• IT-Karriere:
  • Services:

Dual EC: Das Patent auf die NSA-Hintertür

Die Firma Certicom wusste spätestens seit Anfang 2005 von der Hintertür im Zufallszahlengenerator Dual EC DRBG. Das geht aus Patentanmeldungen hervor. Bei dem Zufallszahlengenerator handelt es sich mit hoher Wahrscheinlichkeit um eine NSA-Hintertür.

Artikel veröffentlicht am , Hanno Böck
Was wusste die Blackberry-Tochtergesellschaft Certicom über die NSA-Hintertür in Dual EC?
Was wusste die Blackberry-Tochtergesellschaft Certicom über die NSA-Hintertür in Dual EC? (Bild: Ethan Miller/Getty Images)

Mitarbeiter der Firma Certicom haben offenbar schon deutlich früher als bislang angenommen von einer möglichen Hintertür im Zufallszahlengenerator Dual EC DRBG gewusst. Demnach gab es bereits im Januar 2005 eine vorläufige Patentanmeldung beim US-Patentamt, in der die Möglichkeit einer Hintertür in dem Zufallszahlengenerator beschrieben wird.

Stellenmarkt
  1. finanzen.de, Berlin
  2. UnternehmerTUM GmbH, Garching bei München

Dual EC ist ein Zufallszahlengenerator, der mutmaßlich eine Hintertür der NSA enthält. Entdeckt wurde die Möglichkeit einer Hintertür 2007 von Dan Shumow und dem Microsoft-Mitarbeiter Niels Ferguson, die in einem Kurzvortrag auf der Crypto-2007-Konferenz darauf hinwiesen. Der Algorithmus enthält als Parameter zwei Punkte auf einer elliptischen Kurve. Wer diese Punkte definiert, hat die Möglichkeit, eine Hintertür für den Algorithmus zu berechnen. Nach den Snowden-Enthüllungen gilt es inzwischen als praktisch sicher, dass bei Dual EC eine Hintertür der NSA enthält.

Patent auf Hintertür angemeldet

Bereits im Dezember letzten Jahres hatte die Kryptographin Tanja Lange von der Technischen Universität Eindhoven auf dem Chaos Communication Congress (30C3) darauf hingewiesen, dass die Hintertür von Dual EC DRBG in einem Patent der Firma Certicom beschrieben ist, das 2006 angemeldet wurde. Certicom wusste also schon lange vor dem Vortrag von Ferguson und Shumow von den Problemen in Dual EC.

Tanja Lange und Daniel Bernstein haben nun eine ausführliche Recherche in den Dokumenten der Patentämter vorgenommen. Das älteste auffindbare Dokument, in dem die Hintertür beschrieben ist, stammt demnach vom 21. Januar 2005 - eine sogenannten vorläufige Patentanmeldung. Eine vorläufige Patentanmeldung führt noch nicht zur Erteilung eines Patents, sie dient nur dazu, dem Patentamt bereits das Wissen über eine Erfindung bekanntzumachen, um im Zweifelsfall später nachweisen zu können, dass der Anmelder tatsächlich der erste war, der ein Patent auf eine Erfindung beantragt hat. Die eigentliche Patentanmeldung erfolgte dann ein Jahr später im Januar 2006.

Dual EC von Nist und Ansi standardisiert

Dual EC wurde 2006 von der US-Behörde Nist (National Institute of Standards and Technology) als NIST SP 800-90 standardisiert. Später übernahm auch das Ansi den Algorithmus im Standard X9.82. Da Certicom bereits spätestens im Januar 2005 von der Hintertür in Dual EC wusste, stellt sich die Frage, warum der Algorithmus überhaupt standardisiert wurde.

Dan Brown, Certicom-Mitarbeiter und einer der Verfasser der Patentanmeldung, behauptet auf der Mailingliste der Kryptographie-Arbeitsgruppe der IETF, dass er das Ansi mündlich auf die Probleme von Dual EC hingewiesen hatte. An den genauen Zeitpunkt könne er sich jedoch nicht erinnern.

