Zum Hauptinhalt Zur Navigation

E-Autos in den USA: Stellantis zieht den Stecker

Der Autokonzern Stellantis streicht seine Pläne für E-Autos in den USA und setzt wieder auf Verbrenner. Die Aktie stürzt ab, Arbeitsplätze in Europa werden gestrichen.
/ Michael Linden
210 Kommentare News folgen (öffnet im neuen Fenster)
Stellantis führt einen Reset durch. (Bild: Jeff Kowalsky/AFP via Getty Images)
Stellantis führt einen Reset durch. Bild: Jeff Kowalsky/AFP via Getty Images

Stellantis ändert seinen Kurs radikal und sieht seine E-Auto-Strategie als gescheitert an. Stellantis-Konzernchef Antonio Filosa rechnet für 2026 mit einem Verlust zwischen 19 und 21 Milliarden Euro(öffnet im neuen Fenster) bei einem Umsatz von rund 80 Milliarden Euro, wie das Handelsblatt berichtet(öffnet im neuen Fenster) . Die Aktie hat nach Bekanntgabe der Zahlen fast ein Viertel ihres Wertes eingebüßt. Eine Dividende wird es für die Aktionäre in diesem Jahr nicht geben.

Der Schritt steht im Zusammenhang mit den stockenden Verkäufen von Elektrofahrzeugen in Europa und in den USA. In Europa erwägt die EU-Kommission bereits, das geplante Verbrenner-Aus für 2035 aufzuweichen. In den USA hat die Trump-Regierung die Förderung für Elektroautos weitgehend gestrichen.

Die Ladeinfrastruktur gilt auf beiden Kontinenten als unzureichend. Lediglich in China schreitet die Umstellung schneller voran, getrieben durch staatliche Wirtschaftspolitik. Stellantis ist auf dem chinesischen Markt jedoch kaum präsent, anders als deutsche Konkurrenten.

Kritik am früheren Management

Filosa, seit Sommer 2025 an der Konzernspitze, übte Kritik an seinem Vorgänger Carlos Tavares. Demnach spiegeln die Belastungen die Kosten einer Überbewertung der Geschwindigkeit bei der Energiewende wider. Dies habe den Konzern von den Wünschen vieler Autokäufer entfernt.

Stellantis nannte auch Qualitätsprobleme. Allein 4,1 Milliarden Euro entfielen auf Rückstellungen für Garantieleistungen. Neben Kosten-Inflation gehe es um eine Verschlechterung der Qualität durch operative Entscheidungen, die nicht die erwarteten Ergebnisse geliefert hätten.

Der geplante Stellenabbau in Europa kostet 1,3 Milliarden Euro. Weitere 2,1 Milliarden Euro werden für die Anpassung der Akku-Pläne fällig, unter anderem für Entschädigungszahlungen an Partner. Den Löwenanteil von 14,7 Milliarden Euro macht die Anpassung der Elektroauto-Strategie in den USA aus.

Davon fließen 5,8 Milliarden Euro in bar vor allem an Zulieferer, die in Vorleistung gingen. Der Politikwechsel unter der Trump-Regierung zwingt den Konzern zu diesem strategischen Wechsel. Während unter Joe Biden noch Quoten die Autobauer zu E-Autos drängen sollten, steht bei Trump der Klimawandel nicht mehr im Fokus.

Filosa kann künftig erwarten, mehr Verbrenner zu verkaufen, die weiterhin höhere Margen versprechen als E-Autos. Die Verbrennertechnik gilt als weitgehend ausentwickelt, während E-Autos hohe Investitionen erfordern und oft nahe an den Herstellungskosten verkauft werden.

Investitionen in den USA

Die US-Zölle bringen Stellantis dazu, mehr in den USA zu investieren, um dort produzieren zu können. Während in Europa Jobs wegfallen, sollen in den USA mehr als 5.000 neue Stellen entstehen. 2.000 neue Ingenieure seien bereits an Bord, um Qualitätsmängel auszugleichen.

In den kommenden vier Jahren will Stellantis 13 Milliarden Dollar in den USA investieren – die größte Investition in der kurzen Geschichte des Unternehmens. In Kanada gibt es dagegen ein Gemeinschaftsunternehmen mit LG für ein Akkuwerk auf(öffnet im neuen Fenster) .

Der Strategieschwenk zeigt sich an den künftigen Modellen. In den USA wurde der rein elektrische Pick-up RAM 1500 gestrichen. Das Modell erhält wieder einen V8-Motor. Zurück kommt auch der Jeep Cherokee, der Jeep Compass wird in einer neuen Generation aufgelegt.


Relevante Themen