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Dual-OS-Gerät angeschaut: Intels Android-Smartphone mit integriertem Desktop-Linux

MWC 2016
Zusammen mit Foxconn zeigt Intel ein produktionsreifes Android-Smartphone, das auf einem angeschlossenen Monitor parallel Debian Linux anzeigen kann. Grundlage ist Intels Atom-X3-Prozessor, der Kostenfaktor des Gerätes liegt bei unter 100 US-Dollar.
/ Tobias Költzsch
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Debian und Android auf einem Display (Bild: Martin Wolf/Golem.de)
Debian und Android auf einem Display Bild: Martin Wolf/Golem.de

Auf dem Mobile World Congress (MWC) 2016 hat Intel ein zusammen mit Foxconn entwickeltes Smartphone gezeigt, das neben Android parallel auch Debian Linux installiert hat. Das Linux-System wird per HDMI-Adapter auf einem Fernseher oder Monitor angezeigt, gleichzeitig bleibt das Android-System weiter nutzbar.

Android-Linux-Smartphone angesehen (MWC 2016)
Android-Linux-Smartphone angesehen (MWC 2016) (01:05)

Das Foxconn-Smartphone steht stellvertretend für eine ganze Reihe preiswerter Smartphones, die über den zusätzliche Debian-Desktop verfügen. Zielmarkt sind Schwellenländer, in denen ein Großteil der Nutzer mit einem Smartphone ins Internet gehen und die Verbreitung von PCs niedrig ist. Das günstige Smartphone soll den Zugang zu PC-Funktionen wie Textverarbeitung ermöglichen.

Sofia machts möglich

Grundlage der Geräte ist Intels Atom-X3-Prozessor (Sofia) – welche Variante in dem uns gezeigten Gerät verbaut wurde, ist unklar. Die Android-Debian-Kombination wurde ebenfalls von Intel entwickelt. Nachdem das Smartphone über einen USB-HDMI-Adapter an einen Monitor angeschlossen wurde, wird der Debian-Modus über eine Schaltfläche aktiviert. Anschließend wird das Smartphone-Display ausgeschaltet, und der Desktop-Modus auf dem Monitor aktiviert. Beide Displays gleichzeitig lassen sich aktuell noch nicht nutzen.

Allerdings kann der Nutzer über die Debian-Oberfläche jederzeit den Startbildschirm des Android-Systems seines Smartphones aufrufen und bedienen. Die Funktionen bleiben die ganze Zeit über erhalten – Nachrichten lassen sich über das eingeblendete Android ebenso aufrufen und beantworten wie Anrufe tätigen. Das ist praktisch, um etwa während des Arbeitens weiterhin erreichbar zu sein.

Mit Maus, Bildschirm und Tastatur zum Desktop-PC

Verbindet der Nutzer eine Maus und eine Tastatur per Bluetooth mit dem Smartphone, lässt sich das Linux-System tatsächlich wie ein normales Debian auf einem PC verwenden. Allerdings wirkt es bereits auf den ersten Blick etwas abgespeckt – was es auch ist, wie uns der Chef des Entwicklerteams Nir Metzer erklärt.

"Wir haben alles Unwichtige gestrichen, um das System der Leistungsfähigkeit des Chips anzupassen" , sagt Metzer. Dabei sind wichtige Grundfunktionen wie der einfache Zugang zu Anwendungen beibehalten worden: Nutzer des Foxconn-Smartphones können sich – soweit die Rechenleistung des SoC mitspielt – alle Anwendungen installieren, die auch auf einem normalen PC mit Debian Linux installierbar sind.

System wurde schlanker gemacht

Nutzer merken hauptsächlich an der grafischen Wiedergabe, dass das System entschlackt wurde. Der Hintergrund ist einfarbig, auf Übergangseffekte beim Öffnen und Schließen der Fenster wird auch verzichtet. Dafür können Nutzer in verschiedenen Fenstern unterschiedliche Anwendungen laufen lassen, wie uns Intel gezeigt hat. Während ein Video abgespielt wurde, liefen parallel verschiedene andere Programme sowie die Android-Übersicht.

Auf die auf dem Smartphone gespeicherten Daten haben sowohl Android als auch Debian Zugriff – getrennte Partitionen gibt es nicht, auch der Kernel wird von beiden Systemen verwendet. Auch Anwendungen stimmen sich mitunter untereinander ab: "Der E-Mail-Client von Debian synchronisiert sich zum Beispiel mit dem von Android" , erklärt Metzer.

Gut laufendes System

Das System ist insgesamt überraschend gut nutzbar, auch wenn etwa beim Öffnen des Browsers kleine Wartezeiten eingeplant werden müssen. Texte mit Libre Office lassen sich ebenso gut schreiben wie Videos anschauen. Bequemer als auf einem Smartphone ist das allemal und stellt alles in allem doch einen guten Ersatz für einen merklich teureren PC dar.

Insbesondere die parallele Nutzung von Android und Debian hat uns gut gefallen. Bei einem Preis von unter 100 US-Dollar bekommen Käufer tatsächlich einen brauchbaren PC-Ersatz – mit all den Schwächen, die etwa die 2 GByte RAM und 16 GByte Flash-Speicher mit sich bringen.

Smartphones mit Debian können sofort hergestellt werden

Nir Metzer zufolge wird das Foxconn-Gerät so, wie wir es gezeigt bekommen haben, auf den Markt kommen – wann und wo konnte er uns nicht verraten. Die Technik, um derartig dual ausgestattete Smartphones zu produzieren, besteht dank der Atom-X3-Serie bereits länger. Allerdings müssten sich Hersteller die Mühe machen, die Software auf die Hardware zuzuschneiden. Das hat Intel getan – mit einem überraschend guten Ergebnis.


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