Angriff mittels TLS beschrieben

Die Dokumente der Patentämter enthalten einige weitere spannende Details. So beschreibt das Patent bereits, wie eine Strafverfolgungsbehörde die Hintertür in dem Zufallszahlengenerator ausnutzen könnte, und erwähnt dabei explizit das TLS-Protokoll. Bei TLS werden beim Verbindungsaufbau Zufallszahlen übertragen, mit denen sich bei Kenntnis der Hintertür-Parameter der interne Status des Zufallszahlengenerators berechnen lässt. Diesen Angriff hat inzwischen ein Team aus Kryptographen auch praktisch nachvollzogen.

Das Nist hat den Algorithmus Dual EC im April offiziell zurückgezogen, allerdings ohne dabei offiziell eine Hintertür einzugestehen. Die Firma Certicom ist inzwischen eine Tochtergesellschaft von Blackberry, dem Hersteller der gleichnamigen Telefone. Zum Zeitpunkt der Patentanmeldung war Certicom noch eine eigenständige Firma.

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed


Anzeige
Spiele-Angebote
  1. (-35%) 25,99€
  2. (-75%) 4,99€
  3. 4,25€
  4. (-40%) 32,99€

MisterProll 18. Jun 2014

So wie der Tolle Fingerabdrucksensor, der ja tief in die Haut messen sollte, und dann...

MESH 18. Jun 2014

Es ist schon abstrus wenn sich jetzt darüber aufgeregt wird. Die Firma hat ein fukken...

gadthrawn 17. Jun 2014

Im Angriffsszenario? "So beschreibt das Patent bereits, wie eine Strafverfolgungsbehörde...


Folgen Sie uns
       


Parksensor von Bosch ausprobiert

Wenn es darum geht, Autofahrer auf freie Parkplätze zu lotsen, lassen sich die Bosch-Sensoren sinnvoll einsetzen.

Parksensor von Bosch ausprobiert Video aufrufen
Mr. Robot rezensiert: Domo Arigato, Mr. Robot!
Mr. Robot rezensiert
Domo Arigato, Mr. Robot!

Wie im Achtziger-Klassiker Mr. Roboto von Styx hat auch Elliot in Mr. Robot Geheimnisse. Die Dramaserie um den Hacker ist nicht nur wegen Rami Malek grandios. Sie hat einen ganz eigenen beeindruckenden visuellen Stil und zeigt Hacking, wie es wirklich ist. Wir blicken nach dem Serienfinale zurück.
Eine Rezension von Oliver Nickel und Moritz Tremmel

  1. Openideo-Wettbewerb Die fünf besten Hacker-Symbolbilder sind ausgewählt
  2. Cyberangriffe Attribution ist wie ein Indizienprozess
  3. Double Dragon APT41 soll für Staat und eigenen Geldbeutel hacken

Europäische Netzpolitik: Die Rückkehr des Axel Voss
Europäische Netzpolitik
Die Rückkehr des Axel Voss

Elektronische Beweismittel, Nutzertracking, Terrorinhalte: In der EU stehen in diesem Jahr wichtige netzpolitische Entscheidungen an. Auch Axel Voss will wieder mitmischen. Und wird Ursula von der Leyen mit dem "Digitale-Dienste-Gesetz" wieder zu "Zensursula"?
Eine Analyse von Friedhelm Greis

  1. Mitgliederentscheid Netzpolitikerin Esken wird SPD-Chefin
  2. Nach schwerer Krankheit FDP-Netzpolitiker Jimmy Schulz gestorben

Lovot im Hands-on: Knuddeliger geht ein Roboter kaum
Lovot im Hands-on
Knuddeliger geht ein Roboter kaum

CES 2020 Lovot ist ein Kofferwort aus Love und Robot: Der knuffige japanische Roboter soll positive Emotionen auslösen - und tut das auch. Selten haben wir so oft "Ohhhhhhh!" gehört.
Ein Hands on von Tobias Költzsch

  1. Orcam Hear Die Audiobrille für Hörgeschädigte
  2. Viola angeschaut Cherry präsentiert preiswerten mechanischen Switch
  3. Consumer Electronics Show Die Konzept-Messe

    •  /