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Autonome Drohnen: "Die Eskalationsgefahr in dieser Übergangsphase ist enorm"

Der Ausblick auf die Kriegsführung in 10 Jahren: weniger Panzer und Kampfjets, dafür billige Drohnenschwärme , autonome Systeme und Empathieprobleme.
/ Mario Petzold
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Drohnen verändern, wie militärische Konflikte ausgetragen und entschieden werden. (Bild: Getty Images/Genya Savilov)
Drohnen verändern, wie militärische Konflikte ausgetragen und entschieden werden. Bild: Getty Images/Genya Savilov

Die Physikerin und Philosophin Nadia Mazouz und der Robotikexperte Roland Siegwart, beide lehren an der ETH Zürich, erklären in einem Gespräch mit dem universitätseigenen Magazin Globe(öffnet im neuen Fenster) , wie sich die Entwicklung von Drohnen auf jetzige und zukünftige Konflikte auswirkt. Überrascht hat keinen von beiden die intensive Verwendung von ferngesteuerten und autonomen Systemen in Krieg gegen die Ukraine.

Technik, die in jedem Smartphone stecke, und niedrige Stückpreise hätten zwangsläufig dazu geführt, dass Drohnen in bewaffneten Konflikten eingesetzt würden. Ein wichtiger Effekt ist laut Mazouz dabei, dass die schwächere Partei plötzlich gegenhalten kann, dass etwa ein Panzer durch eine Bastlerdrohne ausgeschaltet werden kann.

Steigende Effizienz

Verglichen mit schwerem Gerät wie Panzern und Kampfflugzeugen oder Raketensystemen mit Munition für eine Million Dollar pro Stück könne ein Schwarm Drohnen teils mehr Schaden anrichten. Zumindest sei die Verteidigung dagegen deutlich schwieriger, wie Roland Siegwart betont.

Er geht davon aus, dass schon in zehn Jahren kaum noch bemanntes Militärgerät zum Einsatz kommen dürfte, weil dann selbst Kampfjets gegen eine Vielzahl autonomer Drohnen keine Chance mehr hätten. Diese Autonomie dürfte sich in den nächsten Jahren zudem erheblich weiterentwickeln.

Auf störungsanfällige Satellitennavigation oder Fernsteuerung werde immer mehr verzichtet werden. Stattdessen werde Computer Vision zum Einsatz kommen, um Ziele autonom zu identifizieren. Für die Navigation werden Kameras und Radar zuständig sein. Beides sei schon heute problemlos realisierbar.

Programmierung entscheidet

Entscheidend sei, wie die Maschine funktionierten und Entscheidungen träfen. Schließlich sind sie laut der Philosophin Mazouz weder emotional noch rational. Sie könnten somit zwar auch keine Wut empfinden, hätten aber auch keinerlei Empathie. Komme dann noch eine schlechte beziehungsweise fehlerhafte Programmierung hinzu, seien die Folgen nicht absehbar.

Auch Robotikexperte Siegwart geht davon aus, dass die Systeme vor allem in den nächsten Jahren Fehler begehen werden, und warnt: "Die Eskalationsgefahr in dieser Übergangsphase ist daher enorm."


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