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Dunkelflaute: Etwa zwei Wochen wenig Wind und Sonne pro Jahr

Die erneuerbaren Energien sind in Deutschland stark vom Wetter abhängig. Doch Windkraft und Photovoltaik fallen nur selten gleichzeitig aus.
/ Friedhelm Greis
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Solarenergie ist inzwischen die zweitgrößte Stromquelle in Deutschland. (Bild: Pixabay)
Solarenergie ist inzwischen die zweitgrößte Stromquelle in Deutschland. Bild: Pixabay

Die Stromerzeugung in Deutschland muss derzeit an rund 15 Tagen im Jahr den Ausfall von Windkraft und Solarenergie kompensieren. Das geht aus einer Untersuchung der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) hervor, bei der Daten der Bundesnetzagentur aus den Jahren 2023 bis 2025 ausgewertet wurden. Dem sechsseitigen Papier(öffnet im neuen Fenster) (PDF) zufolge gab es in diesen Jahren jeweils 19, 12 und 14 Tage, an denen beide Energiequellen gleichzeitig nur einen geringen Beitrag zur Stromerzeugung leisteten.

Der Anteil der erneuerbaren Energien an der Stromerzeugung kann im Tages- und Jahresverlauf stark schwanken. Für die Studie definierten die Autoren Johannes Rode und Daniel Römer die Erzeugung für solche Tage als "wenig" , wenn bei beiden Energiequellen die Werte gleichzeitig im untersten Quartil (niedrigste 25 Prozent) der Jahreswerte lagen. "Im Schnitt der drei Jahre sind dies 15 Tage, was einem Jahresanteil von 4 Prozent entspricht" , heißt es.

Weniger Tage mit Dunkelflaute

Was jedoch auffällt: Bestimmte Schwellenwerte an der Gesamtstromerzeugung werden seit einigen Jahren an deutlich weniger Tagen unterschritten. So gab es im Jahr 2021 noch mehr als 30 Tage, an denen Windkraft und Solarenergie zusammen weniger als 15 Prozent erreichten. Im Jahr 2025 war das nur noch an 16 Tagen der Fall.

Die Marke von 10 Prozent wurde im Jahr 2021 noch an neun Tagen unterschritten. Das passierte im vergangenen Jahr noch an sechs Tagen. Zudem liefern andere erneuerbare Quellen wie Wasserkraft oder Biogasanlagen auch an solchen Tagen Strom. Daher fiel der gesamte Anteil der Erneuerbaren im vergangenen Jahr nie unter 18 Prozent.

Für die Stromerzeuger ist es jedoch irrelevant, ob die Erneuerbaren an 10 oder 20 Tagen im Jahr kaum Strom liefern. Sie müssen stets in der Lage sein, in solchen Fällen auf konventionelle Kraftwerke zurückgreifen oder den Strom aus dem Ausland importieren zu können.

Teurer Strom durch fossile Energieträger

Der größte Einsatz fossiler Kraftwerke war demnach am 25. November 2025 erforderlich. An diesem Tag lieferten Kohle- und Gaskraftwerke zusammen 910 Gigawattstunden (GWh) Strom. Dieser Höchstwert sei jedoch geringer als in den Vorjahren ausgefallen. So habe der Wert 2021 noch bei 1.010 GWh gelegen. Der Anteil an Importstrom lag an den Tagen mit Dunkelflaute der Studie zufolge bei 15 Prozent und damit dreimal so hoch wie im Jahresdurchschnitt.

Die Kompensation der Dunkelflaute durch fossile Energieträger wirkt sich zudem stark auf den Strompreis aus. An Tagen mit wenig Wind und Sonne lag der Börsenstrompreis demnach im Durchschnitt bei 153 Euro pro Megawattstunde (MWh). An einem durchschnittlichen Tag seien es dagegen nur 89 Euro pro MWh gewesen.

Mehr Gaskraftwerke benötigt

Perspektivisch stehen die Stromerzeuger vor der Herausforderung, den Wegfall der Kohlestromerzeugung zu kompensieren. "Neue, wasserstoffbetriebene Gaskraftwerke können hierbei ein wichtiger Baustein sein" , heißt es dazu. Batteriespeicher seien dazu jedoch nur begrenzt in der Lage. "Geringe Beiträge von Wind und Sonne treten typischerweise zwischen November und Februar auf – und dann teilweise an mehreren Tagen direkt nacheinander. Dies erschwert eine Abdeckung der benötigten Strommengen durch Batteriespeicher. Zudem bleiben sie als saisonale Speicher absehbar zu teuer" , schreiben die Autoren.

Außerdem könne der Ausbau von Grenzkuppelstellen stabilisierend wirken, weil dadurch ein vermehrter Außenhandel von Strom ermöglicht werde. Dadurch ließen sich Tage mit wenig Wind und Sonne teilweise länderübergreifend besser ausgleichen.

Insgesamt waren Wind und Sonne im Jahr 2025 die wichtigsten Stromquellen in Deutschland . Trotz weniger Wind und eines schleppenden Ausbaus war Windkraft der größte Stromerzeuger im Land. Mit einem Anstieg um 21 Prozent gegenüber 2024 erreichte der produzierte Solarstrom den zweiten Platz. Dahinter folgen mit deutlichem Abstand Braunkohle und Erdgas.


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