Drohne: Piraten überwachen Kanzlerin Merkel aus der Luft

Ein Mitglied der Piratenpartei hat versucht, Bundeskanzlerin Angela Merkel und weitere CDU-Mitglieder bei einer Wahlkampfveranstaltung in Dresden mit einer Drohne zu filmen. Polizeibeamte beendeten die Aktion.

Gerade als der sächsische Ministerpräsident Stanislaw Tillich Kanzlerin Merkel am Sonntag bei einer Kundgebung angekündigt habe, sei einige Meter entfernt von ihr ein unbemanntes Fluggerät (Unmanned Aerial Vehicle, UAV) niedergegangen, berichtet der Mitteldeutsche Rundfunk(öffnet im neuen Fenster) (MDR).
Kameradrohne
Es habe sich um einen etwa 40 Zentimeter großen Quadrocopter gehandelt, der mit einer Kamera ausgestattet gewesen sei und von einem Mitglied der Piratenpartei gesteuert worden sei. Sicherheitsbeamte hätten ihn ausfindig gemacht und dazu gebracht, seine Aktion abzubrechen.
Er habe "ein Video von Kanzlerin Merkel und anderen anwesenden CDU-Politikern" aufnehmen wollen, sagte der Drohnenpilot. Gefahr habe für die Aufgenommenen nicht bestanden: "Nachdem ich von der Polizei dazu gezwungen wurde, leitete ich eine Sicherheitslandung im Bereich vor der Bühne ein, um niemanden zu gefährden, woraus das etwas unsanfte Aufsetzen der Drohne resultierte."
Harmlose Drohne
Der 23-Jährige wurde vorübergehend festgenommen. Gegen ihn läuft eine Ermittlung wegen Verstoßes gegen das Luftverkehrsgesetz. Eine Untersuchung des Quadrocopters ergab, dass das Luftfahrzeug harmlos war.
Die Reaktionen auf die Aktion waren geteilt: Michael Kretschmer, Generalsekretär der CDU in Sachsen, bezeichnete die Aktion als Klamauk. Merkel sei "sichtlich amüsiert" gewesen, berichtet der MDR. Andere Politiker hätten das UAV "teils erheitert, teils ungläubig" verfolgt. Verteidigungsminister Thomas de Maizière sei "eher konsterniert" gewesen. Bei ihm dürfte die Situation, dass ihm eine Drohne vor die Füße fällt, ein Déjà-vu-Erlebnis ausgelöst haben.
Gegen Überwachung und Euro Hawk
Die Piratenpartei verteidigte den Drohneneinsatz als politische Aktion: "Ziel des Einsatzes war, der Kanzlerin und Verteidigungsminister de Maizière ein Gefühl dafür zu vermitteln, wie es ist, plötzlich selbst von einer Drohne beobachtet zu werden" , erklärte der stellvertretende Parteivorsitzende Markus Barenhoff. "Für uns ist der Einsatz von Drohnen innerhalb der EU-Sicherheitsarchitektur der Ausdruck einer fatalen Fehlentwicklung." Die Partei habe darauf sowie auf die Verschwendung von Steuergeldern für Euro-Hawk-Drohnen hinweisen wollen.
Barenhoff konterte Kretschmers Klamauk-Vorwurf: "Dieser sogenannte Klamauk hatte mehr Inhalt als alle CDU-Plakate dieses Wahlkampfs zusammen." Die Aussichten der Piraten, in der Bundestagswahl am kommenden Sonntag die Fünf-Prozent-Hürde zu überwinden, sind nicht erst nach der Niederlage in der bayerischen Landtagswahl eher schlecht. Parteichef Bernd Schlömer hält einen Einzug in den Bundestag dennoch für möglich .
Nachtrag vom 17. September 2013, 14:04 Uhr
Der Artikel wurde um das Video ergänzt.



