Dual EC DRBG: Die Hintertüren in Juniper-Firewalls

Eine der in Juniper-Firewalls gefundenen Hintertüren nutzt offenbar einen Zufallszahlengenerator, der mutmaßlich von der NSA kompromittiert ist. Bei der Analyse der Änderungen gibt es Hinweise, dass hier mehrere Akteure am Werk waren - und dass die Hintertür gar nicht wirklich geschlossen worden ist.

Artikel veröffentlicht am , Hanno Böck
In Juniper-Firewalls wurden Hintertüren gefunden - die Details geben weitere Rätsel auf.
In Juniper-Firewalls wurden Hintertüren gefunden - die Details geben weitere Rätsel auf. (Bild: LPS.1 / Wikimedia Commons/CC-BY-SA 3.0)

Die Details zu den Hintertüren in den Juniper-Firewalls werfen weitere Fragen auf: Insbesondere ist im Moment unklar, ob sie mit dem von dem Unternehmen bereitgestellten Update überhaupt geschlossen worden sind. Letzte Woche hatte Juniper viel Aufsehen mit der Mitteilung erregt, dass bei einer internen Analyse des Codes von ScreenOS zwei mutmaßliche Hintertüren gefunden wurden. ScreenOS ist ein auf älteren Juniper-Firewalls eingesetztes Betriebssystem. Bei der einen Hintertür handelt es sich um ein fest eingestelltes SSH-Passwort. Die andere nutzt den Zufallszahlengenerator Dual EC DRBG, der vermutlich von der NSA stammt.

Inhalt:
  1. Dual EC DRBG: Die Hintertüren in Juniper-Firewalls
  2. Dual EC DRBG - der Zufallszahlengenerator mit Hintertür
  3. Sind verschiedene Angreifer am Werk?

ScreenOS ist ein proprietäres Betriebssystem, welches in den Geräten der Netscreen-Serie von Juniper zum Einsatz kommt. Die Firma Netscreen wurde 2004 von Juniper übernommen. Nicht betroffen sind andere Firewall-Produkte von Juniper, die das System Junos OS verwenden.

Passwort "<<< %s(un='%s') = %u"

Das Advisory von Juniper erwähnt zwei Sicherheitslücken, die mit den IDs CVE-2015-7755 und CVE-2015-7756 bezeichnet werden. Bei CVE-2015-7755 handelt es sich um ein fest eingestelltes Passwort, mit dem man über SSH oder Telnet eine Shell mit vollen Zugriffsrechten auf das betroffene System erhalten kann. Bereits nach wenigen Stunden gelang es Mitarbeitern der Firma Fox-IT, das Passwort aus den Firmware-Images von Juniper zu extrahieren.

Fox-IT machte das Passwort jedoch nicht öffentlich, das tat einige Zeit später H. D. Moore von der Firma Rapid7. In einem Blogeintrag erläuterte Moore, wie er das Firmware-Image von Juniper mittels des Debuggers IDA Pro analysiert habe. Das ungewöhnliche Passwort lautet "<<< %s(un='%s') = %u". Es sieht aus wie ein Formatierungshinweis für C-Funktionen wie printf(), dadurch erhoffte sich offenbar derjenige, der die Hintertüre platzierte, dass das festeingestellte Passwort nicht so leicht auffallen würde. Der Benutzername für das Login kann beliebig gewählt werden.

Stellenmarkt
  1. IT Solutions Engineer SAP BI Analytics (m/w/d)
    Schaeffler Technologies AG & Co. KG, Schweinfurt
  2. Mitarbeiter im Bereich Finanzservice (m/w/d)
    Kommunales Rechenzentrum Minden-Ravensberg/Lippe, Lemgo
Detailsuche

Laut Moore findet man mit der Suchmaschine Shodan circa 24.000 ans Internet angeschlossene Netscreen-Geräte, die von der Lücke potentiell betroffen sind. Wie viele davon bereits aktualisiert wurden, lässt sich jedoch dabei nicht erkennen. Da diese Lücke durch das nun öffentlich bekannte Passwort trivial auszunutzen ist, muss jeder, der sein Gerät bislang nicht aktualisiert hat, davon ausgehen, dass es bereits kompromittiert wurde.

