220.000 von den beiden Unternehmen erschlossene Haushalte in rund 400 Kommunen in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern anzubieten.

In den vorwiegend ländlich geprägten Gebieten betreiben E.discom und Wemacom ihre Glasfasernetze. Diese wurden meist staatlich gefördert ausgebaut. Der Zugang ist hier damit verpflichtend.

Die Kooperation der Telekom mit den beiden Betreibern wurde auf der Digitalmesse Nørd in Rostock bekanntgegeben. "Die heutige Kooperationsvereinbarung ist daher ein wichtiges Signal für den gemeinsamen Weg beim Ausbau leistungsfähiger Glasfasernetze und für die digitale Zukunft unseres Landes", sagte Christian Pegel (SPD), Innen- und Bauminister in Mecklenburg-Vorpommern.

Laut Sven Knapp, Mitglied der Geschäftsleitung beim Bundesverband Breitbandkommunikation, sei dies ein "gutes Signal für die Menschen in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern. Und sie könnten eine Chance für den Glasfaserausbau in ganz Deutschland bieten. Wenn die Telekom als größter Internetanbieter die Glasfasernetze ihrer Wettbewerber nutzt, profitieren alle Beteiligten: Kundinnen und Kunden erhalten mehr Anbieter- und Tarifauswahl".

Volkswirtschaftlich sinnvoll: Bitstrom-Vorleistungen kaufen

Die ausbauenden Unternehmen könnten ihre Netze damit besser auslasten. Und die Telekom erreiche zusätzliche Glasfaserhaushalte, ohne selbst parallel bauen zu müssen. Bitstrom-Vorleistungen, wie sie die Telekom hier einkauft, seien die passende technische Grundlage für eine faire Zusammenarbeit. "Denn anders als das bisher von der Telekom bevorzugte Fasermietmodell ermöglicht Bitstrom eine ausgewogenere Verteilung von Wertschöpfung und Investitionsrisiko zwischen Netzbetreiber und Diensteanbieter", erklärte Knapp weiter. Deutschlandweit kooperiert die Telekom im Glasfaserausbau nach eigenen Angaben mit mehr als 50 Unternehmen. Wenn die Telekom selbst auf Netze von Mitbewerbern will, verweigert sie in der Praxis bisher häufig den Einkauf von reinen Bitstrom-Vorleistungen. Sie kauft hauptsächlich passiv ein und verkauft nur aktiv.

Brancheninsider kritisieren, dass viele der von der Telekom verkündeten Partnerschaften bisher fast reine Absichtserklärungen bleiben. Die tatsächliche technische Umsetzung und Vermarktung auf Fremdnetzen finde kaum statt, weil die Telekom die Bitstrom-Schnittstellen der Wettbewerber nicht nutzen will. Laut dem Kooperationschef der Telekom(öffnet im neuen Fenster), Thilo Höllen, hat der Konzern nun jedoch insgesamt 25 Bitstrom-Verträge.

Knapp betont: Der Weg des Kaufes von Bitstrom-Vorleistungen müsse von der Telekom konsequent weitergegangen werden. Statt "volkswirtschaftlich unsinnigen Doppelausbau zu betreiben", sollte die Telekom ihre Tarife bundesweit über die aktiven Glasfasernetze ihrer Konkurrenten vermarkten. "Die Wettbewerber stehen dafür bereit", sagte er.

Auch VATM-Geschäftsführer Frederic Ufer begrüßte die Vereinbarung: "Die jüngste Marktstudie hat leider erneut deutlich gemacht, dass das marktmächtige Unternehmen nach wie vor Open Access verweigert – teils mit fadenscheinigen Begründungen."


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