Abo
  • Services:

Druck der Filmwirtschaft: EU-Parlament verteidigt Geoblocking bei Fernsehsendern

Die EU-Kommission kommt mit der Abschaffung des Geoblockings nicht recht weiter. Nun hat sich das EU-Parlament gegen einen EU-weiten Zugriff auf die Mediatheken der TV-Sender gesperrt.

Artikel veröffentlicht am ,
Das EU-Parlament in Straßburg
Das EU-Parlament in Straßburg (Bild: Frederick Florin/AFP/Getty Images)

Das Europaparlament lehnt einen weitgehenden Zugriff auf die Film- und Rundfunkbeiträge der nationalen Fernseh- und Radiosender innerhalb der EU ab. Anstatt wie von der EU-Kommission geplant, den Online-Zugang zu Fernseh- und Hörfunkprogrammen aus anderen Mitgliedstaaten zu erleichtern, wollen die EU-Abgeordneten lediglich "Nachrichtensendungen und Sendungen zur politischen Information" europaweit zugänglich machen.

Stellenmarkt
  1. tecmata GmbH, Wiesbaden
  2. Visteon Electronics Germany GmbH, Karlsruhe

Ein entsprechender Vorschlag des Justizausschusses erhielt am Dienstag eine Mehrheit von 344 Ja- gegen 265 Nein-Stimmen, wie das Parlament mitteilte. Die meisten Beiträge der Sender wären damit weiterhin vom sogenannten Geoblocking betroffen.

Die EU-Kommission will mit ihrer Initiative zum digitalen Binnenmarkt auch die seit 1995 geltende Satelliten- und Kabelrichtlinie (Satcab) aktualisieren. In diesem Zusammenhang wollte sie den Online-Zugang zu den Inhalten der Fernsehsender erleichtern. Die EU-Kommission begründet dies unter anderem damit, dass immer mehr EU-Bürger außerhalb ihres Geburtslandes lebten und daher an den Angeboten ihrer Heimatsender interessiert seien. Laut Eurostat betrifft dies inzwischen 20 Millionen EU-Bürger.

Zumindest Eigenbeiträge sollten befreit werden

Zudem verweist die Kommission in einem Hintergrundpapier darauf, dass 67 Prozent aller Filme lediglich in einem einzigen EU-Land gezeigt würden. Der Anteil der Beiträge nationaler Sender, die im Ausland verfügbar seien, liege teilweise nur bei einem Prozent, wie im Fall des ZDF.

Die EU-Kommission wollte es daher den Sendern ermöglichen, zumindest ihre Eigenbeiträge europaweit verfügbar zu machen. Das würde im Falle der ARD 94 Prozent der Beiträge betreffen, bei der britischen BBC noch 70 Prozent. Würden Auftragsproduktionen hinzugerechnet, würde der Anteil der "befreiten" Beiträge bei der BBC beispielsweise auf 90 Prozent steigen. Die Entscheidung zur internationalen Freigabe der Werke läge weiterhin bei den Sendern, zudem sollte die zusätzliche Reichweite bei der Honorierung der Rechteinhaber berücksichtigt werden.

Private Anbieter warnen

Doch diese Pläne gingen dem Europaparlament zu weit. Dabei lehnten sowohl der federführende Justizausschuss als auch das Plenum die Pläne der EU-Kommission ab, die sogar vom zuständigen Berichterstatter Tiemo Wölken (SPD) unterstützt worden waren.

So hatte der Verband Privater Rundfunk und Telemedien (VPRT) davor gewarnt, in den territorialen Charakter des Urheberrechts einzugreifen und eine exklusive gebietsbezogene Lizenzvergabe von Film- und Fernsehrechten zu behindern. "Eine vermeintlich vereinfachte Lizenzierung von Film - und Fernsehprogrammen nach dem Prinzip 'Buy 1, get 27 on top' würde in erster Linie die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten privilegieren, zu Lasten der Verhandlungsposition unabhängiger Programmlieferanten", heißt es in einer Stellungnahme von Anfang Dezember (PDF).

Während die EU-Kommission in Erwägungsgrund 11 ihres Entwurfs eine territoriale Einschränkung der Lizenzen ausdrücklich gestattete, ist in der Parlamentsposition nun davon die Rede, dass eine solche Einschränkung "in Anbetracht des Grundsatzes der Vertragsfreiheit und zur Förderung bestehender Lizenzmodelle (...) erforderlich ist". Nutzer können das Geoblocking jedoch mit Hilfe von VPN-Anbietern oder Browsern mit integriertem HTTP-Proxy wie Opera umgehen.

