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Dungeons & Dragons: Ehre unter Dieben: Überraschend gut

Zuletzt gab es vor einem Vierteljahrhundert den Versuch, die Welt von Dungeons & Dragons auf die Leinwand zu bringen. Aber erst der neue Film kommt dem Spielgefühl nahe.
/ Peter Osteried
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Mit Hang zum Chaos: Dungeons & Dragons: Ehre unter Dieben kommt der Spielvorlage näher als alle anderen Vorgänger-Filme. (Bild: Paramount)
Mit Hang zum Chaos: Dungeons & Dragons: Ehre unter Dieben kommt der Spielvorlage näher als alle anderen Vorgänger-Filme. Bild: Paramount

Dungeons & Dragons – kurz D&D(öffnet im neuen Fenster) – ist eines der erfolgreichsten Pen-&-Paper-Rollenspiele. Dass Hollywood schon früh ein Interesse hatte, die massive Fanbasis ins Kino zu locken, ist verständlich. Aus diesem Impuls heraus entstand im Jahr 2000 der erste Film Dungeons & Dragons (2000; Trailer(öffnet im neuen Fenster) ), der alles falsch machte, was man nur falsch machen konnte.

Er ließ jedwedes Gespür für die Vorlage vermissen. Stattdessen wurde eine generische, kein Klischee auslassende Fantasygeschichte erzählt, die vor allem eines war: unfreiwillig komisch. Später gab es noch zwei Produktionen (2005; Trailer(öffnet im neuen Fenster) und 2012; Trailer(öffnet im neuen Fenster) ) für den Heimkinomarkt, die schon allein wegen des überschaubaren Budgets in keiner Weise überzeugen konnten. Wenn aber etwas so erfolgreich ist wie der Rollenspielklassiker, gibt es garantiert einen neuen Versuch – der trägt den Titel Dungeons & Dragons: Ehre unter Dieben und kommt heute (30. März) ins Kino ( Trailer(öffnet im neuen Fenster) ).

Ein Film für Fans?

Die zentrale Frage im Vorfeld war: Würde der Film auch für Fans etwas zu bieten haben? Kurz gesagt: Ja. Für unbedarfte Zuschauer, die mit dem Spiel nichts am Hut haben, kann die Mythologie allerdings verwirrend sein. Dafür gibt es Spektakel, auch dank eines Budgets von 151 Millionen US-Dollar(öffnet im neuen Fenster) .

Was aber noch wichtiger ist: Die Regisseure Jonathan Goldstein und John Francis Daley haben in ihrer Jugend selbst D&D gespielt. Zu dem Projekt kamen sie eher zufällig: Just in dem Moment, als sie sich vom Schreiben des Skripts für The Flash zurückgezogen hatten, trafen sie in einer Bar einen Agenten, der aufhorchte, als er merkte, dass die beiden keinen neuen Gig hatten.

Dungeons Dragons: Ehre unter Dieben – Trailer
Dungeons Dragons: Ehre unter Dieben – Trailer (02:04)

Der Agent kontaktierte Paramount und das Studio schickte das Skript an Goldstein und Daley. Damit hatten die beiden ihr nächstes Projekt gefunden(öffnet im neuen Fenster) .

Diebe unterwegs

Im Zentrum der Geschichte stehen der Barde und Krieger Edgin Darvis (Chris Pine) und seine schlagfertige Kollegin Holga Kilgore (Michelle Rodriguez). Nachdem sie der Einkerkerung entkommen sind, machen sie sich auf die Suche nach einem Schatz.

Dazu sammeln Edgin und Holga ein paar wackere Kämpfer um sich: den unsicheren Zauberer Simon Aumar (Justice Smith) und die Druidin Doric (Sophia Lillis). Konkurrenten bei der Jagd auf den Schatz gibt es aber auch: Edgins früheren Verbündeten Forge Fitzwilliam (Hugh Grant) und die rote Zaubererin Sofina (Daisy Head). Auf ihrer Quest begegnen die Protagonisten zudem dem mysteriösen Paladin Xenk Yendar (Regé-Jean Page).

Eher Spiel- als Filmhandlung

Das Schöne an einem Spiel wie D&D ist, dass es nie so geradlinig verläuft, wie man sich das vorstellt. Der Spaß ist nicht nur, sich einen eigenen Charakter zu erschaffen, sondern auch, mit ihm ein Abenteuer durchzustehen, das mit jedem Spielzug chaotischer wird. Ein D&D-Spiel ist selten vorhersehbar – und schon gar nicht mit einem handelsüblichen Fantasyfilm zu vergleichen.

Diese Unbekümmertheit und den Hang zum Chaos lässt der neue Film aufleben. Die Geschichte ist im Grunde ein Fantasyklischee, aber die Umsetzung weiß zu gefallen: weil es immer wieder Überraschungen gibt, weil Ereignisse nicht so verlaufen, wie man das erwarten würde, und weil die Figuren das auch gerne mal schulterzuckend kommentieren.

Auf keinen Fall sollte ein Dungeons-&-Dragons-Film bierernst daherkommen. Das war einer der größten Fehler des ersten Films, der neue macht ihn nicht. Er hat jede Menge lustige Dialoge – die meistens auch funktionieren. Sicher, es gibt Momente, in denen ein Gag nicht zündet, angesichts der Dichte ist das aber auch nicht überraschend.

Noch treffsicherer ist der Film aber bei der Situationskomik, die sich nicht nur, aber vor allem aus den beteiligten Kreaturen ergibt. Wo sonst gibt es einen übergewichtigen Drachen, der mehr vor sich hinkeucht und -hustet, als Feuer zu spucken?

Gute Effekte und ein bisschen Leerlauf

Ein guter Teil des Budgets ist in die Effekte geflossen und das sieht man dem Film an – zumeist jedenfalls. Die vielen fantasievollen Kreaturen sind überzeugend umgesetzt, hier gibt es selten einen kleinen Makel. Man merkt aber, dass gerade die Nachdrehs mit weniger Geld auskommen mussten. Umgebungseffekte und Action sind da nicht immer zu einhundert Prozent überzeugend.

Mit einer Laufzeit von mehr als 130 Minuten ist der Film etwas zu lang geworden, hier und da gibt es Leerlauf. Aber das wird zumeist von den gut aufgelegten Schauspielern überspielt. Die erfinden sich hier zwar nicht neu, aber Chris Pine als charmanter Held und Michelle Rodriguez in gewohnt schlagfertiger Art ziehen den Zuschauer in die Geschichte hinein. Sie – und auch der Rest des Ensembles – sorgen dafür, dass man gut unterhalten wird.

Alles in allem ist Dungeons & Dragons: Ehre unter Dieben nicht der ganz große Wurf, aber es ist locker-leichte Fantasy-Unterhaltung mit viel Humor und mehrheitlich überzeugenden Effekten. Ob man letztlich mit dem Film mehr Spaß hat als mit einer Runde D&D zu Hause, hängt wohl davon ab, ob man sich lieber unterhalten lässt, statt das Abenteuer selbst voranzutreiben.


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