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Abarth 500e: Ein E-Auto, das wie ein Verbrenner klingt. Brumm

Einige Menschen tun sich schwer mit der Elektromobilität . Abarth baut ihnen eine Brücke – für eine schrittweise Entwöhnung vom Verbrenner.
/ Franz W. Rother (Edison)
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Abarth 500e: elektrischer Giftzwerg (Bild: Dino Eisele)
Abarth 500e: elektrischer Giftzwerg Bild: Dino Eisele

Angeblich finden sich in Deutschland nirgends so viele Einkommensmillionäre wie im Landkreis Starnberg. Auf 10.000 Einwohner kamen schon vor vier Jahren 19,1 Spitzenverdiener – seitdem dürften es, wenn man die Zahl der mondänen Neubauten allein am Ufer des Starnberger Sees zum Maßstab nimmt, eher mehr als weniger geworden sein. Auch die Cabrio-Dichte ist beeindruckend hoch, wie sich bei unserer Ausfahrt durch das sogenannte Fünfseenland in Oberbayern zeigt.

So gesehen passt der Abarth 500e , den wir uns in Pöcking an der Villa Knorr geschnappt haben, hier perfekt hin. Als Cabrio, in der Topausstattung Turismo, in der auffälligen Sonderlackierung Acid Green – ein Gesamtpaket mit einem Preis von immerhin 46.990 Euro. Zum gleichen Preis gäbe es alternativ auch ein Tesla Model 3 .

Aber so ein Elektroauto steht ja inzwischen (fast) an jeder Straßenecke und ist nun wirklich kein Hingucker mehr. Der kleine giftgrüne Abarth hingegen wird mit Sicherheit auch in der Porsche- und Ferrari-Hochburg Starnberg auffallen. Weil er elektrisch fährt – und trotzdem wie ein Verbrenner röhrt. Im Stand zwar wie ein untertouriger Schiffsdiesel, aber bei höheren Drehzahlen wie ein ausgewachsener Vierzylinder mit Akropovič-Sportauspuff.

Der Motorsound lässt sich auch ausschalten

Und das kriegen nicht nur die Insassen des elektrischen Giftzwergs mit, sondern auch die Menschen außerhalb des Fahrzeugs: Zwei 200 Millimeter große Tieftöner an der Hinterachse senden die synthetischen Motorengeräusche lautstark in die Umgebung. Nicht etwa zur Warnung an sehbehinderte Fußgänger vor dem herannahenden Elektro-Geschoss, sondern ganz einfach als Ausdruck der Lebensfreude – des Fahrers. Wer hat gesagt, dass im Zeitalter der Elektromobilität keine Emotionen mehr erlaubt sind?

Abarth 500e – Herstellervideo
Abarth 500e – Herstellervideo (01:26)

Bevor nun die Welle der Empörung über den kleinen Sport-Stromer aus Italien hereinbricht – der Motorsound lässt sich auch ausschalten. Man muss dazu nur kurz an den Straßenrand fahren, ins Untermenü des Bordcomputers gehen und dort unter Elektrische Eigenschaften den Haken hinter Außensound wegnehmen. Schon ist Ruhe in der guten Stube und der Abarth rollt wie ein ganz normales Elektroauto ohne Krawall durch die Landschaft.

Aber die Abarth-Community, die Scorpionship(öffnet im neuen Fenster) , hängt noch an ihren hochgezüchteten Turbo-Vierzylindern und Monza-Sportauspuffanlagen – von der Antriebswende und dem Genuss des beinahe lautlosen Fahrens wollen die meisten der Verbrenner-Junkies angeblich noch nichts wissen. Also baut ihnen der Stellantis-Konzern nun so etwas wie eine akustische Brücke. Für eine schrittweise Entwöhnung von der Thermodynamik.

Ansonsten müssen sie auf nichts verzichten.