Ansip will Freigabe verteidigen

EU-Vizekommissionspräsident Andrus Ansip bezeichnete auf Twitter die Abstimmung als "enttäuschend für Leute, Urheber, kulturelle Vielfalt. Es fühlt sich so an, als seien wir immer noch im 20. Jahrhundert". Ansip kündigte an, zusammen mit EU-Digitalkommissarin Mariya Gabriel in den anstehenden Trilog-Verhandlungen mit Parlament und EU-Staaten den "ausgewogenen und zukunftsorientierten Vorschlag der EU-Kommission zu verteidigen".



Anzeige
Hardware-Angebote
  1. 229,90€ + 5,99€ Versand
  2. bei Alternate kaufen
  3. 249,90€ + Versand (im Preisvergleich über 280€)
  4. ab 349€

Rulf 18. Dez 2017

du meinst vielleicht das vorsorgeprinzip in der eu... das hat aber zb das fracking und...

Eheran 14. Dez 2017

Kannst du mir noch mal sagen wo ich diese, übrigens auch m.M.n. zu teuren, Verträge...

Zockmock 14. Dez 2017

Erschlagene Argumentation mit fantastischer Lösungsorientierung. Bravo /s

mxcd 14. Dez 2017

Tatsächlich operieren die allermeisten Lobbyisten völlig ohne direkte Incentives. Was...

/mecki78 14. Dez 2017

Bei Eigenproduktionen sind entweder die Sender selber die Urheber oder aber sie haben...


Folgen Sie uns
       


Golem.de ist Kratos - God of War (Live, keine Spoiler)

Die Handlung verraten wir nicht, trotzdem wollen wir das andersartige neue God of War besprechen. Zu diesem Zweck haben wir eine stellvertretende Mission herausgesucht, in der es nicht um die primäre Handlung geht. Ziel ist es, den Open-World-Ansatz zu zeigen, das Kampfsystem zu erklären und die Spielmechaniken zu verdeutlichen.

Golem.de ist Kratos - God of War (Live, keine Spoiler) Video aufrufen
HTC Vive Pro im Test: Das beste VR-Headset ist nicht der beste Kauf
HTC Vive Pro im Test
Das beste VR-Headset ist nicht der beste Kauf

Höhere Auflösung, integrierter Kopfhörer und ein sehr bequemer Kopfbügel: Das HTC Vive Pro macht alles besser und gilt für uns als das beste VR-Headset, das wir bisher ausprobiert haben. Allerdings ist der Preis dafür so hoch, dass kaufen meist keine clevere Entscheidung ist.
Ein Test von Oliver Nickel

  1. VR-Headset HTCs Vive Pro kostet 880 Euro
  2. HTC Vive Pro ausprobiert VR-Headset hat mehr Pixel und Komfort
  3. Vive Focus HTC stellt autarkes VR-Headset vor

Xperia XZ2 Compact im Test: Sonys kompaktes Top-Smartphone bleibt konkurrenzlos
Xperia XZ2 Compact im Test
Sonys kompaktes Top-Smartphone bleibt konkurrenzlos

Sony konzentriert sich beim Xperia XZ2 Compact erneut auf die alte Stärke der Serie und steckt ein technisch hervorragendes Smartphone in ein kompaktes Gehäuse. Heraus kommt ein kleines Gerät, das kaum Wünsche offenlässt und in dieser Größenordnung im Grunde ohne Konkurrenz ist.
Ein Test von Tobias Költzsch

  1. Xperia XZ2 Premium Sony stellt Smartphone mit lichtempfindlicher Dualkamera vor
  2. Sony Grundrauschen an Gerüchten über die Playstation 5 nimmt zu
  3. Playstation Sony-Chef Kaz Hirai verabschiedet sich mit starken Zahlen

Facebook-Anhörung: Zuckerbergs Illusion von der vollen Kontrolle
Facebook-Anhörung
Zuckerbergs Illusion von der vollen Kontrolle

In einer mehrstündigen Anhörung vor dem US-Senat hat Facebook-Chef Mark Zuckerberg sein Unternehmen verteidigt. Doch des Öfteren hinterließ er den Eindruck, als wisse er selbst nicht genau, was er in den vergangenen Jahren da geschaffen hat.
Eine Analyse von Friedhelm Greis

  1. Facebook Verschärfte Regeln für Politwerbung und beliebte Seiten
  2. Facebook Messenger Zuckerbergs Nachrichten heimlich auf Nutzerkonten gelöscht
  3. Böswillige Akteure Die meisten der zwei Milliarden Facebook-Profile ausgelesen

    •  /