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Dune Prophecy: Enttäuschend bis zum Schluss

In Dune: Prophecy passiert erst kaum Spannendes, dann in der letzten Folge alles Wichtige auf einmal. Doch auch das Staffelfinale enttäuscht.
/ Daniel Pook
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Poster der Serie Dune: Prophecy mit Emily Watson als Valya Harkonnen. (Bild: HBO & Warner Bros.)
Poster der Serie Dune: Prophecy mit Emily Watson als Valya Harkonnen. Bild: HBO & Warner Bros.

Achtung: Wir verraten in diesem Fazit einiges über das Ende der ersten Staffel von Dune: Prophecy. Zur spoilerfreien Serienkritik der ersten vier Episoden geht es hier .

392 Minuten dauert es, alle sechs Folgen von Dune: Prophecy anzusehen. 71 Minuten länger als die Laufzeit beider Dune-Kinofilme von Denis Villeneuve zusammen. HBOs Streaming-Serie ist allerdings so lahm erzählt, dass sie nicht mal den Bruchteil der ereignisreichen Geschichte zustande bringt.

Vieles, was wir in unserem Artikel zum Serienstart von Dune: Prophecy kritisiert haben, hat sich bis zum Staffelende nicht gebessert, teilweise sogar verschlechtert. Die vorletzte Folge mutet an, als habe sie ein Shakespeare-Drama zu Hofe von Imperator Corrino (Mark Strong) aufziehen sollen. Heraus kam eine langatmige Telenovela. Blasse Darsteller unterhalten sich in steril beleuchteten Kulissen und keiner der vielen Akteure bietet sich als starker Protagonist an, dessen Schicksal uns wirklich kümmert.

Dune: Prophecy (Serientrailer)
Dune: Prophecy (Serientrailer) (02:38)

Versandete Dramaturgie

Die Autoren der Show haben das Kunststück vollbracht, über fünf Folgen lang bis kurz vorm Finale, keinen ihrer Handlungsstränge befriedigend in Gang zu halten. Oder ihren zahlreichen Nebenfiguren genug Komplexität und Ausstrahlung zu verleihen, um je interessant zu werden.

Wenn selten mal etwas vielversprechendes passiert ist, trat das Geschehen anschließend so lange auf der Stelle, dass es uns schnell wieder egal wurde. Beim Finale ist dann ohnehin alles so leicht durchschaubar abgelaufen, dass vorher fürs Verständnis gar kein tieferes Investment beim Zuschauen nötig war.

Anstatt auf effektive Dramaturgie wert zu legen, scheinen die Drehbuchautoren nur darauf achtgegeben zu haben, ein paar bekannte Familiennamen des Dune-Universums und das große Messias-Zuchtprogramm der Bene-Gesserit-Schwesternschaft irgendwie, irgendwo in ihrer Geschichte unterzubringen. Alles dazwischen und drumherum rieselt leidenschaftslos vor sich hin, wie der Sand auf Arrakis an jedem normalen Tag im Wüstenwind.

Erst Leerlauf, dann Überfrachtung

Das gilt auch für gelegentliche Referenzen am Rande, aus dem erweiterten Dune-Kanon, deren bloße Erwähnung in wenigen Worten nur Kenner des Quellmaterials(öffnet im neuen Fenster) zuordnen können. Dazu gehören Vorahnungen und Schlüsselbegriffe, etwa " Tiran-Arafel(öffnet im neuen Fenster) ", die beispielsweise an den Gottkaiser des Wüstenplaneten(öffnet im neuen Fenster) denken lassen. Ein Mischwesen aus Mensch und Wurm, das erst lange nach den Geschehnissen der bisherigen Dune-Kinofilme entstehen würde. Auch wenn er mit den Worten nicht unbedingt selbst gemeint sein muss, so hat er zumindest einen identischen Begriff an erinnerungswürdiger Stelle in den Büchern gesprochen.