Kein Auto für die Langstrecke

Im Gegenteil: Der Abarth 500e beschleunigt in 2,9 Sekunden auf Tempo 50 – der Fahrer eines Abarth 695(öffnet im neuen Fenster) hat da gerade erst den Gang eingelegt. Schon nach sieben Sekunden ist die 100 km/h-Marke erreicht. Auch da hat der Stromer (noch) die Nase vorn.

Nur nach oben raus wird es eng. Schließlich wird der Vorwärtsdrang des Abarth 500e schon bei 155 km/h abgeregelt, während beim Schwestermodell mit Verbrennermotor erst bei 225 km/h Schluss ist.

Aber solche Vergleiche sind ohnehin längst aus der Zeit gefallen – bei galoppierenden Energiepreisen und steigenden CO 2 -Konzentrationen in der Atmosphäre. Geschwindigkeiten jenseits von 120 km/h lassen hier wie da zudem rasant die Reichweiten schrumpfen.

Beim Abarth Cabrio, das seine Antriebskraft aus einem Akku mit einer Speicherkapazität von 42,2 kWh schöpft (von der nur 37,8 kWh dem Vortrieb dienen), reicht die gespeicherte Energie selbst im Idealfall und im Stadtverkehr für maximal 328 Kilometer, im Drittelmix sogar nur für 242 Kilometer.

Bei allzu forscher Fahrweise (wir kamen bei der Testfahrt über Landstraßen auf einen Durchschnittsverbrauch von 17,2 kWh/100 km) dürfte schon nach 150 Kilometern eine Ladesäule aufgesucht und für wenigstens eine gute halbe Stunde eine Verschnaufpause eingelegt werden müssen. Denn selbst an Schnellladesäulen fließt der Gleichstrom nur mit maximal 85 kW. Das zieht sich.

Gebaut für die Rundstrecke

Für Einsätze auf der Langstrecke ist der Abarth also nicht gebaut. Sein Einsatzgebiet sind eher Rundstrecken um den Wohnort oder den nächstgelegenen See. Und da ist der kleine Elektrowusel so richtig in seinem Element – und macht seinem Fahrer jede Menge Spaß mit seinem niedrigen Schwerpunkt, einer nahezu perfekten Gewichtsverteilung und einer erfreulich direkten wie reaktionsschnellen Lenkung. So schnell um die Kurven flitzt kaum ein Verbrenner.

Aber auch Ästheten kommen auf ihre Kosten. Insbesondere dann, wenn das elektrische Stoffdach langsam und in zwei Schritten zurückfährt und die Sonne auf die feinen Alcantara-Bezüge scheint. Die Designer aus Turin haben das Auto mit viel Liebe zum Detail gestaltet.

113 statt 70 kW wie im Fiat 500e

Vieles hat der Abarth natürlich mit dem Cinquecento von Fiat (g+) gemein. Der stärkere Motor (113,7 kW oder 155 PS statt 70 kW/90 PS), die Tieferlegung und die sportlichen Ein- und Anbauteile wie die Sportsitze mit integrierten Kopfstützen sowie die (aufpreispflichtigen) 18 Zoll großen Räder lassen den Abarth aber ganz anders daherkommen als den normalen 500e.

Dazu kommt der "böse Blick" (der abgedunkelte obere Teil des LED-Tagfahrlichts) – ja, der neue Abarth 500e ist mehr Abarth als jemals zuvor. Insbesondere, wenn man unterwegs vom zahmen Fahrmodus Turismo in Scorpion Track wechselt, zeigt er den fossilen Verbrennern, dass ihre Zeit zu Ende geht.

Wenn die künstliche Beschallung hilft, die Antriebswende zu beschleunigen, können wir uns damit sicher für eine Weile arrangieren. Dass aber die Kraft in der Ruhe liegt, werden die Verbrenner-Junkies merken, wenn sie erstmal ein paar Runden mit dem elektrischen Abarth um den See gesaust sind. Das nötige Kleingeld dafür werden sie in Starnberg sicher schnell aufbringen.

Hinweis: Dieser Artikel ist am 18. Juli 2023 zuerst bei unserem Kooperationspartner Edison.media erschienen(öffnet im neuen Fenster) .


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