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Dystopie: Mit der Wayforward Machine das Internet von 2046 erkunden

Zum 25. Jubiläum der Wayback Machine hat das Internet Archive die Dystopie einer möglichen Internetzukunft kreiert.
/ Boris Mayer
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Wayforward Machine: Warten auf die Drohne für den Dokumenten-Pickup (Bild: Screenshot)
Wayforward Machine: Warten auf die Drohne für den Dokumenten-Pickup Bild: Screenshot

Zum 25. Jubiläum der Wayback Machine(öffnet im neuen Fenster) hat deren Betreiber archive.org(öffnet im neuen Fenster) eine Wayforward Machine online gestellt. Die Maschine mit dem Blick in ein mögliches Internet der Zukunft befürchtet ein dystopisches Internet, in dem Informationen – wenn überhaupt – nur im Austausch gegen Nutzerdaten erhältlich sind.

Bei Aufruf einer Internet-Adresse zeigt die Wayforward Machine im Hintergrund ein unscharfes Bild der angesteuerten Webseite aus der Gegenwart, verborgen hinter unterschiedlichen Popups und Warnhinweisen. Aber die Macher haben nicht nur ein Set an möglichen Restriktionen bereitgestellt – neben verschiedenen Informationsabfragen gibt es auch komplette Sperrungen.

Abfrage persönlicher Daten für Informationen

Informationsabfragen bestehen entweder aus simulierten Dokumentenanforderungen, die vom Hochladen eines Führerscheins über das Scannen der Geburtsurkunde bis hin zum Abholen von Wählerinformationen per Drohne reichen. Die Wayforward Machine ist auf amerikanische Verhältnisse ausgerichtet und kennt so zum Beispiel keinen elektronischen Personalausweis. Der Drone-Pickup führt allerdings ins Leere, auf eine Drohne warten Nutzer vergeblich.

Eine andere Variante fragt persönliche Daten ab, die eingegeben werden müssen, um die Webseite anzusehen: Name, Vorname Geburtstag, Plz, Stadt, Alter, Geschlecht, Mailaddresse, Festnetznummer, Mobilnummer, Körpergröße, Gewicht, Fax-Nummer, Beruf und Religion werden abgefragt – und diese Abfrage wird unendlich fortgesetzt. Aus 1/8 abgefragten Informationen werden schnell 17/136, der Fragenkatalog ist allerdings beschränkt und so werden einzelne Daten einfach mehrfach abgefragt, wenn ein Nutzer hartnäckig genug ist. Eine dritte Variante fragt gleich nach biometrischer Verifizierung.

Sperr-Popups gibt es auch

Andere Popups weisen darauf hin, dass "hinter der Firewall" leider kein Zugriff gestattet ist oder dass diese Inhalte im "politischen Block" des Nutzers nicht verfügbar sind. Manchmal wird aufgefordert, den Browser "Twisted Eye" zu installieren, andere wären nicht mehr kompatibel. Es kann auch sein, dass das "Ministry of Truth" (Wahrheitsministerium) die angefragte Seite temporär gesperrt hat, zum eigenen Wohl des Nutzers oder der Nutzerin. "Diese Website enthält Informationen, die derzeit in Ihrer Region als Gedankenverbrechen eingestuft sind" , warnt das Ministerium. Ein roter Banner weist aber daraufhin, dass die Seite nur temporär geschlossen ist, bis die Gerichtsverfahren abgeschlossen sind.

Paywalls sind dieser Dystopie zufolge allerdings auch in 25 Jahren nicht ausgestorben: Ein Popup verspricht nach Zahlung von nur 29 Dollar Zugriff auf die angeforderte Seite.

Archive.org will mit der Aktion darauf hinweisen, dass ein freies Internet nicht selbstverständlich ist. "Die Zukunft hängt von uns ab" , heißt es auf der Seite für mehr Informationen(öffnet im neuen Fenster) zur WayForward Machine. Und weiter betonen die Macher von archive.org: "Der Zugang zu guten Informationen ist nicht selbstverständlich. Wenn Sie es schätzen, müssen Sie es schützen."


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