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Dual Use: Nvidia-Chip in russischem Marschflugkörper entdeckt

Die ukrainische Militäraufklärung hat ein Jetson-Orin-NX-16GB-Modul aus dem Wrack einer S-71M geborgen – und offenbart damit erneut, dass westliche Halbleiter Russland erreichen.
/ Michael Linden
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Ein Nvidia-Jetson-Orin-Computermodul (Bild: Ukrainischer Militärgeheimdienst)
Ein Nvidia-Jetson-Orin-Computermodul Bild: Ukrainischer Militärgeheimdienst

Der ukrainische Militärgeheimdienst GUR hat den Fund diese Woche gemeldet(öffnet im neuen Fenster). Die S-71M(öffnet im neuen Fenster) ist eine luftgestartete Waffe mit autonomer Zielsuche und -bekämpfung, die optische Sensoren mit Hardware zur Zielsuche und -auswertung kombiniert.

Die Anwesenheit des Bauteils deutet laut GUR auf mögliche KI-Fähigkeiten in der Rakete hin. Das deckt sich mit bestehenden Informationen zur S-71M, die angeblich sowohl unter Bedieneraufsicht als auch ohne direkte menschliche Kontrolle operieren kann.

Nvidia-Chip als Jetson Orin NX identifiziert

Die veröffentlichten Fotos zeigen einen ausgebrannten Chip mit der Kennung TE980M-A1. Diese Bezeichnung entspricht einem Jetson Orin NX 16GB, den Nvidia Anfang 2023 auf den Markt brachte.

Der Chip ist für kleinere eingebettete Anwendungen wie autonome Systeme, Robotik und vergleichbare Edge-Computing-Aufgaben gedacht.

Nvidia unterhielt bis 2022 Geschäfte in Russland, zog sich aber nach der Vollinvasion der Ukraine zurück. Da die TE980M-A1 erst nach diesem Rückzug in Produktion ging, muss das geborgene Modul über Kanäle außerhalb des direkten Vertriebsnetzwerks des Unternehmens nach Russland gelangt sein.

Unabhängig vom genauen Weg offenbart der Fund: Sanktionen und der Rückzug westlicher Unternehmen haben westliche Bauteile nicht vollständig aus Waffen ferngehalten, die gegen ukrainische Ziele eingesetzt werden.

Der GUR sieht darin auch einen beruhigenden Aspekt: Die Abhängigkeit von ausländischer Hardware deutet darauf hin, dass die russische heimische Chipfertigung weiterhin hinter den Anforderungen der Waffenprogramme zurückfällt.

Nvidia erklärt sich für unschuldig

Nvidia erklärte auf Anfrage von The Register(öffnet im neuen Fenster), Jetson-Module seien Consumer-Produkte für eine breite Industriepalette und nicht für militärische Nutzung bestimmt. Ein Unternehmenssprecher betonte, die Chips seien für den Verkauf in Russland nicht autorisiert.

Der Sprecher fügte hinzu, dass gebrauchte Jetson-Einheiten über zahlreiche Wiederverkaufskanäle zirkulieren, die außerhalb der Unternehmenskontrolle liegen. Nvidia könne verkaufte Produkte nicht überwachen, werde aber handeln, sollte ein Kunde gegen US-Exportkontrollregeln verstoßen.

US-Exportbeschränkungen begrenzen derzeit den Verkauf fortschrittlicher Halbleiter nach Russland und China. Einige Chiphersteller entwickelten speziell für China konforme Produkte, während es Schmuggelnetzwerke gibt, die höherwertige, beschränkte Bauteile ins Land bringen.

Forderungen nach strengerer Exportkontrolle

Der GUR argumentiert, die geborgene Hardware belege, dass bestehende Exportkontrollen nicht ausreichen. Die Behörde fordert eine engere Sanktionsdurchsetzung sowie eine stärkere Koordination zwischen den Verbündeten, um künftig ähnliche Bauteile von der russischen Waffenproduktion fernzuhalten.


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