Es wirkt wie eine Verzweiflungstat, dass die Serienmacher um Showrunnerin Alison Schapker(öffnet im neuen Fenster) schließlich in der letzten, mit 81 Minuten längsten Folge dieser ersten Staffel, alle reizvollen Enthüllungen der gesamten Serie untergebracht haben. Anstatt diese häppchenweise über die ganze Season verteilt preiszugeben, die fünf Episoden vorher damit zumindest ein wenig aufzupeppen. So haben wir das große Finale nicht als aufregendes Highlight, sondern als überfrachteten Exposition-Dump(öffnet im neuen Fenster) empfunden, für den sich die fünf Folgen in Warteschleife vorher nicht so wirklich gelohnt haben.

Dune: Part Two (Filmtrailer)
Dune: Part Two (Filmtrailer) (03:04)

Wenn Valya Harkonnen (Emily Watson) endlich auf Arrakis ankommt, den titelgebenden Wüstenplaneten betritt, müsste uns das als Dune-Fans ja normalerweise Gänsehaut bereiten. Die Sequenz wird jedoch so hastig und trocken abgehandelt, dass es auch gut die generische Cutscene eines lieblosen Lizenz-Videospiels hätte sein können. Es fehlt zudem der gute dramaturgische Aufbau im Vorhinein, um diesen Moment als so besonders und gewichtig zu empfinden, wie er es in der großen Dune-Zeitleiste eigentlich ist. Wird hier doch gerade der Grundstein für alles gelegt, um das es in den Kinofilmen so packend erzählt geht.

Ist das noch Dune oder schon Harry Potter?

Die beiden Spielfilme haben den mächtigen Orden der hexenartigen Bene Gesserit(öffnet im neuen Fenster) gruselig, unnahbar, in mysteriöse Aura gehüllt erscheinen lassen. Ihre Rituale sind grausam wie faszinierend, Denis Villeneuve hat sie surreal albtraumhaft inszeniert. Immer wenn die Serie das zu imitieren versucht, hat sie ihre visuell stärksten Momente. Die Schwesternschaft an sich verliert trotzdem jede Faszination, da wir sie wie einen schlecht organisierten Jugendclub gezeigt bekommen. Was – Entstehungsgeschichte hin oder her – überhaupt nicht gut in Einklang zu bringen ist, mit allem, was wir aus späteren Zeitaltern schon über sie miterlebt haben. So wie hier in der Serie, hätten sich die Bene Gesserit als Hexen-Gang von Slytherin garantiert besser in die Welt von Harry Potter eingefügt.

Ob nun die Anfänge der Schwesternschaft als mächtiger Orden, ihr geheimer K.I.-Apparat zur Berechnung künftiger Familienstammbäume oder ein weit entfernter Vorfahre von Leto und Paul Atreides. Bevor es diese Serie gegeben hat, haben ein paar wenige Verweise in den Kinofilmen total ausgereicht, um uns solche Hintergründe und Vorgeschichten viel spannender selbst vorzustellen, als sie jetzt hier breitgetreten von HBO ausgestaltet wurden.

Staffel 2 soll der Sandwurm fressen

Diese Kritik mag auch schon auf die Buchvorlagen von Frank Herberts Sohn Brian und dessen Co-Autor Kevin J. Anderson zugetroffen haben. Da Dune: Prophecy deren Romane aber ohnehin nicht wortgetreu adaptiert, sondern auf Versatzstücken daraus seine eigene Handlung aufbaut, hätten es die Autoren der Serie ja problemlos besser machen können.

Vielleicht gelingt ihnen das bei Staffel 2, die HBO bereits offiziell in Auftrag gegeben(öffnet im neuen Fenster) hat. Wir hätten uns stattdessen lieber gewünscht, der große Sandwurm vom Ende aus Folge 6 würde einfach alle Pläne für eine Fortsetzung dieser Vorgeschichte verschlucken, verdauen und als glitzernd schimmerndes Spice für immer in den Wind von Arrakis pusten.

Die sechste und damit finale Folge der ersten Staffel von Dune: Prophecy erscheint in Deutschland am 23. Dezember 2024 zum Streamen bei Sky und Wow.


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