Drohnen: Coventry baut grotesken Drohnenflughafen

Er sieht aus wie Science Fiction, ist aber nur ein Hubschrauberlandeplatz mit zu wenig Platz und kostet 1,74 Millionen britische Pfund.

Ein IMHO von veröffentlicht am
Air One ist ein teurer Helikopterlandeplatz.
Air One ist ein teurer Helikopterlandeplatz. (Bild: Hyundai)

In der britischen Stadt Coventry soll der erste Drohnenflughafen der Welt, Air One, entstehen. Gebaut wird er von der britischen Small LLC (Six Miles Across London Limited) in Kooperation mit Hyundai und der britischen Regierung. Als Standort wurde eine Fläche nahe der Ricoh Arena, einem Stadion, gewählt. Das Ziel sei, Verständnis und Akzeptanz der Bevölkerung für die neue Technologie zu fördern. Laut einer Nasa-Studie soll Infrastruktur eine der großen Barrieren beim Ausbau der sogenannten "urbanen Luftmobilität" sein und Flughäfen wie Air One sollen es lösen - können es aber nicht.

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Bei Air One handelt es sich um ein flaches, kegelförmiges Gebäude mit einer einzigen flachen Helikopterlandeplattform auf dem Dach. Mit einem Lift können Drohnen vom Dach ins innere des Gebäudes abgesenkt werden, das etwa den dreifachen Durchmesser der Landeplattform hat. Von dort können die Drohnen seitlich in Hangars geschoben werden. Aber wegen der ungünstigen Geometrie ist sehr zweifelhaft, ob größere Drohnen dort überhaupt Platz haben. In der Computergrafik werden die Wände schlicht ausgeblendet.

Air One soll einen 60 Prozent kleineren ökologischen Fußabdruck als ein herkömmlicher Helikopterlandeplatz haben. Im Vergleich zu Air One bestünde ein solcher aus einer befestigten und markierten Fläche, mit einer einfachen Halle als Hangar daneben, die ohne Lift direkt erreichbar wäre. In dem Hangar wäre genug Platz für mehrere große Drohnen und auf dem Hangardach wäre auch Platz für mehr Solarzellen als bei der Konstruktion von Air One. Wie das im Art-Deco-Stil der Science Fiction der 1950er Jahre gebaute Gebäude einen niedrigeren ökologischen Fußabdruck haben soll, sagen die Betreiber nicht. Allein der Britische Staat investiert dafür als Teil der Future Flight Challenge 1,2 Millionen Pfund, bei einer Gesamtsumme von 1,74 Millionen Pfund.

Leere Versprechen von Katastrophenhilfe und Selbstversorgung

Auf Werbebildern wird gezeigt, wie sie auf Parkplätzen, vor Hotels, auf Dächern anderer Gebäude oder auf schwimmenden Plattformen mit Anlegern für Yachten platziert werden. Überall dort wird derzeit für die gleichen Zwecke eine flache Plattform mit Landemarkierung benutzt.

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Air One soll auch bei der Bewältigung von Naturkatastrophen helfen. Aber dort kommen senkrecht startende Luftfahrzeuge deshalb zum Einsatz, weil sie eben gar keine aufwändige Infrastruktur wie Air One benötigen, nicht mal unbedingt eine Landemarkierung auf dem Boden. Air One müsste hingegen mit mehreren Containern angeliefert und über mehrere Tage aufgebaut werden. Bis dahin ist es im Katastrophenfall viel zu spät und die Container hätten ohnehin viel nützlichere Versorgungsgüter bringen können.

Genauso unverständlich ist, wie Air One unabhängig vom Stromnetz sein soll. Auch das behaupten die Betreiber. Dabei können die wenigen Solarzellen auf den Gebäudewänden mit Sicherheit nicht einmal genug Strom am Tag für auch nur eine Akkuladung einer größeren Passagierdrohne erzeugen. Nennenswerter Flugbetrieb wird die benötigten großen Energiemengen vom Stromnetz beziehen müssen, wenn der Flugplatz für mehr als nur Landungen genutzt werden soll.

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Air One demonstriert Unverständnis für neue Technologie

Laut der zitierten Nasa-Studie ist vor allem die geringe Zahl und Kapazität der Helikopterlandeplätze ein großes Problem für das Konzept der urbanen Luftfahrt. Unter Vollauslastung ist von einem Standort höchstens mit einem Flug alle 5 Minuten zu rechnen. Aber es dürften viel weniger Flüge sein, wegen der zusätzlichen Zeit für die Fahrten mit dem Lift und der fehlenden Möglichkeit, mehrere Drohnen parallel abzuarbeiten. Air One steht sich selbst im Weg und verursacht dabei auch noch hohe Investitionskosten. Das Air One-Konzept macht also die Probleme der fehlenden Landeplätze und deren schlechte Kapazität schlimmer als zuvor.

Mit Air One demonstrieren die britische Regierung und die Betreiber allem voran ihre Unkenntnis über die neue Technologie. Es wird damit nicht gelingen, die Akzeptanz dafür in der Bevölkerung zu fördern. Drei weiße Markierungen auf Asphalt als Start und Landeplätze, einige herkömmliche Elektroladesäulen und eine einfache Zweckhalle hätten für einen Bruchteil des Geldes viel mehr gebracht.

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Eheran 24. Mär 2021

Das ein Helipad bei weitem einfacher, günstiger und umweltschonender zu bauen und zu...

non_sense 23. Mär 2021

Aus dem Link: "Within the Air-One project we will implement the first UKs first &#8216...

subjord 23. Mär 2021

Es wäre wohl eine gute Alternative wenn man einfach vier Landeplätze nebeneinander bauen...

blubberer 22. Mär 2021

Vielleicht mit ein paar Drohnen? SCNR :)

Rattenschwanz 22. Mär 2021

K.w.t.



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