Aus Japan und Russland hinaus in die Welt
Historisch stammen LitRPGs wohl aus Japan. Dort verbanden Mangas in den 1990er und 2000er Jahren zum ersten Mal die Mechaniken von Rollenspielen mit der Literatur. Gleichzeitig entstanden im noch neuen Internet die ersten großen Online-Rollenspiele, wie Everquest, Ultima Online und schließlich World of Warcraft(öffnet im neuen Fenster). So verbreiten sich die Ideen von Levelaufstieg, Fähigkeiten und Schätze zu finden.
Russische Autoren prägten im Anschluss die ersten LitRPG im heutigen Stil. Vermutlich entstand der Begriff selbst im Jahr 2013 beim russischen Verlagshaus Eksmo. Klassiker dieser Zeit sind laut Nerd-Wiki.de zum Beispiel Play to Live von Dimitry Rus und Way of the Shaman von Vasily Mahanenko. Beide sind auch auf Deutsch erhältlich.
Von dort griffen das Genre vor allem angloamerikanische Autoren auf. Der Verlag Tor empfiehlt beispielsweise Travis Bagwells Awaken Online oder Jakob Tanners Arcane Kingdom Online. Deutsche Originale bleiben bisher eher selten und recht nischig, was in etwa der frühen Kommerzialisierung der Genre Science-Fiction (SF) und Fantasy in Deutschland entspricht.
Konzeptuell gilt Kurd Laßwitz zu den frühesten SF-Autoren, selbst wenn seine Werke erst nach denen der Zeitgenossen Jules Vernes und H. G. Wells entstanden(öffnet im neuen Fenster).
Mit Freude den eigenen Weg entdecken
Wer jetzt Lust hat, ist längst nicht zu spät dran, in Dungeon Crawler Carl einzutauchen. Freude haben schon viele gefunden, die davor noch nie von Rollenspiel gehört, geschweige denn Dungeons & Dragons oder Warhammer 40K gespielt haben.
Anders herum bietet DCC auch eine spannende Offline-Alternative, für all jene, die zwar MMORPG atmen, aber seit der Schule keine Bücher mehr lesen. Auf den Ohren gäbe es dann noch das schon erwähnte, cinematische Hörbuch, dessen Englisch verhältnismäßig zugänglich ist.
Natürlich gibt es auch Alternativen zu Dinniman. Ein Ausgangspunkt wären die erwähnten LitRPG-Klassiker, ein anderer das jeweils liebste Online- oder Tabletop-Rollenspiel. Die Witcher-Reihe basiert schließlich auf Andrzej Sapkowskis Büchern. Tomorrow and Tomorrow and Tomorrow, Solo Leveling und Slay wären andere renommierte rollenspielverwandte Kandidaten.
Am Ende soll aber jeder seinen eigenen Weg gehen. Genau wie Carl, Princess Donut, deren Gang oder Dinniman selbst. Der heutige Bestsellerautor war einst Telefonmedium, Privatermittler, Pizzalieferant und Angestellter im IT-Support bei Microsoft. Dann malte er eine Zeitlang Katzen für sechsstellige Honorare pro Jahr. So kam er auf die Idee für Princess Donut, bevor die Coronapandemie ihn nötigte, aus DCC Geld zu machen.
Nach dem aktuellen Band fehlen noch zwei weitere Bücher, in denen Carl die sechs weiteren Stockwerke des Dungeons meistern soll. Niemand weiß bisher, was auf dieser Reise noch passieren wird. Nicht mal Autor Dinniman selbst.
Tim Reinboth(öffnet im neuen Fenster) ist freiberuflicher Wissenschaftsjournalist und Kognitionswissenschaftler. Er schreibt über Herausforderungen, Möglichkeiten und kuriose Momente an den Schnittstellen von Technologie und Gesellschaft.