Diese SSH- und Telnet-Hintertür befindet sich offenbar nur in den Versionen 6.3.0r17 bis 6.3.0r20, behoben wurde sie in der Version 6.3.0r21. Die ältere Version 6.2.0 ist von dieser Lücke nicht betroffen. Es handelt sich ohne Zweifel um eine drastische Sicherheitslücke - doch zumindest ist relativ klar, worum es sich handelt, und ein Update dürfte das Problem vollständig beseitigen. Weit mehr Rätsel gibt jedoch die zweite von Juniper erwähnte Lücke auf.

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed
Dual EC DRBG - der Zufallszahlengenerator mit Hintertür 
  1. 1
  2. 2
  3. 3
  4.  


t0ncul 23. Dez 2015

Wir haben SSH Zugang aus dem Internet auf die Firewall ausdrücklich nicht zugelassen. Ist...

Rulf 23. Dez 2015

heißt hier nur: wurde noch nicht aufgedeckt... für alle die nicht zwischen den zeilen...

AllAgainstAds 22. Dez 2015

Und genau das ist es, was die meisten befürchten. Wer auch immer den Quellcode da...

tf (Golem.de) 22. Dez 2015

Hallo M.P., stimmt natürlich, vielen Dank für den Hinweis.



Aktuell auf der Startseite von Golem.de
Digitalisierung
500-Euro-Laptops für Lehrer "leistungsfähig und gut nutzbar"

Das Land NRW hat seine Lehrkräfte mit Dienst-Laptops ausgestattet. Doch diese äußern deutliche Kritik und verwenden wohl weiter private Geräte.

Digitalisierung: 500-Euro-Laptops für Lehrer leistungsfähig und gut nutzbar
Artikel
  1. Bundesservice Telekommunikation: Schlecht getarnte Tarnorganisation praktisch enttarnt
    Bundesservice Telekommunikation
    Schlecht getarnte Tarnorganisation praktisch enttarnt

    Inzwischen ist offensichtlich, dass der Bundesservice Telekommunikation zum Bundesamt für Verfassungsschutz gehört.

  2. Volkswagen Payments: VW entlässt Mitarbeiter wohl wegen Cybersicherheits-Bedenken
    Volkswagen Payments
    VW entlässt Mitarbeiter wohl wegen Cybersicherheits-Bedenken

    Volkswagen entlässt einem Bericht nach einen Mitarbeiter, nachdem dieser Bedenken hinsichtlich der Cybersicherheit von Volkswagen Payments äußerte.

  3. Frequenzen: Bundesnetzagentur erfüllt Forderungen der Mobilfunkkonzerne
    Frequenzen
    Bundesnetzagentur erfüllt Forderungen der Mobilfunkkonzerne

    Jochen Homann könnte vor seinem Ruhestand noch einmal Vodafone, Deutsche Telekom und Telefónica erfreuen.

Du willst dich mit Golem.de beruflich verändern oder weiterbilden?
Zum Stellenmarkt
Zur Akademie
Zum Coaching
  • Schnäppchen, Rabatte und Top-Angebote
    Die besten Deals des Tages
    Daily Deals • RTX 3080 Ti 12GB 1.699€ • Intel i9-10900K 444,88€ • Huawei Curved Gaming-Monitor 27" 299€ • Hisense-TVs zu Bestpreisen (u. a. 55" OLED 739€) • RX 6900 1.449€ • MindStar (u.a. Intel i7-10700KF 279€) • 4 Blu-rays für 22€ • LG OLED (2021) 77 Zoll 120Hz 2.799€ [Werbung]
    •  /