Dynamischer Touchscreen: Bildschirmtastatur mit fühlbaren Tasten

Beim Schreiben auf einem Touchscreen fehlt noch immer das Tippgefühl einer herkömmlichen Tastatur. Die Folge können Tippfehler sein, weil der Anwender leicht mal den falschen Buchstaben trifft. Zudem verringert sich im Vergleich zu echten Tastaturen die Tippgeschwindigkeit. Gegen diese beiden Nachteile will das US-Unternehmen Tactus vorgehen, das 2008 gegründet wurde, um die Texteingabe auf Touchscreens komfortabler zu gestalten. Golem.de hat einen erweiterten Prototyp des dynamischen Touchscreens angesehen.

Erstmals gezeigt wurde die Technik Tactile Layer in einer frühen Version auf der Konferenz SID Display Week 2012 in Boston im Juni 2012. Einen erweiterten Prototyp des dynamischen Touchscreens hat uns der Chef und Gründer von Tactus, Craig Ciesla, am Rande des Mobile World Congress 2013 in Barcelona gezeigt.












Dazu wurde die Tactile-Layer-Komponente in ein herkömmliches Android-Tablet mit 7-Zoll-Touchscreen integriert, ohne dass sich die Maße des Tablets veränderten. Denn es wurde eine ohnehin im Display enthaltene Schicht durch die Technik ersetzt.
Der Ansatz von Tactus sieht vor, dass sich im Displaybereich Erhebungen oberhalb der Bildschirmtasten befinden. Dadurch werden die Tastendrücke mit dem Finger fühlbar und Nutzer sollen sich weniger häufig vertippen, als es bei herkömmlichen Bildschirmtastaturen der Fall ist. Zudem soll die Schreibgeschwindigkeit mit dieser Technik im Vergleich zu gewöhnlichen Bildschirmtastaturen erhöht werden.
Produktentwickung soll bis Ende des Jahres abgeschlossen werden
Prinzipiell kann die Technik auch für einen Spielecontroller verwendet werden, damit der ebenfalls fühlbar wird. Vorerst will sich Tactus darauf konzentrieren, die Technik für eine dynamische Bildschirmtastatur fertigzustellen. Der gezeigte Prototyp liefert derzeit nur eine Tastatur im Hochformat, langfristig soll die Lösung aber sowohl für Hochformat- als auch für Querformattastaturen angeboten werden.












Der auf dem Mobile World Congress 2013 gezeigte Prototyp beherrscht noch keine Möglichkeit, die Tastenerhebungen durch den Tactile Layer abzuschalten. Sobald die Bildschirmtastatur ausgeblendet ist, bleiben noch unschöne Erhebungen auf dem Touchscreen zurück, die deutlich sichtbar sind und bei Anwendungen stören, die den ganzen Bildschirm zur Bedienung benötigen.
Angenehmes Tippgefühl
Beim kurzen Ausprobieren konnte das Tippgefühl auf dem dynamischen Touchscreen überzeugen. Es gibt spürbare Tasten und die einzelnen Buchstabentasten können mit den Fingern gut erfühlt werden. Im Vergleich zu einer normalen Bildschirmtastatur wird die Tippgeschwindigkeit erhöht und in Grenzen ist sogar ein Blindschreiben machbar. In dem derzeitigen Entwicklungsstadium ergibt sich das Problem, dass es keine plane Touchscreen-Oberfläche mehr gibt.

Der Hersteller verspricht, die Technik so weiterzuentwickeln, dass der Nutzer die Tastenerhebungen nur dann erhält, wenn er das wünscht. Wird die dynamische Bildschirmtastatur nicht benötigt, sollen die Displayerhebungen verschwinden und der Nutzer soll eine plane Oberfläche erhalten. Das soll mit dem Verfahren namens Mikrofluidik(öffnet im neuen Fenster) möglich werden. Dabei soll der Tactile Layer wenig Energie benötigen. Lediglich für das Aktivieren und Abschalten der Tastenerhebungen gibt es einen erhöhten Strombedarf.
Noch handelt es sich bei der Tactile-Layer-Technik(öffnet im neuen Fenster) um eine Alphaversion. Im zweiten Quartal 2013 soll eine Betaversion der Technik erscheinen. Bis Ende des Jahres will Tactus das Produkt fertig entwickelt haben. In Geräten könnte die Technik im ersten Quartal 2014 Einzug halten. Bisher ist nicht bekannt, ob ein Hersteller sie einsetzen wird.