E-Bike-Hersteller Cowboy: Restrukturierung bedeutet Totalverlust für 8.000 Crowdfunder

Die Restrukturierung des belgischen E-Bike-Herstellers Cowboy verzögert sich weiter. Nach Informationen der belgischen Wirtschaftszeitung De Tijd(öffnet im neuen Fenster) ist die Übernahme durch den französischen Fahrradkonzern Rebirth noch nicht abgeschlossen. Für rund 8.000 Kleinanleger, die über die britische Crowdfunding-Plattform Crowdcube investiert hatten, bedeutet dies praktisch einen Totalverlust.
Der vorliegende Restrukturierungsplan sieht dem Bericht zufolge eine weitgehende Enteignung der bisherigen Anteilseigner vor. Alle bestehenden Anteile sollen in stimmrechtslose Aktien mit minimalem Wert umgewandelt werden. Am Ende würden die bisherigen Aktionäre zusammen noch 4,99 Prozent der Anteile halten. Die Crowdfunder machen davon nur einen Bruchteil aus.
Rebirth-Chef Grégory Trebaol hatte im September 2025 versprochen, die Restrukturierung bis Mitte Oktober abzuschließen. Nun zeigt sich: Der Plan sieht eine Unternehmensbewertung von null Euro vor. Damit gingen nicht nur die 7.796 Crowdfunding-Investoren leer aus, sondern auch Kapitalgeber wie der Silicon-Valley-Investor Index Ventures und Exor, die Investmentholding der Fiat-Gründerfamilie Agnelli. Insgesamt flossen seit 2017 mehr als 134 Millionen Euro in das Unternehmen.
Nettoverlust von etwa 21 Millionen Euro
Die wirtschaftliche Lage Cowboys verschärfte sich laut Bericht in den vergangenen Monaten. Das Unternehmen kämpfte mit Lieferproblemen, Qualitätsmängeln und steigenden Schulden . Im Jahr 2024 stand bei einem Umsatz von 21,7 Millionen Euro ein Nettoverlust von etwa 21 Millionen Euro zu Buche. Die Verbindlichkeiten wuchsen auf 57 Millionen Euro an.
Rebirth plant Marktkonsolidierung
Der französische Käufer übernahm bereits mehrere traditionelle Fahrradmarken wie Gitane, Cycles Peugeot und Solex. Seit Jahresbeginn montiert Rebirth bereits Räder für Cowboy. Nach Abschluss der Restrukturierung soll die Marke vollständig integriert werden.
Rebirth plant in seinem Heimatland, die Cowboy-Produkte über ein Netzwerk von mehr als 600 Fachhändlern zu vertreiben. Die Technologie des E-Bike-Herstellers soll konzernweit zum Einsatz kommen. Der Standort in Brüssel mit seinen technischen Teams soll nach bisherigen Aussagen erhalten bleiben. Die Bewertung nach Abschluss der Sanierung wird derzeit auf rund 15 Millionen Euro geschätzt.
Die Crowdfunder wurden aufgefordert, innerhalb einer Woche über den Restrukturierungsplan abzustimmen. Crowdcube teilte mit, dass eine Ablehnung zur Insolvenz führen könnte. Den bestehenden Investoren wurde für Anfang 2026 die Möglichkeit eingeräumt, sich an einer neuen Finanzierungsrunde zu beteiligen.
Die Marke Cowboy könnte als Teil eines größeren Industrieverbunds möglicherweise fortbestehen. Für viele der frühen Unterstützer, die an den Erfolg des Unternehmens glaubten, bedeutet dies jedoch das Ende ihrer finanziellen Beteiligung.



