The Game of Dungeons alias dnd
Kein Wunder also, dass das nächste heute noch bekannte von D&D inspirierte Spiel aus dem Jahr 1975 The Game Of Dungeons heißt. Bekannt ist es auch unter seinem Dateinamen dnd – im US-amerikanischen Sprachgebrauch eine alternative Schreibweise von D&D.
Programmiert hatten es Whisenhunt und Wood, die beiden Sysadmins der SIU, ebenfalls auf Plato. Auch hier erstellt man einen Charakter mit Eigenschaften wie Weisheit und Geschicklichkeit und steigt hinab in ein gefährliches Gewölbe – das hier nach seinen Erschaffern Whisenwood Dungeon heißt.
Spielziel ist es hier, den magischen Gegenstand The Orb zu finden. Neu war, dass der Charakter den Dungeon verlassen konnte, um das Spiel zu speichern. Dieses Feature hatten Whisenhunt und Wood eingeführt, weil sie genervt davon waren, dass der Charakter bei Pedit5 nach dem Ausloggen einfach weg war – mit allen Erfahrungspunkten und Schätzen.
Das war aber nicht die einzige Neuerung. Wenn man dem Autor und Game-Experten Daryl Baxter und seinem Buch 50 Years of Boss Fights Glauben schenken will, haben die beiden dnd-Macher sogar das Prinzip Bossgegner erfunden.
Denn um The Orb zu erlangen, musste ein goldener Drache besiegt werden. Der hatte extrem hohe Werte, durfte aber natürlich nicht unbesiegbar sein – Whisenhunt und Wood war es wichtig, dass ihr Spiel schaffbar war. Arcade Games, die einfach immer schwieriger wurden, bis es am Ende "Game Over" hieß, frustrierten sie.
Pedit5 und dnd sind heute die bekanntesten ersten Hobbyversionen von Computerrollenspielen. Dabei entstanden Mitte der Siebziger zahlreiche weitere RPGs wie Dungeon von Don Daglow, der es an einer kalifornischen Uni für Großrechner vom Typ PDP-10 geschrieben hatte, oder weitere Plato-Spiele wie m1999h, Moria, Orthanc oder Oubliette.
Potenzial der digitalen Lizenzen erst spät erkannt
Einige weitere Spiele wurden wahrscheinlich gelöscht und sind vergessen. Der D&D-Verleger Tactical Studies Rules Inc. (TSR) hat das Potenzial der digitalen Lizenzen erst recht spät erkannt. 1988 erschien mit Pool of Radiance(öffnet im neuen Fenster) das erste offizielle D&D-Game, basierend auf der Version für Fortgeschrittene: Advanced Dungeons & Dragons.
Damit begann eine lange Zusammenarbeit von TSR mit dem Spieleentwickler Strategic Simulations, Inc. (SSI), die insgesamt 30 Spiele umfasste(öffnet im neuen Fenster) und bis 2001 andauerte. Da brachte SSI sein letztes D&D-Game heraus, Pool of Radiance: Ruins of Myth Drannor. Das Spiel hatte zahlreiche Bugs, darunter die Tendenz, bei der Löschung wichtige Systemdateien mitzunehmen. Die Kritiken waren dementsprechend(öffnet im neuen Fenster) .
D&D taugt immer noch für spannende Spiele
D&D-Fans griffen da schon längst lieber zu den Lizenz-Spielen mit der Infinity-Engine wie Baldur's Gate von Bioware oder Planescape: Torment von Black Isle Studios. Und der Erfolg des dritten Teils von Baldur's Gate zeigt, dass D&D immer noch für spannende Spiele taugt .





Aber auch jenseits lizenzierter Games ist der Einfluss des ersten Pen-&-Paper-Rollenspiels auf die Welt der Videospiele immens. Zahlreiche Spielmechaniken wie Charakterstufen und Konzepte wie Dungeons haben die Welt der digitalen Spiele grundlegend verändert – auch wenn es heute schwer ist zu sagen, ob das wirklich über die allerersten Plato-Hobbyversionen geschehen ist oder ob kreative Köpfe in den Entwicklerfirmen selbst D&D kannten und ihre Erlebnisse vom Spieltisch eigenständig umgesetzt haben.
Fabian Mauruschat(öffnet im neuen Fenster) ist Journalist und Autor, seine Themen sind Games und Geschichte. 2021 erschien sein Buch Eine kleine Geschichte der Videogames. Von Tetris bis Cyberpunk 2077.



