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Dwarf Fortress: Prozedural generierte Geschichten von 1001 Zwerg

Das Kultspiel Dwarf Fortress erzählt aus sich selbst heraus immer neue haarsträubende Geschichten. Unser Autor stellt ein paar davon vor.

Artikel von Rainer Sigl veröffentlicht am
Artwork von Dwarf Fortress (Bild: Bay 12 Games)

Es gibt nicht viele Computerspiele, die eine so detailreiche Fantasy-Umgebungen simulieren wie Dwarf Fortress. Das haben die Entwickler nicht mit einem riesigen Entwicklerteam geschafft, sondern mit schlauen Algorithmen - ein großer Teil der Zwergenwelt wird prozedural generiert.

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Dwarf Fortress ist eine Aufbausimulation, in der wir eine wachsende Zwergenkolonie managen. Wir müssen uns um Essen, Bauten, Rohstoffe und Verteidigung kümmern. Wie in Die Sims haben die Bewohner in Dwarf Fortress ganz individuelle Wünsche und Vorlieben.

Statt sie direkt zu steuern, kann man den Zwergen nur indirekt Arbeitsaufträge erteilen, die sie dann je nach Spezialisierung und Laune erledigen. Ein richtiges Spielziel gibt es nicht, stattdessen aber tausende Möglichkeiten, spektakulär zu scheitern. Vor allem aber gibt es unendlich viele Geschichten, Anekdoten und Erlebnisse, die sich aus dieser wuselnden Sandkiste von selbst ergeben.

"Emergent Storytelling" heißt das, also etwa: eine Erzählweise, die sich wie von Zauberhand selbst ergibt. Die Geschichten, die Dwarf Fortess generiert, sind für jeden Spieler und in jeder Partie anders. Sie sind oft banal, häufig aberwitzig und nicht selten episch. Manchmal sind sie auch ganz schön tragisch. Golem.de stellt Beispiele vor.

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Tragische Liebe unter Wer-Elchen

Plötzlich bricht in der Taverne in der Festung Dodoksosh die Hölle los. Ein Gast, ein zuvor unauffälliger menschlicher Monsterjäger, verwandelt sich vor aller Augen in eine blutrünstige Bestie, einen Wer-Elch mit grotesken Hauern. Zum Glück trinken gerade drei Wachen der Miliz am Nebentisch.

Zehn, zwanzig Sekunden dauert der Tumult, Bierkrüge zerschellen am Boden, dann liegt die Bestie in ihrem Blut. Das Untier sowie eine Elfentänzerin und ein Zwergenkind sind tot, zwei Gäste der Taverne und eine Soldatin, eine mächtige Axtzwergin, wurden im Kampf mit dem Monster verletzt, sie humpeln zur Krankenstation.

Die Zwerge wissen: Der Fluch der Lykanthropie ist hinterhältig. Deshalb werden die Verwundeten, während sie sich erholen, hastig eingemauert. Und wirklich: Beim nächsten Vollmond verwandeln sich zwei der Verletzten, die Soldatin und einer der Gäste, ebenfalls in rasende Bestien und reißen den bemitleidenswerten dritten Mithäftling in Stücke. Am nächsten Morgen wachen sie als Zwerge wieder auf, durch den Zauberfluch von ihren Verletzungen geheilt, aber immer noch bei jedem kommenden Vollmond eine tödliche Gefahr.

Lange Monate der Haft vergehen, aus den beiden unglücklichen Eingemauerten wird ein Liebespaar. Bis schließlich einer der beiden stirbt. Zurück bleibt eine traumatisierte, einsame Gestalt, für immer gefangen zwischen den Gebeinen ihrer Opfer. Während draußen, hinter den unüberwindbaren Steinmauern, das Leben weitergeht.

Ende 2022 wurde Dwarf Fortress erstmals in einer kommerziellen Version auf Steam veröffentlicht. Seitdem hat sie sich über eine halbe Million Mal verkauft und mehr als 16.000 sehr positive Rezensionen erhalten. Neu ist das Spiel aber nicht - im Gegenteil.

Ein Kultspiel wird kommerziell

Schon vor 20 Jahren begannen die US-amerikanischen Brüder Tarn und Zach Adams mit der Entwicklung des Spiels. Seit der ersten Veröffentlichung als kostenlose Alpha im Jahr 2006 hat sich die Weiterarbeit an dem hyperkomplexen Aufbauspiel offensichtlich zu ihrem Lebenswerk entwickelt.

  1. Kommerzielle Version von Dwarf Fortress
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