DSGVO: Endspiel um Nutzertracking und Cookiebanner

Wie legal sind Echtzeit-Auktionen für verhaltensbasierte Internetwerbung? Dazu startet nun die letzte Entscheidungsrunde der Datenschutzbehörden.

Ein Bericht von Christiane Schulzki-Haddouti veröffentlicht am
Fällt bald der Hammer für die Echtzeit-Versteigerung von Werbeplätzen?
Fällt bald der Hammer für die Echtzeit-Versteigerung von Werbeplätzen? (Bild: Pixabay)

Seit Inkrafttreten der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) bevölkern lästige Popup-Fenster fast alle Websites von Unternehmen und Verlagen. Über meist irreführende farbige Zustimm-Buttons holen sich Google und andere Online-Werbetreibende von den Nutzern ihre Einwilligung für Werbe-Targeting ein: Jeder soll die Werbung erhalten, die genau zu den eigenen Vorlieben und Surfgewohnheiten passt. Dazu werden auch sensible Daten zu Sexualität, Ethnizität und politischer Haltung erhoben und weitergereicht.

Inhalt:
  1. DSGVO: Endspiel um Nutzertracking und Cookiebanner
  2. IAB streitet nach wie vor Verantwortlichkeit ab

Die Basis dafür ist ein Rahmenwerk der Branchenorganisation IAB Europe. Gegen dieses hatten vor mehr als zwei Jahren ein Dutzend Bürgerrechtsorganisationen in Europa Beschwerde bei den Datenschutzbehörden eingereicht. Nun steht die Entscheidung an.

Johnny Ryan vom Irish Council for Civil Liberties, der 2018 die Beschwerde eingeleitet hatte, sieht darin bereits den Sieg. In einer Pressemitteilung schreibt er: "Wir haben gewonnen." Hunderte Millionen Europäer seien von der Online-Werbebranche und ihrem Verband IAB ihrer Grundrechte beraubt worden.

Das Online-Auktionssystem der Werbeindustrie (Real Time Bidding - RTB) wertet für personalisierte Anzeigen das Verhalten von Internetnutzern minutiös aus und verfolgt ihre Standorte. Ryan kritisiert: "RTB ist die größte jemals registrierte Datenschutzverletzung. Es gibt keine Möglichkeit, Daten in diesem kostenlosen Angebot zu schützen."

IAB geht in die Offensive

Stellenmarkt
  1. Softwareentwickler GUI / Softwareingenieur GUI (m/w/d)
    M&C TechGroup Germany GmbH, Ratingen (nahe Düsseldorf)
  2. Digital Analyst - Schwerpunkt Redaktion (d/m/w)
    RND RedaktionsNetzwerk Deutschland GmbH, Hannover
Detailsuche

Die erwartete Entscheidung ist so brisant, dass die Branchenorganisation IAB Europe selbst in die Offensive ging und sie als erste verkündete. Mit ihrem 2018 eingerichteten IAB Europe Transparency & Consent Framework (TCF) glaubte die IAB, alle Anforderungen der DSGVO erfüllen zu können. Dennoch erwartet sie, dass die belgische Datenschutzbehörde ihr Rahmenwerk für Online-Werbung als Verstoß gegen die DSGVO werten wird.

Die belgische Datenschutzbehörde hatte gegenüber IAB Europe angekündigt, ihren Entscheidungsentwurf in den kommenden zwei bis drei Wochen in einem Konsultationsverfahren an andere europäische Datenschutzbehörden weiterzuleiten. Diese haben dann innerhalb des sogenannten One-Stop-Shop-Verfahrens 30 Tage Zeit, ihn zu prüfen. Danach kann die Behörde eine endgültige Entscheidung treffen oder die Angelegenheit dem Europäischen Datenschutzausschuss (EDSA) vorlegen, falls die Ansichten zu sehr auseinandergehen.

Stellen die Datenschutzbehörden einen Verstoß gegen die DSGVO fest, muss IAB Europa innerhalb von sechs Monaten unter Aufsicht der belgischen Behörde die Verstöße beheben. Sie kann auch gegen die Entscheidung klagen.

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed
IAB streitet nach wie vor Verantwortlichkeit ab 
  1. 1
  2. 2
  3.  


Aktuell auf der Startseite von Golem.de
CoreELEC/LibreELEC
Smart-TV mal anders

Eine TV-Box Marke Eigenbau bringt Spaß und Gewissheit über unsere Daten. Die Linux-Distributionen CoreELEC und LibreELEC eignen sich da besonders.
Eine Anleitung von Sebastian Hammer

CoreELEC/LibreELEC: Smart-TV mal anders
Artikel
  1. Softwarepatent: Uraltpatent könnte Microsoft Millionen kosten
    Softwarepatent
    Uraltpatent könnte Microsoft Millionen kosten

    Microsoft hat eine Klage um ein Software-Patent vor dem BGH verloren. Das Patent beschreibt Grundlagentechnik und könnte zahlreiche weitere Cloud-Anbieter betreffen.
    Ein Bericht von Stefan Krempl

  2. Canon, Samsung, Amazon, Sonos: Alibaba geht auf Expansionskurs
    Canon, Samsung, Amazon, Sonos
    Alibaba geht auf Expansionskurs

    Sonst noch was? Was am 7. Dezember 2021 neben den großen Meldungen sonst noch passiert ist, in aller Kürze.

  3. Krypto: Angeblicher Nakamoto darf 1,1 Millionen Bitcoin behalten
    Krypto
    Angeblicher Nakamoto darf 1,1 Millionen Bitcoin behalten

    Ein Gericht hat entschieden, dass Craig Wright der Familie seines Geschäftspartners keine Bitcoins schuldet - kommt jetzt der Beweis, dass er Satoshi Nakamoto ist?

Du willst dich mit Golem.de beruflich verändern oder weiterbilden?
Zum Stellenmarkt
Zur Akademie
Zum Coaching
  • Schnäppchen, Rabatte und Top-Angebote
    Die besten Deals des Tages
    Daily Deals • Kingston PCIe-SSD 1TB 69,90€ & 2TB 174,90€ • Samsung Smartphones & Watches günstiger • Saturn-Advent: Xiaomi Redmi Note 9 Pro 128GB 199€ • Alternate (u. a. Razer Opus Gaming-Headset 69,99€) • Release heute: Halo Infinite 68,99€ • MM-Aktion: 3 Spiele kaufen, nur 2 bezahlen [Werbung]
    •  /